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Living History: Geschichte auf Twitter erleben

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geschrieben von Tobias Gillen

Geschichte ist nicht jedermanns Sache – klar. Aber was sich einige kreative Accounts auf Twitter haben einfallen lassen, ist zumindest einen Blick wert. Denn ganz nach dem Motto „living history“ haben sich viele dieser Accounts gebildet, die vergangene Ereignisse viele Jahre später quasi in Echtzeit nacherzählen – in 140 Zeichen, jeden Tag.

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100 Jahre alte „New York Times“-Schlagzeilen

So etwa der Account @1913_NYT, der 100 Jahre alte Schlagzeilen aus der „New York Times“ publiziert. Etwa 560 Follower hat dieser Nutzer bisher, hat aber bereits mit über 800 Schlagzeilen für Spaß in den Timelines gesorgt. So etwa mit diesem Tweet zur kabellosen Kommunikation zwischen Berlin und Wien am 29. Mai 1913:

 

Den Originalartikel muss man auch nicht lange suchen, im Archiv der „New York Times“ lässt er sich anhand der Schlagzeile schnell auffinden (.pdf). „Successful wireless communication has just been effected between Berlin and Vienna, a distance of about 375 miles“, heißt es dort in der Einleitung, eine Beschreibung der neusten Entwicklung folgt.

Hier sind noch ein paar weitere Beispiele von alten „New York Times“-Schlagzeilen:

 

 

 

Weltkrieg in Echtzeit – ein paar Jahre später

Der zweite Weltkrieg forderte weltweit etwa 63 Millionen Menschenleben, darunter über 45 Millionen in Europa. Und trotz der dramatischen Folgen ist er für viele Schüler heutzutage ein eher ödes Thema. Das könnte sich durch den Account @WWIIToday vom „National WWII Museum“ der USA nun ändern. Über 20.000 Follower bekommen auf den Tag genau die vergangenen Entwicklungen im zweiten Weltkrieg in ihre Timelines. So gab Joseph Göbbels am 19. Mai 1943 bekannt:

 

Zwei Tage später weiß das Tokyo Radio:

 

Wenig später dann diese Entwicklung:

 

Die Idee, den zweiten Weltkrieg als Twitter-Account erneut zu dokumentieren, ist nicht neu. Auch @RealTimeWWII hatte sie schon und ist damit wesentlich bekannter. Über 280.000 Follower zählt der Account, der von Alwyn Collinson befüllt wird, die passende Fanseite auf Facebook hat knapp 9.000 Anhänger. Der Vorteil bei Collinson ist, dass er das Geschehen objektiv schildert, der Account des „National WWII Museum“ ist da eher subjektiver den USA zugewandt.

 

 

Titanic-Untergang live

Doch nicht nur globale Großereignisse wie der zweite Weltkrieg eignen sich für einen „living history“-Account. Mit @TitanicRealTime ließ sich der Untergang der Titanic zeitversetzt verfolgen. Bis zum 15. April twitterte der Verlag „The History Press“ dort von den Ereignissen an Deck und am Land. Schön ist hier, dass die Tweets immer mit einem Hashtag der Person beginnen, die das getwitterte erlebt hat. So kann man die gesammte Entwicklung noch nach Hashtags und damit Personen ordnen und wiedergeben.

 

Der Account wird übrigens jedes Jahr wieder reanimiert und mit den selben Tweets befüllt, er liegt also nicht brach. Bald geht es weiter mit einem weiteren Account des Verlages – diesmal im Jahr 1888. Unter @WChapelRealTime sollen die Ermittlungen im Londoner Stadtteil Whitechapel dokumentiert werden. Von August bis November hat ein Täter mit dem bekannten Pseudonym „Jack the Ripper“ dort mutmaßlich mehrere Frauen getötet.

Weitere Empfehlungen

„Living History“-Accounts gibt es viele. Daher hier noch ein paar Empfehlungen für Geschichtsfans.

@Yesterday_Today hat sich nicht auf ein Ereignis festgelegt. Dort gibt es unabhängig vom Jahr spannende News von früher:

 

@1980sRealTime hat „updates of UK and world events from this week in the 1980’s“:

 

Kennt ihr weitere Accounts, die Geschichte erlebbar machen? Wir würden uns über Kommentare und Tipps sehr freuen!


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Über den Autor

Tobias Gillen

Tobias Gillen ist seit August 2014 Chefredakteur und seit Mai 2015 Geschäftsführer von BASIC thinking. Erreichen kann man ihn immer per E-Mail oder in den Netzwerken.

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