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Studenten-Kurzfilm „NOAH“: Eine Geschichte über den Information-Overkill der „Generation Facebook“

NOAH
geschrieben von Tobias Gillen

Was geht eigentlich auf dem Computer-Bildschirm eines Jugendlichen ab? Der Kurzfilm „NOAH“ will genau das dokumentieren und präsentiert sich als kurzweilige Kritik am Information-Overkill einer Generation. Auf dem „Toronto International Film Festival“ (TIFF) stellten die kanadischen Filmstudenten Walter Woodman und Patrick Cederberg ihre Arbeit nun vor.

NOAH

Too much information

Noah scheint ein ganz normaler Jugendlicher zu sein. Er ist vergeben, auf Facebook, mag Musik und lustige Katzenvideos. Wenn er nicht gerade skyped oder mit seinem Kumpel „Call of Duty“ spielt, schaut er auch gerne mal ein YouPorn-Video – wie das halt so ist. Als ihn seine Freundin um ein Gespräch via Skype bittet und sich besorgt über das anstehende Jahr zeigt, in dem Noah wohl die Stadt verlassen wird, zeigt sich ein Problem der digitalen Welt: Noah spielt hier ein wenig Browsergame, bittet dort seinen Freund um etwas Geduld und muss sich zeitgleich noch auf das Gespräch mit seiner Freundin konzentrieren. Eigentlich unmöglich.

Als das Gespräch abbricht (wie das bei Skype eben mal sein kann), interpretiert Noah zu viel. Er geht davon aus, dass seine Freundin mit ihm Schluss machen wollte. Als sie das gemeinsame Profilbild dann noch durch ein Neues ersetzt, das von einem ihm unbekannten Jugendlichen lobend kommentiert wird und sein Kumpel ihm dazu rät, sich mal in das Facebook-Konto seiner Freundin zu hacken, begeht Noah einen Fehler.

Zu viele Dinge auf einmal

Er findet doppeldeutige Nachrichten zwischen seiner Freundin und dem Unbekannten, setzt ihren Beziehungsstatus auf „Single“ und verliert sie durch den Vertrauensbruch erst recht. „NOAH“ erzählt in 17 Minuten eine Geschichte, wie man sie sich bei jedem anderen Jugendlichen heutzutage auch vorstellen könnte: Gefühle spielen verrückt, die Phantasie geht auch mal mit einem durch, Kurzschlusshandlungen werden bereut.

Zudem sind viele Menschen – nicht nur Jugendliche – kaum mehr in der Lage, sich am Rechner oder während des Medienkonsums generell auf nur eine Sache zu konzentrieren. Den besten Beweis liefert „NOAH“ dabei selbst – fast nebenbei: Wer, der Facebook gerade geöffnet hat, schaut während des Films mit den unzähligen „Pings“ nicht mindestens einmal in die Tab-Leiste, ob gerade eine neue Benachrichtigung eingegangen ist?!

Update, 20.09.: Leider ist der Film bei YouTube offenbar nicht mehr öffentlich abrufbar. Wir haben das Video daher aus dem Beitrag genommen.

Mittlerweile ist der Film wieder bei YouTube aufgetaucht. (Danke Markus!)

Bild: Screenshot


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Über den Autor

Tobias Gillen

Tobias Gillen ist seit August 2014 Chefredakteur und seit Mai 2015 Geschäftsführer von BASIC thinking. Erreichen kann man ihn immer per E-Mail oder in den Netzwerken.

5 Kommentare

  • Über Fremdseiten ist die Altersbeschränkung wohl egal, konnts nun sehen. Aber ich muss sagen, für Leute wie mich, die Facebook nicht per Web nutzen (sondern nur per XMPP, weil alle anderen denken, Messenger seien unnötig) ist das Video ein wenig seltsam.

    Manche Dinge kann ich nicht nachvollziehen, z.B. warum zum Teufel weiß der Kerl das Passwort seiner Freundin? Niemand weiß meine Passwörter, auch nicht in einer Beziehung. Wozu auch? Ist ja nicht ein gemeinsamer Nutzername wie ein gemeinsames Bankkonto, sondern ein Privatkonto.

    Und die Darstellungsform passt auch nicht optimal zu unserer echten Wahrnehmung. Besser wäre es wohl gewesen, einen größeren Ausschnitt zu drehen und die Randbereiche verschwommen darzustellen. Denn auch im Randbereich nehmen wir noch relativ klar Veränderungen wahr (bspw. merk ich es immer, wenn sich Tabs in meiner Tabbar rechts im Browser verändern, obwohl ich mich beim Tippen auf eine Textbox oder einen zu lesenden Text konzentriere). Evolutionär kommt das von der Jagd, wo wir Bewegungen am Rand besonders gut sehen sollen (aber keine Bilder). Meinem Empfinden nach trifft das aber nicht nur auf Bewegungen, sondern Veränderungen allgemein zu (man merkt, dass sich da ein Text geändert hat, sieht aber nicht, was es war). Änderungen im Randbereich des Auges ziehen also automatisch die Aufmerksamkeit auf sich, sodass wir mit dem Zentrum darauf blicken.

    Im eigenen Interesse ist es auf jeden Fall, sich auf einzelne Arbeiten zu konzentrieren. Man kommt besser voran, weil man weniger schnell aufgibt. Wenn ich in einem Forum rumlese und gleichzeitig versuche, was Neues beim Programmieren zu lernen, dann schau ich bei Schwierigkeiten recht schnell wieder ins Forum. Das kostet natürlich Lernfortschritt, den man bei Nichtablenkung in 1-2h erreicht hätte.

    Einen Instant Messenger aktiv zu haben, finde ich jetzt aber keine Ablenkung, denn der ist für mich genau wie das Telefon neben dem PC (es melden sich auch etwa gleich oft Leute darüber bei mir). Facebook scheint dem Video nach aber von den Jugendlichen anders genutzt zu werden (häufigere Aktualisierungen). Wobei dabei auch Facebook schuld ist, welches meinem Empfinden nach jeden Bullshit als rotes Update anzeigt („Gefällt ihre Nachricht“ WTF? Interessiert mich doch einen Scheiß, ob jemand was von mir „gefällt“). Weil ich eh kaum was poste und Facebook nie dauerhaft offen habe, ist mir das egal, aber fiel mir so auf. Für Facebook ist die Strategie natürlich sinnvoll, weil sie die Nutzer so bei Stange halten…
    Vielleicht kann man die nutzlosen Meldungen aber auch irgendwo deaktivieren.

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