Und es hört niemals auf – Space Invaders wird 35

Thorsten Nötges

Eines vorweg: An das Original in der Spielhalle kann ich mich nicht erinnern – das war doch vor meiner Zeit. Ich weiß aber noch, wie ich zu Hause einen Space-Invaders-Klon gespielt habe, auf einem Original-IBM-PC mit einem grün-schwarzen Bildschirm, inklusive ähnlicher Grafik und Soundeffekten wie beim Automaten-Game.

spaceinvader - http://www.flickr.com/photos/uair01/2750475364/

Immer rechts und links mit der Kanone, auf die Leertaste hämmernd, bis mir mein Handgelenk wehtat, zwischendurch hinter der unter dem Beschuss der Aliens bröckelnden Verteidigung Schutz gesucht, und immer nervöser werdend, weil die Aliens immer schneller wurden, je weniger von ihnen auf dem Bildschirm waren. Und wenn dann glücklich alle abgeschossen waren – ging alles von vorne los.

Star Wars, Unheimliche Begegnung, Invaders

Tomohiro Nishikado, damals Spieleentwickler bei der japanischen Automatenfirma Taito, hatte schon einige Spiele entwickelt, als er 1977 mit der Arbeit am späteren Space Invaders begann. Ursprünglich sollten im Spiel Menschen, Panzer und Flugzeuge abgeschossen werden. Doch diese seien nicht nur schwer zu animieren gewesen, auch habe Taito Gewalt gegen Menschen und das dargestellte Kriegsgeschehen nicht in einem Spiel sehen wollen, sagte Nishikado 2009. Der gerade entstehende Film „Star Wars“ habe ihn dann auf die Idee mit den Aliens gebracht.

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Auch wenn der „Krieg der Sterne“ in Japan damals noch gar nicht in den Kinos lief: Im Rahmen des anlaufenden Hypes um alles Extra-Terrestrische traf der Alienkampf auf alle Fälle den Zeitgeist. Taito installierte damals bis Ende des Jahres mehr als 100.000 Spielautomaten. Noch im gleichen Jahr kaufte der US-Branchenriese Midway die Space-Invaders-Lizenz und verkaufte ab 1979 eigene Automaten. Wenig später sprang Atari mit auf den Zug auf und veröffentlichte 1980 eine Version auf der neuen VCS-Konsole, die wohl auch deshalb ein großer Erfolg wurde. So gesehen war Space Invaders eine der ersten Killer-Apps überhaupt.

Legende oder Wahrheit?

Deshalb ranken sich auch Legenden um das Spiel. Wie zum Beispiel, dass wegen der unendlichen Space-Invaders-Begeisterung der japanischen Jugendlichen 1978 die 100-Yen-Münzen – damals umgerechnet rund 45 Euro-Cent – knapp wurden und die japanische Regierung den Ausstoß der Münzpressen deutlich erhöhen musste. Allerdings handelt es sich hier mit hoher Wahrscheinlichkeit nur um eine klassische urban legend, oder zumindest um einen cleveren PR-Coup. Zeitgenössische Münzexperten haben damals jedenfalls keine außergewöhnlichen Vorkommnisse registriert; auch gibt es für die angebliche Erhöhung der Münzproduktion keine Nachweise.

Ebenfalls legendär ist die Sache mit der zunehmenden Geschwindigkeit, die das Spiel wirklich schwierig machte. So war das steigende Tempo keineswegs eine Frage bewussten Gamedesigns, sondern ein passendes Zufallsprodukt, generiert durch die beschränkte Hardware. Der mit 2 MHz getaktete Intel-Chip (8-bit 8080), den Nishikado als Basis für den Automaten einsetzte, hatte ziemlich unter der Last der für damalige Verhältnisse recht aufwändigen Grafik zu ächzen. Das führte dazu, dass mit jedem abgeschossenen Alien die Berechnungen einfacher wurden – und die übrigen Aliens sich dadurch schneller bewegten.

Einfluss auf Pop- und Netzkultur

Tatsache ist, dass Space Invaders nicht nur einer der Urväter des Shoot-em-up-Genres ist, sondern auch bis heute noch Einfluss auf die Pop- und Netzkultur hat: Sheldon Cooper trägt bei „Big Bang Theory“ T-Shirts mit Monstern, die dem Spiel nachempfunden sind. Fehlermeldungen werden mit dem Game illustriert. Und der französische Street-Art-Künstler Invader hinterlässt seit 1998 kleine Mosaik-Aliens auf der ganzen Welt.

Falls ihr euch nun auch selbst einmal an dem Klassiker versuchen wollte: das Spiel gibt es auch als Gratis-Download für PC, als kostenlose Android-App – wahlweise sogar naturgetreu auf Basis eines 8080-Emulators – oder auch als Online-Variante.

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Bild: P K / CC BY 2.0

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Thorsten Noetges ist Nerd, Gamer,und seit 1995 im Internet zu Hause. Er hat von 2013 bis 2014 über 100 Artikel auf BASIC thinking veröffentlicht.