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„Laaaangweilig“: Die Jugend findet Facebook öde

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Mark Zuckerberg macht sich Sorgen, denn die Teenager finden Facebook einfach nicht mehr cool. Auch Produkt-Chef Blake Ross hat das erkannt und sich vor einer guten Woche mit einem öffentlichen Post aus dem Unternehmen verabschiedet: Er habe nach einem „Forbes“-Artikel die langfristige Marktfähigkeit für Facebook noch einmal überdenken müssen.

„Wir sind von Facebook gelangweilt“

In dem Artikel fragte der Autor die Freunde seines Sprösslings, ob Facebook noch cool sei. Doch die Kids waren gelangweilt von dem blauen Netzwerk und sagten, sie schauten so selten wie möglich, was im Facebook-Universum ihrer Freunde passiert. Stattdessen sind Instagram (was ja ebenfalls zu Facebook gehört) und Snapchat die neuen Lieblinge der Youngster-Generation.

Eine ähnliche Antwort bekam Adam Ludwin, Gründer der sozialen Foto-Album-App Albumatic. Vor dem Launch wurde eine Fokusgruppe mit Leuten unter 25 Jahren gemacht, die ergab, dass die potentiellen User nicht gerade begeistert waren, dass die App derart von Facebook abhängig sei. Der O-Ton: „Wir sind von Facebook gelangweilt“. Natürlich sind das keine repräsentativen Meinungen oder gar wissenschaftlich erhobene Erkenntnisse, aber ein verlässlicher Gradmesser, was cool und hip ist – oder eben nicht.

Und auch Facebook scheint erkannt zu haben, dass bei den Teens eine gewisse Ernüchterung eingetreten ist – in dem offiziellen Jahresbericht an die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC schreibt das Soziale Netzwerk, dass man fürchtet, dass sich jüngere User mehr mit der Konkurrenz wie Snapchat und Foto-Sharing-Seiten beschäftigen. Auch das dürfte dazu beigetragen haben, Instagram zu übernehmen.

Permanente Selbstdarstellung verliert an Reiz

Doch warum hat Facebook an Coolness verloren? Ein Grund ist anscheinend, dass die Jugend von heute gar nicht mehr alles mit jedem teilen will. Die Möglichkeit sich ständig selbst darzustellen und unzählige selbstgemachte Duckface-Fotos zu posten hat ihren Reiz verloren. Stattdessen teilt man lieber Fotos direkt mit einem engeren Freundeskreis über Snapchat oder lädt coole Fotos auf Instagram, Tumblr und Pinterest hoch und verzichtet auf die Entenschnute. Auch scheinen Privatsphäre und Datenschutz bei der Jugend immer mehr eine Rolle zu spielen.

Für Facebook ist der Teenagerschwund weniger schlimm als sich das zunächst anhören mag, denn die Jugend löscht ihre Profile nicht, sondern verbringt einfach mehr Zeit auf Instagram. Da das aber auch Mark Zuckerberg gehört, lässt sich somit weiterhin Geld verdienen. Und dennoch: Facebook lebt davon, dass die Mitglieder das Netzwerk intensiv nutzen und dort posten, lesen und kommentieren.

Facebook stellt Redesign des Newsfeed vor

Facebook ist also darauf angewiesen, Interaktion zu stimulieren. Damit das weiter der Fall bleibt hat Facebook die Presse am Donnerstag ins Hauptquartier eingeladen, um einen „neuen Look für den Newsfeed“ vorzustellen. Da könnte es sich auch um ein mobiles Redesign handeln. Das ist auch dringend nötig, denn ich habe immer mehr den Eindruck, dass Werbung für irgendwelche Apps und Pages inzwischen einen größeren Anteil als Posts meiner Freunde hat. Angenehm ist der mobile Newsfeed jedenfalls nicht mehr.

