Nach „Liberator“: Universität Michigan kämpft mit „3D Printers For Peace“ für den guten Ruf des 3D-Druckers

Thorsten Nötges

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Wer in der letzten Zeit die Berichterstattung zum Thema 3D-Drucker verfolgt hat, könnte meinen, dass diese ausschließlich oder zumindest vorwiegend zur Produktion von mehr oder weniger ausgereiften Schusswaffen dienen – das gilt für Deutschland genauso wie für die USA. Obwohl es immer wieder andere Berichte gibt, erhält ausgerechnet ein fragwürdiges Anwendungsbeispiel wie die Liberator die Aufmerksamkeit der Medienmaschine – auch bei BASIC thinking.

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Die Michigan Technology University will das ändern und ruft den Wettbewerb „3D Printers For Peace“ aus. Bis zum 1. September können Entwürfe eingereicht werden, die dem Frieden dienen:

3D-Printer verändern die Welt. Leider wissen die meisten Menschen über 3D-Druck nur, dass man damit Waffen herstellen kann. Wir wollen Designs prämieren, die das Leben verbessern, nicht auslöschen.

Positive Aufmerksamkeit für 3D-Printer

Der Wettbewerb schreibt bewusst nicht vor, welcher Art die Entwürfe sein sollen. Die Entwickler sollten sich die (etwas pathosbeladene) Frage stellen: Was würden Mutter Teresa, Gandhi oder Martin Luther King mit einem 3D-Printer machen? Grobe Vorschläge der Universität sind etwa preisgünstige medizinische Geräte, Werkzeuge zur Armutsbekämpfung oder auch Tools zur Verbesserung des Energieverbrauchs.

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Alle Designs müssen Open Source bleiben, damit sie kostenlos und für jeden verfügbar sind. Erste Entwürfe, wie das oben abgebildete Braille-Display, sind bereits online. Leider ist der Contest beschränkt auf die USA und Kanada, denn die ausgeschriebenen Preise – ein Series 1 3D Printer von Type Machines im Wert von 1.400 Dollar für den ersten, ein RepRap Mendel-Printer für den zweiten Platz – sind schon verlockend.

Die Universität Michigan setzt bereits seit Jahren 3D-Printer ein und hat laut eigener Aussage bereits zehntausende von Dollars damit eingespart. Unter anderem wurden damit Werkzeuge zur Analyse von Wasser und zum Recycling von Plastik entwickelt.

99,999% friedlich

Wer sich irgendwie mal mit der Maker-Community im allgemeinen und der 3D-Printer-Szene im besonderen beschäftigt hat, der weiß: Nahezu alle Entwürfe sind ausschließlich friedlicher Natur. Von Schmuck und Kunst über Spielzeug und Einrichtungselementen bis hin zu Ersatzteilen. Wer sich davon selbst überzeugen will, sollte einen Blick auf Thingiverse werfen. Das wissen auch die Verantwortlichen von der Universität Michigan. Ihnen geht es eben genau deshalb darum, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die positiven Seiten und Potenziale der 3D-Drucker zu lenken, sagt Associate Professer Joshua Pearce:

Wir wollen Menschen motivieren darüber nachzudenken, wie 3D-Druck zum Wohl der Menschheit eingesetzt werden kann. 3D-Printer haben eine Menge schlechte Presse bekommen, weil damit Waffen hergestellt wurden. Und das ist bedauerlich, denn viele Designer machen ganz wunderbare Sachen.

Er fürchtet, dass die Reaktion der Medien auf den Liberator und die anschließenden Entwürfe weitreichende Folgen haben könnte:

Der Medienhype über Waffen aus dem 3D-Drucker hat furchtbare Konsequenzen – und damit meine ich nicht die Waffen.

So wird in Kalifornien bereits über eine rechtliche Beschränkung von 3D-Printern diskutiert, der zuständige Senator hat allerdings auf Nachfragen seine ursprünglichen Forderungen zurückgenommen – diese hätten sich nur auf die mit 3D-Printern hergestellten Waffen bezogen. Ob es aber dabei bleibt, oder unter Umständen doch vor dem aktuellen Hype andere Stellen eine rechtliche Lösung und Regulierung anstreben, wird sich zeigen.

Bild: 3D Printed Braille Display / Thingiverse

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Thorsten Noetges ist Nerd, Gamer,und seit 1995 im Internet zu Hause. Er hat von 2013 bis 2014 über 100 Artikel auf BASIC thinking veröffentlicht.