Twiplomacy-Studie: Twitter als Werkzeug in Politik und internationalen Beziehungen

Thorsten Nötges

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Mit 200 Millionen Nutzern ist Twitter ein ernstzunehmendes Medium. Wenn man viele Menschen auf einmal erreichen will, ist ein Tweet eine ziemlich zuverlässige Sache – schnell, einfach, und dank Retweets machen Meldungen auch schnell die Runde. Deshalb nutzen auch jede Menge Prominente Twitter. Aber wie sieht es denn mit Staatsoberhäuptern und Regierungen aus? Wie setzen diese Twitter ein? Sind sie mit anderen Staaten verbunden? Und wie viele Leute folgen ihnen? Das hat jetzt die Twiplomacy-Studie der PR- und Kommunikationsfirma Burson-Marsteller untersucht.

Eine (nicht immer) überraschende Top Ten

Und – keine Überraschung: Barack Obama steht an der Spitze, mit mehr als 33 Millionen Followern. Auf dem zweiten Platz liegt weit abgeschlagen der Papst, mit nur sieben Millionen Menschen, die seinen Tweets lauschen. Platz 3 belegt das Weiße Haus, also quasi wieder Barack Obama (4 Millionen), die Plätze 4 und 5 belegt die Türkei: Ministerpräsident Erdogan kommt auf gut 3,7 Millionen, Präsident Abdullah Gül folgt knapp dahinter mit gut 3,4 Millionen Followern.

Burson-Marsteller untersuchte insgesamt 505 Twitter-Accounts von Regierungschefs und Regierungen, Außenministern und deren Institutionen in 153 Ländern weltweit. Die Studie analysierte jedes einzelne Twitter-Profil, frühere Tweets, und die Verbindungen untereinander. Mehr als fünfzig Variablen wurden analysiert, darunter, wem der Account folgt, wann dieser erstellt wurde, die Zahl der Follower sowie in welchen Listen er vertreten ist.

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Dass Barack Obama der meistgefolgte Politiker auf Twitter ist, dürfte die meisten nicht wirklich überraschen. Dass der Papst als Kopf der katholischen Kirche auch als „World Leader“ eingestuft wird und damit dann auf Platz 2 landet, ist auch nicht wirklich verblüffend, wenn man sich die Papstbegeisterung in vielen Ländern dieser Welt vor Augen führt. Aber die anderen Plätze der „Follower-Könige“ dürften manchen doch überraschen: Erdogan und Gül aus der Türkei, Königin Rania von Jordanien, der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono, der russische Ministerpräsident Medvedev, die Regierung von Großbritannien und die argentinische Präsidentin Christina Kirchner runden die Top Ten ab. Die deutsche Regierung ist übrigens nicht einmal in der Top 50.

Wer folgt wem?

Darüber hinaus erfasst die Studie, welche Beziehungen zwischen den Politikern, Regierungen und religiösen Oberhäuptern untereinander bestehen. Grundsätzlich haben mehr als drei Viertel aller „World Leader“ einen Twitter-Account – allerdings wird hier nicht zwischen persönlichen Accounts wie @BarackObama oder Stellvertretern wie dem deutschen @RegSprecher unterschieden. Die Verbindungen über Twitter sind dabei sehr unterschiedlich. @BarackObama folgen etwa 148 andere Entscheider, er selbst verfolgt nur vier. Die kroatische Regierung @VladaRH beispielsweise folgt wiederum unilateral 195 Accounts.

Am besten vernetzt ist der schwedische Außenminister Carl Bildt: Er verfügt weltweit über 44 gegenseitige Verbindungen mit seinen Kollegen. Der Papst wiederum steht alleine da – er folgt nur den anderen päpstlichen Twitter-Konten.

Kommunikation meist einseitig

Und was ist mit der Kommunikation über Twitter? Schließlich macht es kaum anderes Medium so einfach, eine öffentliche Person zu kontaktieren – ob es immer eine Antwort gibt, ist natürlich etwas ganz anderes. Auch hier zeigt sich überraschendes: So antwortet der ugandische Premierminister Amama Mbabazi am häufigsten auf andere Tweets – 96 Prozent seiner Postings sind Antworten.

Auf Platz 2 steht Paul Kagame, der Präsident von Ruanda, dann findet sich wieder der schwedischen Außenminister Carl Bildt. Er hat einen Extra-Account @fragaCarlBildt, der ausschließlich für Twitter-Chats genutzt wird, und antwortet auch mit seinem schwedischen Account @cbildt (der dritte in dieser Liste) in jedem zweiten Tweet auf Fragen. Mein Fazit: Schöne Sache, viele politische Führungspersönlichkeiten sind vertreten, ein echter Dialog kommt aber offenbar nur selten zustande.

Bild: Twiplomacy / Burston-Marsteller

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Thorsten Noetges ist Nerd, Gamer,und seit 1995 im Internet zu Hause. Er hat von 2013 bis 2014 über 100 Artikel auf BASIC thinking veröffentlicht.