Sonstiges

Meister der Skandale: Bahn will angeblich Reisedaten an Werbepartner weitergeben

Es hagelt mal wieder Kritik an der Deutschen Bahn. Laut einem Spiegel-Bericht stellt sie gerade ihr Bonus-Programm um. Es soll vom BahnCard-Programm getrennt werden. Die Verträge dazu werden bereits angepasst und angeblich plant die Bahn, Kundendaten zu Marketingzwecken weiter zu geben. Das Bahn-Dementi folgt sofort. Die Entrüstung über die Pläne ist trotzdem bereits in vollem Gang. Kaum überraschend; denn wer traut irgendeinem Unternehmen beim Thema Datenschutz noch ernsthaft über den Weg?

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Vielfahrer im Visier

Die neuerliche Aufregungswelle betrifft nicht alle Bahnkunden. Es geht um Inhaber der BahnCard, die auch am Bonus-Programm der Bahn teilnehmen. Nach Informationen des Magazins hat die Bahn bereits angefangen, sich von diesen Kunden neue Vertragsbedingungen absegnen zu lassen.

Dem Bericht zufolge sind damit Pläne verbunden, die Daten weiter zu vermarkten. Allerlei Datenmaterial über ihre, in diesem Falle namentlich bekannten Fahrgäste, hat die Bahn dabei zu Verfügung. Neben den persönlichen Daten wie Name Alter usw. sind dies Daten über das Reiseverhalten der Kunden. Start, Ziel, Verkaufsstelle oder Fahrpreis, all das weiß die Bahn von ihren Reisenden. Wie der Spiegel nun meint, sollen eben diese Daten gezielt vermarktet werden – an Partner der Bahn. Mit personalisierter Werbung wollen diese dann angeblich die Kunden beglücken.

Bahn widerspricht: keine bösen Absichten

Die Bahn dementiert den Bericht allerdings entschieden in einer Pressemitteilung. Weder gebe sie Informationen an Dritte weiter, noch plane sie dies zu tun. Ihr Bonus-Programm solle als eigenständiges Kundenbindungsprogramm von der BahnCard getrennt werden. Die Kunden müssten deshalb nun zwei Verträge abschließen. Ihnen werde zwar angeboten, individuelle und bahnbezogene Werbung zu erhalten, dem könne jedoch jederzeit widersprochen werden. Eine Vorgehensweise, die nach Sicht der Bahn ganz im Sinne des Bundesdatenschutzgesetzes ist.

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Das Kleingedruckte gibt zu denken

Pressemitteilung und Dementi hin- oder her, die vom Spiegel losgetretene Medienwelle ist längst in vollem Gang. Zusätzlich verstärkt durch die Meldungen der Nachrichtenagenturen. Und auch wenn es gegenwärtig keine wirklichen Anhaltspunkte für eine Weitervermarktung der Kunden- bzw. Reisedaten an Dritte gibt, sind die Vorwürfe wohl trotzdem nicht völlig aus der Luft gegriffen. Wie Malte Spitz, Mitglied im Bundesvorstand der Grünen herausgefunden hat, schummelt die Bahn ihren Kunden tatsächlich geänderte Bedingungen unter. Bisher hieß es in den AGB:

Es werden keine Daten an unberechtigte Dritte außerhalb der Deutschen Bahn AG übermittelt.

In der neuen Version der AGB steht nun:

Es werden keine Daten an unberechtigte Dritte übermittelt.

Ich bin kein Jurist, aber der Unterschied in der Formulierung ist offensichtlich.

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Übertriebene Aufregung?

Die datenschutzrechtlichen Bedenken gegen eine vermeintliche Weitergabe von Kundendaten an Dritte scheinen also berechtigt. So sieht das auch Alexander Dix, Beauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit des Landes Berlin. Man wolle den Vorgang prüfen. Allerdings frage ich mich, welches Unternehmen überhaupt eine kritische Revision seiner AGB bestehen würde.

Dennoch dürfen die schwarzen Schafe gern auffliegen. Kundendruck hat ja durchaus Chancen, Firmenstandpunkte zu verändern. Bei all dem Ärger mit den AGB frage ich mich aber eher, warum es eigentlich noch kein AGBPlag (à la GuttenPlag) gibt. Hat da nicht jemand mal ein bisschen Freizeit zur Verfügung?

Bilder: Deutsche Bahn


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Über den Autor

Felix

Internetabhängiger der ersten Generation, begeistert sich für Netzpolitik, Medien, Wirtschaft und für alles, was er sonst so findet. Außerdem ist er ein notorisches Spielkind und hält seine Freunde in der „echten Welt“ für unverzichtbar.

7 Kommentare

  • Langsam wird es wirklich Zeit für einen gefälschten Ausweis inkl. toten Briefkasten. Mittlerweile kann man seine Daten praktisch niemandem mehr anvertrauen, ohne Angst vor Missbrauch zu haben.

  • Ich bin auch kein Jurist, aber ich finde, dass beim AGB-Beispiel im Artikel die neue Version besser als die alte ist, weil sie meiner Ansicht nach eben mehr ausschließt als vorher.

  • @R. Kneschke

    Sehe ich genau anders herum 😉

    Die Formulierung „Es werden keine Daten an unberechtigte Dritte außerhalb der Deutschen Bahn AG übermittelt“ lässt zumindest den Schluss zu, dass es berechtigte Dritte außerhalb der Deutschen Bahn AG gibt. Das wird in der neuen Version quasi verschleiert.

  • Also ganz ehrlich es ist nichts was mich wirklich schockiert, den ich möchte nicht wiesen wo überall meine Daten geladen sind was mich allerdings jetzt ein bisschen nervt ist; im Internet Daten missbrauch ist schon Alltag geworden aber das jetzt au auch noch Unternehmen wie die Deutsche Bahn damit anfangen ist schon irritierend.
    Aber einer anderen Seite hat man im Internet keine Privatsphäre mehr und es wird immer schlimmer denn die Amies vollen jetzt ein Spionage Zentrum für 2 Milliarden Dollar für die Internet Daten Kontrolle!
    Hat man da noch was zu sagen?!?!

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