AT&T & Netzneutralität: Wie „sponsored Data“-Pläne den Mobilfunk-Markt angreifen

Tobias Gillen

Das Thema Netzneutralität wird uns noch einige Zeit beschäftigen. Angefangen bei der Telekom, die mit bestimmten Tarifen damit wirbt, dass die Nutzung von Spotify nicht auf das Inklusiv-Volumen des Datentarifs angerechnet wird. Nun zieht der zweitgrößte US-Mobilfunkanbieter AT&T nach. Auf der CES wurden Pläne zu „sponsored Data“ vorgestellt.

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Lern-Videos volumenfrei aufs Handy – sponsored by UnitedHealth

Die Idee dahinter ist einfach: Sponsoren können bei AT&T das Datenvolumen für Videos kaufen. Schaut ein Kunde dieses Video, wird das Volumen nicht bei ihm angerechnet, sondern von dem Sponsor übernommen. Mit dabei sind aktuell Aquto, eine Werbeplattform, Kony Solutions, eine App-Schmiede, und die UnitedHealth Group. Letztere wollen etwa Lern-Videos per Sponsoring volumenfrei auf die Smartphones der AT&T-Kunden bringen.

Die Kunden werden über ein kleines Icon darüber informiert, wenn ein Video gesponsort wird. Eigentlich für den Kunden keine schlechte Sache, schließlich müsste er so sein Datenvolumen nicht für Werbevideos von Unternehmen verbrauchen (insofern er sie denn schauen möchte). Problematisch wird es hier aber erneut bei der Netzneutralität. Auch und vorallem, weil der US-Martkführer und AT&Ts größter Konkurrent Verizon wohl ähnliche Pläne hat, wie die „New York Times“ in ihrem „Bits“-Blog berichtet.

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Eingriff in die Neutralität des Internets

Die Gefahr beim „sponsored Data“-Ansatz ist, dass künftig Großunternehmen mit enormen Marketing-Budgets Vorteile gegenüber kleinen Firmen oder Start-ups hätten. Wenngleich sich der AT&T-Ansatz auch erstmal „nur“ auf das mobile Netz bezieht, ist das schon ein enormer Eingriff in die Neutralität des Internets. Wohin soll das führen, wenn Apple, Facebook und Amazon nun auch noch Mobilfunk-Volumen kaufen können und kleinere Konkurrenten somit noch mehr als ohnehin schon auf Distanz halten?

Und: Was, wenn AT&T noch einen Schritt weiter geht und es nicht bei Videos bleibt? Darf Jeff Bezos dann für amazon.com das Datenvolumen übernehmen und den mobilen E-Commerce-Bereich somit quasi für sich beanspruchen, indem er den Nutzern volumenfreie Downloads von E-Books oder MP3s ermöglicht? Oder dürfte eine Online-Videothek nun volumenfreies Streaming von Filmen anbieten und Konkurrenten somit ausstechen? Fragen über Fragen, aber wenige Antworten.

Es war klar, dass diese Vorstöße irgendwann kommen würden, aber bedarf es dafür strikter Regeln und wettbewerbsrechtlich einwandfreier Grundsätze. Ansonsten wird das (mobile) Internet künftig von den Großen und Reichen regiert.

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Bild: Hands with packs of dollars over black / Shutterstock

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Tobias Gillen ist Geschäftsführer der BASIC thinking GmbH und damit verantwortlich für BASIC thinking und BASIC thinking International. Seit 2017 leitet er zudem die Medienmarke FINANZENTDECKER.de.