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Kommt das Einheitsportal? „Quality Alliance“ deutscher Verlage plant Paid-Content-Kooperation

Quality Alliance
geschrieben von Tobias Gillen

Bezahlmodelle im Journalismus sind aktuell ein großes Thema in der Medienlandschaft. Von Anti-AdBlocker-Kampagnen über Versuche, Micropayment anzubieten bis zum jüngsten Paywall-Test bei „Bild.de“ ist alles dabei. Nun planen vier große deutsche Verlagshäuser im Rahmen ihrer Anfang des Jahres gegründeten „Quality Alliance“ einen weiteren Schritt in Richtung Paid Content.

Quality Alliance

Paywalls bei SZ, FAZ, Zeit und Handelsblatt noch dieses Jahr

„Hohe Standards in der journalistischen Qualität, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit“ haben sich die vier Verlage der Quality Alliance auf die Fahnen geschrieben. Dazu gehören neben dem FAZ-Verlag auch der Süddeutsche Verlag, die Zeit-Gruppe und die Verlagsgruppe Handelsblatt. Auf seiner Website erklärte der FAZ-Verlag bereits vor einiger Zeit über den Verbund :

Dabei ist es nicht ausgeschlossen, dass künftig Best-Practices und Gedanken ausgetauscht werden zu Paid-Content-Strategien, um dafür notwendige Technologien ggf. gemeinsam zu entwickeln.

Nun scheint es soweit zu sein. Wie die Geschäftsführer von Zeitverlag und Süddeutscher Verlag auf dem 2. Zeitungsgipfel in Wiesbaden laut „Horizon.net“ zu Protokoll gaben, werden „Süddeutsche“, „Zeit“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und „Handelsblatt“ noch in diesem Jahr mit eigenen Bezahlmodellen an den Start gehen. Im Rahmen dessen werde auch über „gemeinsame technologische Plattformen für Paid Content“ nachgedacht – ein Satz, der freilich viel bedeuten kann.

Kommt irgendwann die Einheitsplattform?

Vielleicht handelt es sich dabei aber tatsächlich um die strategische Geburtsstunde eines zentralen Verlagsportals, das Leser Zugriff auf alle kooperierenden Blätter gegen Zahlung einer einheitlichen Abo-Gebühr ermöglicht. Denn klar ist auch, dass der größte Feind erfolgreicher Paid-Content-Strategien in der Segmentierung liegt. Wer ist schon bereit – wenn er denn schon zahlt – monatlich Geld an mehrere Publikationen zu überweisen?

Noch verhindern aber unterschiedliche Technologien den Schritt zu einer einheitlichen Lösung. Jeder Verlag habe bereits eigene Module entwickelt – und diese seien nicht kompatibel. Auch bei Preisen und Ausgestaltung der Paywalls soll es Unterschiede geben, so heißt es. Kartellrechtlich-relevante Absprachen werde es nicht geben. Relative Einigkeit herrscht allerdings beim Startzeitraum: Man wolle sich hier nicht zu weit voneinander entfernen.

Springer springt ins kalte Wasser

Diese Woche hat die Axel Springer AG mit „BILD+“ bereits einen Sprung ins kalte Wasser gewagt. Viel Lob für den Mut zur Umsetzung einer in Deutschland nicht ganz einfachen Idee gab es, viel Spott über das Angebot ebenso. Zu unrelevant seien die Meldungen, die „Bild.de“ hinter der Bezahlschranke verstecke, hieß es.

Bild+

Auf kurz oder lang sind paid Content-Modelle in Deutschland aber wohl nicht mehr aufzuhalten. Bisher kocht hier aber jeder sein eigenes Süppchen – übergreifende Kooperationsstrategien fehlen. Umso besser, dass die „Quality Alliance“ nun einen Schritt in diese Richtung geht. In den nächsten zwölf Monaten wissen wir mehr.