Für Facebook brechen also wichtige Zeiten an: Die Monetarisierung steht immer noch nicht so wie gewünscht und gleichzeitig man muss auf ändernde Usergewohnheiten und Trends reagieren ohne sich komplett zu verrenken, den Markenkern zu beschädigen oder die Mitglieder mit Werbung zu vergraulen.

Bild: Flickr / Robert S. Donovan (CC BY 2.0)

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Über den Autor

Robert Vossen

Robert Vossen hat erst Los Angeles den Rücken gekehrt und dann leider auch BASIC thinking. Von 2012 bis 2013 hat er über 300 Artikel hier veröffentlicht.

20 Kommentare

  • Ehm, ich glaube die Bezugnahme auf Forbes im Abschiedspost von Blake Ross und auch auf den Online-Verkauf auf mobilen Geräten war purer Sarkasmus …
    Das Risiko bei Sarkasmus (vor allem in geschriebener Form) ist aber immer, dass dieser nicht erkannt wird.

  • Ja, das ist eindeutig sarkastisch gemeint, er fährt auch später mit „In all seriousness,…“ fort.

    Damit ist die Prämisse für den Artikel eigentlich auch hinfällig.
    Würde aus meinem Bekanntenkreis jetzt auch eher sagen, dass WhatsApp die deutlich größere „Konkurrenz“ für FB ist, als die anderen erwähnten Dienste

    • Zugegeben, der Post von Blake Ross lässt sich auch ironisch lesen, aber ich glaube kaum, dass Facebook im offiziellen Jahresbericht an die US-Börsenaufsichtsbehörde auf Sarkasmus setzt…

  • Facebook hat meiner Ansicht nach etwas Entscheidenes Verpasst im Börsenrausch und Monetarisierungs Wahn ihr Gespür für die Trends und das Netz verloren.
    „Cool“ Allein auf ewig kann niemand wirklich sein deshalb sich möglichst wie andere „Unabkömmlich“ machen.
    Nur hat Facebook in dieser Hinsicht kein Alleinstellungsmerkmal außer ihre große Mitgliederanzahl.
    Google hatte das rechtzeitig Erkannt und auf Internetdienste, Software wie Browser oder Beriebssysteme gesetzt, Facebook hat wohl nur eine Change mit ebenfalls eigener Software, Hardware und Ökosystem.

  • ob es nun whatsapp, snapchat oder sonst fürn messsaging ist doch egal…die aussage bleibt die gleiche, man will nicht mehr mit der breite masse sich selbstdarstellen sondern mit freunden direkt kommunizieren.

  • Wie schon vor über einem Jahr bei „How I Met Your Mother“ gesagt wurde: „Niemand ist mehr auf Facebook, Aber weißt Du wer auf Facebook ist? Die Eltern von allen.“

    Klar behalten die Leute ihr Facebook-Profil, aber welcher Teenager will schon unter den Augen der Eltern mit Gleichaltrigen interagieren? Da hilft auch ein neuer Newsfeed-Look nicht.

  • Endlich mal ein Artikel was Spaß macht; Facebook ist langweilig geworden. Schön das das jemand mal erwähnt hat. ich bin sowieso immer der Meinung das Facebook langweilig ist und bald war 😉 ich selber wüste schon von Anfang an nicht was ich mit Facebook anstellen soll, mein Leben auszurollen nein danke, was andere grade machen interessiert mich auch die Bohne und diese komischen spiele das ist ja Kinder Kramm und ganz ehrlich auch für Kinder sind diese Spiele Hirnlos. Auf kurz oder lang musste es ja so kommen des die Jungend auch nicht mehr an spricht weil vor allem Jugendliche sind bei Trends sehr sprunghaft.

