Ubuntu für Smartphones: Canonical holt sich acht Mobilfunker ins Boot

Thorsten Nötges

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Ubuntu für Smartphones dürfte es nicht leicht haben, auf dem Markt Fuß zu fassen, den Android, Apple und – ziemlich abgeschlagen – Microsoft und BlackBerry unter sich aufgeteilt haben. Um besser dazustehen und die eigene Stellung schon vor dem Launch zu stärken, hat Ubuntu-Herausgeber Canonical zusammen mit acht großen Mobilfunkanbietern jetzt eine „Beratergruppe“ gegründet.

Teil der Carrier Advisory Group sind neben der Deutschen Telekom auch Everything Everywhere aus Großbritannien, Telecom Italia, Portugal Telecom sowie „der größte spanische Anbieter“ – sprich Telefónica. Aus Südkorea kommen mit LG UPlus, SK Telecom und Korea Telecom gleich drei Partner für das mobile Linux. Auffallend ist, dass es – mit Ausnahme der Telekom-Tochter T-Mobile – keinen Provider aus den USA gibt. Weitere Anbieter können sich noch anmelden, ab Mitte Juli wird Canonical keine neuen Mitglieder in ihrer Beratergruppe aufnehmen.

Und was beraten die?

Doch welchem Zweck dient das Ganze? Canonical bleibt zunächst einmal alleiniger Entwickler des neuen Betriebssystems, die Mobilfunkunternehmen sind aber aufgerufen, die Roadmap zur Veröffentlichung mitzuprägen. In regelmäßigen Treffen sollen die Partner daher nicht nur über den aktuellen Stand der Entwicklung, sondern auch über eine Vielzahl weiterer Punkte informiert werden: Standards, Partnerprogramme, Geräteanpassungen, Appstores, Zahlungsmöglichkeiten.

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Die Beratergruppe soll vor allem die einheitliche Linie des Systems garantieren, damit die die Position von Ubuntu nicht schon vor dem Launch geschwächt wird. Und natürlich will sich Canonical sowohl das Interesse als auch die Vertriebsmacht der kooperierenden Anbieter sichern. Diese bekommen dafür nicht nur ein OS, in das sie ihre eigenen Vorstellungen einbringen konnten, sondern auch eine bevorzugte Stellung bei der Veröffentlichung. So werden die ersten zwei Anbieter, die mit Ubuntu auf den Markt gehen, ausschließlich aus der Carrier Advisory Group ausgewählt; die anderen Mitglieder folgen sechs Monate später. Nicht-Mitglieder hingegen müssen sich auf eine erhebliche Wartezeit einstellen, sagt Canonical.

Wobei Wartezeit ein gutes Stichwort ist. Eigentlich sollten die ersten Telefone mit Ubuntu Anfang 2014 im Verkauf landen, tatsächlich gibt es aber bisher noch keinerlei Informationen, welche Hersteller das OS unterstützen.

Guter Dinge

Innerhalb der Gruppe ist man allerdings guter Dinge – was aber auch nicht anders zu erwarten ist. Der Vorsitzende der Beratergruppe, David Wood, gibt sich jedenfalls begeistert. Achtung, Werbesprech:

Der Markt braucht noch immer eine unabhängige Plattform, die Innovation und Vielseitigkeit ermöglicht. Diese Plattform ist Ubuntu. Die Beratergruppe hat die Möglichkeit, die Entwicklung des Systems zu beeinflussen und so das Potential dieser Plattform voll auszunutzen.

Zweifelsohne: Ubuntu ist cool, und das Smartphone-OS sieht auch echt gut aus. Die enge Kooperation von Entwickler und Anbietern hat aber zwei Seiten. Es ist natürlich zu begrüßen, wenn Ubuntu durch die Kooperation breit(er) aufgestellt wird, sich etablieren kann und zu einer neuen Option auf dem Markt der mobilen Betriebssysteme wird.

Aber wie viel Mitbestimmung von Anbietern ist gesund? Entscheidet die Beratergruppe, welche Software vorinstalliert (und nicht mehr zu löschen) ist? Bleibt Ubuntu so frei und flexibel, wie die Desktop-Version, oder müssen die Nutzer mit Einschränkungen leben? Diese Fragen dürften sich nun häufiger stellen.

Bild: Screenshot – Ubuntu for phone

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Thorsten Noetges ist Nerd, Gamer,und seit 1995 im Internet zu Hause. Er hat von 2013 bis 2014 über 100 Artikel auf BASIC thinking veröffentlicht.