Bilder: Quality Alliance; Screenshot


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Über den Autor

Tobias Gillen

Tobias Gillen ist seit August 2014 Chefredakteur und seit Mai 2015 Geschäftsführer von BASIC thinking. Erreichen kann man ihn immer per E-Mail oder in den Netzwerken.

8 Kommentare

  • Na das wäre doch mal was. 5€ im Monat und dafür darf ich bei allen beteiligten Zeitungen über die Websites ohne Hürden huschen.
    Bei mir ist es häufig so, dass ich mehrere Newsseiten abwechselnd Aufrufe (je nach Lust und Laune). Eine einheitliche/einzige Zahlung wäre da natürlich super statt bei jeder einzeln mit verschiedenen Tarifen, Gestaltungen, Laufzeiten und Logins kämpfen zu müssen.

  • Das kann eigentlich gar nicht Funktionieren, denn was sollte bei einer 5€ „Zeitungsflatrate“ bei den einzelnen Online Verlagen zum Überleben Ankommen?
    Mit einer „Einheitsplattform“ könnten vermutlich nicht einmal ein Viertel der heutigen Angebote Überleben,sollte das Angebot bezahlbar bleiben, es sei es läuft in Zukunft auch auf eine „Einheits- Online Zeitschrift“ für Deutschland hinaus statt der heutigen 100 Tageszeitungen und Magazine.

    Andererseits ist es schon Richtig, statt des ewigen Jammern und der „Kostenlos-Kultur Netz Schelte , was ja nichts anderes als eine Beschimpfung ihrer Leserschaft“ ist, die kommerziellen Angebote hinter die hinter der Bezahlschranke verschwinden zu lassen, satt mit der nervtötenden Werbung das Internet weiter zu Verunreinigen und die Daten und Rechner der Besucher datentechnisch als „Freiwild“ anzusehen um daraus fragwürdiges Kapital zu schlagen.
    Ich befürchte nur wenn es Scheitert was eigentlich Vorhersehbar ist, neue „Sündenböcke“ und weitere „Zwangsmaßnahmen“ gegen die Internetnutzer gefordert werden.
    Wie Netzsperren gegen Ausländische freie Medien oder Nachrichten Angebote oder Hobbyblogger als „Schwarzarbeiter“ Einzustufen…..

  • Da die Meldungen der Mainstreammedien sowieso weitgehend gleichgeschaltet und dem Diktat der political correctness unterworfen sind, kann man auch ruhig eine Einheitsplattform schaffen. Das Zeitungssterben wird dadurch nicht aufgehalten, was aber nicht schade ist. Unzählige unabhängige Blogs und andere nonkonforme Seiten informieren genauso gut und bieten im Gegensatz zu den Einheitsmedien unterschiedliche Sichtweisen.

  • Hat Vor- und Nachteile.
    Der Vorteil ist offensichtlich: ein Account, viele Seiten. Der User bezahlt und kann sich ansehen was er will, ohne alle 10 Minuten die virtuelle Brieftasche zücken zu müssen.
    Der Nachteil ist jedoch, dass sich das Geld auf viele Seiten aufteilt, so dass für den Einzelnen um so weniger übrig bleibt.
    Allerdings denke ich, wenn sich das durch setzt, dass der Vorteil so viele User anlockt, dass dadurch der Nachteil abgemildert wird.
    Denn jetzt ist es so, dass die meisten gar nichts zahlen.
    Und das bedeutet noch weniger Geld für die einzelnen Seiten ;).
    Aber die meisten werden nur dann zahlen (wollen), wenn sie dafür auch was bekommen. Auf 20 Seiten die wortgleichen DPA-Meldungen zu lesen ist eben keinen Cent wert.
    Und irgendwann hat man die Schnauze voll von Meldungen, welcher Möchtegern-Star in irgend einer Bar mit einer Frau gesehen wurde.

  • Ich frage mal etwas Provokant. Hat man nicht eh zu viele Zeitungen und es ist längst überfällig, das sich der Markt bereinigt.

