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Die Lieblinge der Graph Search: 13 Millionen Facebook-Nutzer ignorieren ihre Privatsphäre-Einstellungen

Graph Search
geschrieben von Tobias Gillen

Mit Facebooks neuer Graph Search verfolgt CEO Mark Zuckerberg offiziell das Ziel, Facebook zu einem noch besser vernetzten Ort zu machen. Inoffiziell wird die Suche mit mehreren Kriterien zum Paradies für Marktforscher und Werbekunden, die Facebook bei der Refinanzierung so besser unter die Arme greifen können – ganz zu schweigen von den vielen Singles, die ihre neuen Bekanntschaften jetzt noch präziser suchen können. Noch ist die doch recht beeindruckende Graph Search, an deren Umsetzung auch Microsoft beteiligt ist, nicht für alle Nutzer verfügbar und – wenn man einer Infografik von Marketo bei „Mashable“ Glauben schenken möchte – ist das auch gut so.

Graph Search

Neben nützlichen Tipps und Hinweisen, wie der unerfahrene Facebook-Nutzer seine Inhalte, Infos und Standorte vor der Graph Search versteckt hält, hat „How the Graph Search affects your Privacy“ nämlich auch erschreckende Zahlen parat, die so manchen Datensammler freuen dürften. Von den über eine Milliarde Nutzern haben 13 Millionen noch nicht ein einziges Mal in ihre Privatsphäre-Optionen geschaut – prozentual zur Gesamtzahl aller Facebook-Mitglieder zwar ein verschwindend geringer Wert, absolut gesehen aber durchaus eine Hausnummer. Für diejenigen unter diesen Nutzern, die es wenig stört, wenn man ihre Inhalte genauer analysiert und mit verschiedenen Kriterien abgleicht, ist diese Zahl vermutlich nicht relevant. Die anderen sollten sich dringend mal Gedanken über ihre Einstellungen machen.

97.000 Bilder im eigenen Netzwerk

Mit der Graph Search wird es nämlich möglich sein, etwa zwei völlig unabhängige Kriterien zu verbinden. Welchen Fussballverein mögen die „BASIC thinking“-Autoren am liebsten? Welche Fans von „SPIEGEL ONLINE“ sind weiblich und single? Und überhaupt, was macht eigentlich der typische Facebook-Mitarbeiter am liebsten in seiner Freizeit? All das sind Fragen, die mit der Graph Search recht einfach beantwortet werden können – insofern man denn seine Daten öffentlich zugänglich hat.

Das Problem sind nämlich nicht nur die 13 Millionen Nutzer, die sich noch nie näher mit ihrer Konfiguration beschäftigt haben, sondern auch die 28 Prozent der Nutzer, die alles oder fast alles mit mehr Leuten als dem eigenen Freundeskreis teilen. In diesem Freundeskreis befinden sich laut der Marketo-Grafik im Schnitt übrigens 97.000 Bilder, also viele Möglichkeiten für Markierungen und Kommentare auf und über die eigene Person. Insgesamt zirkulieren auf Facebook inzwischen über 250 Milliarden Fotos und eine Billion Verbindungen zwischen Freunden – umso beeindruckender ist die Technologie der Graph Search, die riesige Datenberge sortieren und verknüpfen kann.

Marketo

Vorsicht, trotz Chancen

Ich persönlich finde immer solche Texte im Internet furchtbar, die nur auf die großen, großen, schlimmen Gefahren im Social Web hinweisen und den Menschen den Mut zur Nutzung bestimmter Tools und Funktionen nehmen. Die Graph Search ist eine spannende Entwicklung und wird tolle Zusammenhänge ausbreiten können, auf die sich so mancher Nutzer bestimmt freuen wird. Und doch sollte man sich zumindest darüber im Klaren sein, dass sie auch unangenehme Verbindungen an die Oberfläche holen kann und für Facebook zum Werbeparadies wird. Eine bewusstere Nutzung von sozialen Netzwerken wird seit Jahren gepredigt, jetzt ist es endlich an der Zeit, sich daran zu halten.

Spannend wird auch sein, zu sehen, ob Facebook mit der Graph Search noch einmal frischen Wind durch die blauen Fahnen kurbeln kann. Aktuell verliert der Platzhirsch mehr und mehr seinen Reiz – gerade für jüngere Nutzer. Wahrscheinlich ist das gar nicht so schlecht, wenn man sich eine letzte Zahl der Infografik ansieht: Demnach haben 91 Prozent aller Arbeitgeber zugegeben, sich vorab über den Bewerber auf eine freie Stelle bei Facebook zu informieren. Da bleibt nur zu hoffen, dass die Häkchen bei den Partybildern alle richtig gesetzt wurden…

Bilder: Facebook; Screenshot Marketo


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Über den Autor

Tobias Gillen

Tobias Gillen ist seit August 2014 Chefredakteur und seit Mai 2015 Geschäftsführer von BASIC thinking. Erreichen kann man ihn immer per E-Mail oder in den Netzwerken.

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