Freude bei Microsoft: Die Jugend findet uns cool(er)

Christian Wolf

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Bei Microsoft freut man sich derzeit über eine Umfrage, die von der Nachrichtenagentur Reuters in Auftrag gegeben und von Anfang bis Mitte Februar online durchgeführt wurde. Die insgesamt rund 4.800 Teilnehmer sollten dabei unter anderem den „Coolness“-Faktor – und damit indirekt ja auch das Image – von Tech-Unternehmen bewerten. Ergebnis: Bei der Hälfte aller 853 Nutzer im Alter von 18 bis 29 Jahren wird Microsoft als „cooler“ bewertet als noch ein oder zwei Jahre zuvor.

Cooler! Aber cool?

Aber ist das nun ein Grund für die Redmonder, den Sekt Champagner zu köpfen und im Kreis zu tanzen?

Ja, denn bei einer jungen Zielgruppe gut beziehungsweise besser anzukommen, gilt ja gemeinhin als erstrebenswert – zweifelsohne besonders für einen IT-Konzern, der im Privatkundengeschäft aktiv ist.

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Nein, denn die Reuters-Zahlen bilden ja lediglich Relationen ab. Microsoft ist „cooler“ als ein Jahr zuvor? Gut, aber was heißt das schon? Wie „cool“ war der Konzern denn ursprünglich – sagen wir auf einer Skala von 1 für „total uncool“ bis 6 für „total cool“? Angenommen, wir hatten 2011 eine 1,5 im Durchschnitt und jetzt haben wir eine 2 – kann man sich darüber wirklich freuen? Ich weiß ja nicht. Und davon abgesehen: Welchen (substantiellen) Wert hat diese „Coolness“ eigentlich?

Microsoft wechselt die Seiten

Klar, es gibt also offenbar eine Tendenz, dass die Jugend das alte Schlachtschiff MS Ballmer wieder zu mögen beginnt. Andererseits: Das möchte ja wohl bitte auch so sein, schließlich hat Microsoft ein paar Millionen in die Hand genommen und den größten Image-Wandel seiner Geschichte vollzogen – neue Produkte, neue Ausrichtung, neue Ikonografie, neue Farben und Formen. Am interessantesten finde ich dabei aber: Plötzlich will man zu den „Coolen“ gehören – ein Feld, was auch noch zu Zeiten von Windows 7 zumindest nach außen negativ besetzt und bewusst an Apple abgetreten wurde („Ich bin ein PC“).

Damals lautete die offizielle Devise in etwa: Klar, Apple ist cool, aber produktives Arbeiten geht eben nicht mit dem Hippie-Flippie-Mac. Jetzt haben wir Windows 8 – was mir nach ein bisschen Eingewöhnungszeit übrigens immer besser gefällt – und werden täglich von farbigen rotierenden Kacheln begrüßt, womöglich auf einem Surface-Tablet, mit dem quirlige Turnschuhträger in Primetime-Spots zu gefälliger Musik performen. Beim Surface Pro dann wahlweise auch im Anzug.

Bereits ein schneller Vergleich beider Werbeclips macht deutlich: Microsoft setzt alles daran, die Seiten zu wechseln. Dahinter steht wohl vor allem ein Gedanke: Die „Coolen“ machen Kasse. Ob das wirklich so ist, muss sich aber noch beweisen und ist im für Microsoft traditionell wichtigen Unternehmensgeschäft eher fragwürdig. Dort zählen andere Werte. Trotzdem sieht man sich nun bestätigt, unterstützt von der Reuters-Erkenntnis, dass gleichzeitig nur 42 Prozent der Befragten Facebook sowie 47 Prozent Twitter „cooler“ finden, als ein Jahr zuvor. Na dann, Glückwunsch, auch wenn Apple sowie Google (vertreten durch Android) den „Coolness“-Index mit 60 und 70 Prozent unverändert dominieren.

Bild: Screenshot (All Mac vs. PC ads)

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Christian Wolf wird am Telefon oft mit "Wulff" angesprochen, obwohl er niemals Bundespräsident war und rast gerne mit seinem Fahrrad durch Köln. Er hat von 2011 bis 2014 für BASIC thinking geschrieben.