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Die ASSI-Partei: Microsofts neue Anti-Piraterie-Kampagne setzt auf Brechstangen-Satire

assi-partei

„Wat is los?“ – das war mein erster Gedanke, nachdem mir ein Tweet ins Auge fiel, den Microsoft Deutschland am Montag abgesetzt hat. Beim kurzen Aufpoppen sah ich nur „ASSI-Partei“ und „Wahlkampf“. Und einen Kurz-Link auf ein tumblr-Blog. Verwirrung pur. Hat jemand den Twitter-Account von Microsoft gehackt? Um es kurz zumachen: Mitnichten. Die ASSI-Partei ist eine Kreation der Microsoft-Marketing-Abteilung, Referat „Virale Projekte“.

So richtig hat der Funke allerdings bislang nicht gezündet – im Dauerfeuer der MWC-Meldungen ist Dr. A. Berkannt, erklärter „Spitzenkandidat“ der ASSI-Partei, wohl einfach sang- und klanglos untergegangen. Das ist zumindest eine Erklärung. Eine andere wäre: Es versteht einfach niemand, was die ganze Sache eigentlich soll.

 

Was will uns Microsoft eigentlich sagen?

Womit wir beim Kernthema sind: Was will uns Microsoft mit seiner – nennen wir es neutral – Kampagne nun eigentlich sagen? Nunja, irgendwie geht es um Moral, soziale Kompetenzen, Rechtschaffenheit – beziehungsweise das krasse Gegenteil davon. Denn die ASSI-Partei – kurz für Asozial, Selbstverliebt, Schamlos, Intolerant – steht eben für ganz andere Werte. „Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht“ lautet etwa ein auf einem Flyer abgedruckter Slogan, mit dem man in den „Wahlkampf“ zieht. (Bislang habe ich diesen immer der FDP zugeschrieben, so kann man sich irren).

Weitere Blog-Einträge enthalten „Wahlkampfspots“, in denen man sich gegen Behindertenparkplätze, Trinkgeld und das rote Ampelmännchen als Vorbild für Kinder ausspricht. Und gegen Plagiate. Gefordert von Herrn Dr. A. Berkannt. Haha. Witz verstanden? Gut.

Der Assi lädt sein Betriebssystem (illegal) herunter

Dabei werden mündlich wie schriftlich immer wieder Keywords eingestreut, die den Sinn des Ganzen langsam aber sicher durchscheinen lassen. Beispiel:

„Wer für Originale bezahlt, hat kein Geld mehr für die schönen Dinge im Leben“.

Oder:

„Sie fragen sich immer noch, was Sie auf diese Seite verschlagen hat? Ich sag es Ihnen: Insgeheim sind Sie auch ein kleiner Assi. Vielleicht können sie sich nicht mehr genau erinnern, wann Sie beigetreten sind – als Sie Ihr neues Betriebssystem bequem auf Boerse.bz runterluden, oder als Sie den Wagen auf dem Parkplatz andätschten und keine Adresse hinterließen.“

Oder:

„Soziale Menschen wissen nicht mal, dass Croissants existieren. Sie kennen auch die guten Plätze im Kino nicht. Und ein Bundesministerium für Arbeit? Wer fleißig kopiert, klaut und fälscht, der zelebriert genau das Gegenteil. Denn das Office-Paket von Filestube sorgt nun wirklich nicht für mehr Arbeitsplätze. Und geht es uns dabei schlecht? Absolut nicht, wir fühlen uns hervorragend dabei. Wenn jeder Mensch für Software, Filme und Musik keinen Cent mehr ausgeben würde, hätten wir alle viel mehr Geld am Ende des Monats für andere Dinge übrig. Zum Beispiel für Croissants.“

„Play Fair Day“?! – Da war doch was

Nun, damit dürfte der Groschen gefallen sein. Es geht also um eine satirisch verpackte Aktion gegen die illegale Verbreitung von (Microsoft-)Software – quasi ASSI als Anti Schwarzkopierer- und Software-Piraterie Initiative. Endgültig klar wird das durch einen Hinweis auf den „Play Fair Day“, der am 6. März stattfinden wird. Die Älteren unter euch werden sich vielleicht erinnern, da war doch was: Genau, 2011.

Damals verteilte Microsoft anlässlich das „Global Fair Play Days“ die „Windows 7 Ultimate Pirate“-Edition. Jürgen konnte sich damals nicht so recht entscheiden, ob er den dabei zur Schau getragenen Sarkasmus witzig finden sollte oder nicht. Ich befürchte, in diesem Jahr fällt sein Urteil eindeutiger aus. Meines auch, zumal die damalige Kampagne ohne jegliches Bashing und merkwürdige Konstruktionen à la „Wer für Software bezahlt, ist generell ein besserer Mensch“ auskam. Wäre die Welt doch nur so einfach.

Naja, Hauptsache provokativ. Wenn die Provozierten nun auch noch merken, dass sie provoziert werden, dann wird das Ganze bestimmt auch noch ein Erfolg. Oder zumindest beachtet. Wir haben unseren Beitrag dazu hiermit getan.


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Über den Autor

Christian Wolf

Christian Wolf wird am Telefon oft mit "Wulff" angesprochen, obwohl er niemals Bundespräsident war und rast gerne mit seinem Fahrrad durch Köln. Er hat von 2011 bis 2014 für BASIC thinking geschrieben.

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