  • Zum Glück wird das für jeden Dienst gelten (also auch für Instagram etc.). Wer auf Kinder und Jugendliche als Zielpublikum setzt, setzt halt auf Spontanität, Gruppendynamik, Trend und Abgrenzung zum Establishement. Das sind schon per Definition Faktoren, die nichts mit einer langfristigen Bindung an einen Service gemein haben. Die einzige Strategie kann also sein, seine Schäfchen ins Trockene bringen (also den Service so anpassen, dass er mit der Entwicklung vorhandener Nutzer geht) und derweil was neues zu erfinden. Stück für Stück andere Erfolgsmodelle zu kopieren und alles in eine Plattform zu integrieren, wird scheitern.

  • Also ich mochte noch nie Facebook. Das ist genauso blöd wie Videospiele spielen, Nachmittags-Sendungen zu schauen oder anderer Krams, um seine Zeit Tod zu schlagen, wenn man nichts besseres zu tun hat.

  • Also ich denke Facebook ist deswegen langweilig für den einen oder anderen weil er einfach wahllos irgendwann mal irgendwo auf „gefällt mir“ geklickt hat – und nun tauchen die Seiten halt immer wieder mit neuen News auf – die einen aber nun gar nicht (mehr) interessieren – oder interessiert haben… – auch ich muss immer wieder Seiten „disliken“ damit ich nicht überflutet werde mit Inhalt der wirklich langweilig ist…

  • Ich würde sagen der Hype über Facebook wäre beendet.Ich will nicht behaupten das Facebook am ende wäre,aber der Neuigkeitswert ist inzwischen dahin.

    Die meisten Nutzer verweilen viel weniger bei FB und viele Nutzer löschen zwar ihre Profile nicht (ob man diese überhaupt vollständig löschen kann?) aber sie nutzen FB auch nicht mehr.

    Somit wird FB auch in finanzelle Sicht demnächst in schwere Fahrwasser gelangen.Die viele Millionen die beinahe von überall kamen um auf diesen coolen und trendigen Zug aufspringen zu können,werden kaum noch kommen.

    Ich könnte mir vorstellen das,die FB Aktie demnächst massiv an Wert verliert.Auch wird FB es schwere haben,neues auf den Markt zu bringen. Schon alleine weil deren operativen Geschäft zunehmend schwierige wird.

    Aber gerade Neuerungen braucht FB dringend.

    Wie wird FB im Jahre 2016 sein?

    Schwer zu sagen.Aber eines ist sicher,die „Goldgräber Zeiten“ sind auch für FB längst vorbei!

    Ich sage gut so,oder interesiert es wirklich einen wenn wie manche Nutzer auch davon schreiben wenn sie banales tun wie z.B jetzt Mittagessen oder aufs Klo gehen?

  • @Mika B.

    When Facebook dann kurz vor dem Untergang ist, kauft’s Microsoft dann schon. Passt dann ausgezeichnet zur Redmonder Lotterbude.

  • Computer aus & raus- ist doch viel schöner als stundenlang vor Facebook zu versauern. Hoffentlich kommt der Wandel in den Köpfen der jungen Menschen,dass sie nicht blinglings (wie bisher) alles preisgeben was sie haben. Dann wird auch eine neue Interaktions-Spielwiese auf Facebook mit angepassten & schöneren Newsfeed nichts mehr bewirken…draußen in der Sonne (wie in den letzten Tagen) bringt wesentlich mehr echtes Leben & Freude. Mein Wort zum Donnerstag 🙂

  • Ich denke auch, das der Hype mittlerweile mehr und mehr abflacht. Vielleicht merken ja gerade die jungen Leute, das Real Life viel cooler ist. 😉

  • Natürlich ist es der Anfang vom Ende, zumindest des Wachstums von FB wenn Teenager eine andere Marke cooler finden. Es wird für FB schwer, sein Niveau zu halten wenn FB Trends hinterherlaufen muss anstatt sie zu setzen. Eine Lösung für FB wäre, da ja sowieso schon alle Eltern bei FB sind, das Marketing vielleicht auf diese Generation auszurichten. Der normale Alterungsprozess würde die heutigen Teenager dann ganz natürlich zu FB zurückspülen.

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