    Ich mein früher hat man auch keine 5 Zeitungen am Tag gekauft.

    Im Netz kommn ja noch unzählige Portale mit News und Infos hinzu. Jede will Geld.

    Wenn ich überlege morgen gehen von allen Nachrichten und News und Info Sieten 50% Pleite dann fehlt nix. Es ist einfach auch zu viel doppelt und Dreifach.

    Das Portal wird dann auch das Problem haben das die Zeitungen zu wenig Eigenständig sind. Und das Geld dann wirklich nicht reicht.

    Kommt die Zeitungs Flatrate wird es Automatisch weniger werden müssen.

  • Nachtrag:
    Mich regt auch das „Für Lau“ auf.

    Nur mal so, ich zahle bei der Telekom 65 Euro. Nur um die Webseiten aufrufen zu können.

    Bei Für Lau“ bekomme ich da echt einen Hals. Sagt die Telekom ja die Anschlüssen sind für „Lau“
    also dürfen noch mal 10-20 Euro drauf.

    Dann kommen die Webseiten auch laufend mit „Für Lau“. Ich mein, wie viele Zeitungen oder Magazine bekomme ich für die 65 Euro?

    Von „Für Lau“ kann hier doch keine Rede sein. Viele kaufen dann Online ein. Haben ein Handy zahlen da Online. Rechnet mal zusammen was man alles Online bezahlt.

    Selbst wenn nicht jeder so viel bezahlt für den Internet Zugang. Ist das dennoch ordentlich Geld. Und die Kunden haben eben auch keinen Goldesel.

    Wenn die kosten zu teuer sind, dann muss man eben wieder raus aus dem Internet. Der Kunden kann doch nix dafür, das jede Firma sich mittlerweile durch das Netz finanzieren möchte.

    Das Problem ist ja eben auch mit der Werbung. Die Werbung ist nicht das Problem, sondern das 90% des Internets damit finanziert werden will. Es ist klar das diese Flut an Werbung keiner mehr aushält.

    Milliarden Seiten sollten so finanziert werden. Also Billionen oder Trillionen Werbeflyer und was der Geier was.

    Ich sage das einfach mal so. Die Leser und Nutzer des Internets können das ganze nicht Finanzieren. Irgendwann ist einfach mal ende.

    Man kann auch nicht unendlich Geld ins Internet schieben.

  • @John
    „Ich sage das einfach mal so. Die Leser und Nutzer des Internets können das ganze nicht Finanzieren. Irgendwann ist einfach mal ende.“

    Da hast du Recht, das Internet war auch nie als ein Übertragungsweg für alle Medien und als eine Kommerzielle Plattform gedacht.
    Es ist wirklich Unsinn aus jeder Webseite „Paid Content“ machen zu wollen und wohl auch der Tot des Internet.
    Daher wird sich das Netz wohl auch allmählich Aufspalten und immer weniger „Inter“ sein, also zb. Facebook als Selbständiges Netz oder eben ein Portal für Bücher und Medien , Musik und Filmstreamig ……
    Ich befürchte das das Netz wird wir es heute noch kennen nicht mehr lange Bestand haben wird.

  • Typisch Deutschland!
    Anstatt etwas Neues zu machen und neue Wege zu gehen um in Zukunft gut aufgestellt zu sein, NEIN! so bildet man doch viel lieber eine Gewerkschaft. Lieber setzt man sich mit der gleichen Suppe hin, heult vor sich hin und beschließt wie ein kleines Kind ganz oder gar nicht. Ich wünsche mir sowas von, das die Untergehen! Leider wird es aber noch viele alte Säcke geben die gerade den Doppelklick gelernt haben und nun dieses revolutionäre Angebot konsumieren wollen.
    Bescheidener Generationskonflikt und noch bescheidenerer demographischer Wandel.

    @ web:
    Du kannst dir deine Individuelle Zeitung auf dem iPad selber erstellen. Mit Feeds und einem App ist es machbar. Ich nutze dies seit Jahren.

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