BITKOM-Studie: Nur ein Viertel der deutschen Internetnutzer würde für Online-Journalismus zahlen – wird die Paywall zur Failwall?

Felix
von Felix

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Neuen Umfrageergebnissen zufolge sind immerhin ein Viertel der deutschen Internetnutzer bereit, für journalistische Inhalte im Netz Geld auszugeben. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Internet-Branchenverband BITKOM herausgegebene Studie. Soweit so gut. Dennoch sieht die überwiegende Mehrheit keine Veranlassung, jetzt oder in Zukunft für journalistischen Content Geld auszugeben. Das liegt einerseits an den Inhalten selbst, andererseits aber auch an umständlichen Bezahlsystemen.

Paywalls auf dem Vormarsch

Bereits in der Vergangenheit habe ich hier an dieser Stelle unter dem Stichwort Zeitungssterben nur wenig Mitleid mit den Problemen der deutschen Verlage gezeigt. Mittlerweile hat sich einiges getan. Aktuellen Zahlen des BDZV zufolge verlangen inzwischen über 70 Zeitungen Geld für ihre Inhalte, 75 Prozent mehr als noch 2012.

So haben mehr und mehr Verlage für ihre Angebote entweder eine komplett undurchlässige Paywall oder einen Volumenansatz eingeführt. Nutzer können also gar nicht oder nur auf eine bestimmte Zahl von Artikeln pro Monat zugreifen – Beispiele sind die britische „The Sun“ oder „Die Welt“. Die „taz“ hingegen verfolgt mit der „Pay-Wahl“ ein spezielles Modell und verlangt weiterhin nur auf freiwilliger Basis Geld.

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Die meisten Zeitungen probieren es aktuell allerdings mit sogenannten Freemium-Modellen. Dabei legt der Anbieter fest, für welche Inhalte bezahlt werden muss. Die „Berliner Morgenpost“ zum Beispiel und seit nicht allzu langer Zeit auch „Bild“.

Wer soll das bezahlen?

Laut Ergebnissen der BITKOM-Umfrage zahlen 17 Prozent der Internetnutzer für einzelne Beiträge, weitere 17 Prozent zahlen monatliche Pauschalen. Im Durchschnitt geben diese Nutzer 13,60 Euro im Monat für journalistische Inhalte aus. Knapp ein Drittel der bisher nicht-zahlenden Nutzer ist zudem nicht abgeneigt, künftig auch mal den Geldbeutel zu zücken.

Die Mehrheit von 61 Prozent der Befragten will jedoch weder jetzt noch in Zukunft für Inhalte bezahlen. Der Anteil der Nicht-Zahler liegt also deutlich am höchsten. Die Begründungen für diese Einstellung sind deutlich: knapp zwei Drittel meinen, dass ausreichend kostenlose journalistische Angebote zur Verfügung stehen; 44 Prozent finden die Qualität des Angebots nicht gut genug, um dafür zu zahlen. Hinzu kommt vermutlich noch der demographische Effekt: Klassische Zeitungsleser wie Senioren über 65 nutzen journalistische Online-Angebote deutlich weniger häufig als die Jüngeren.

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Zu umständlich, zu teuer

Während sich diese Befragten also wohl kaum zur Zahlung nennenswerter Beträge bewegen lassen dürften, ist bei einem knappen Drittel die Bereitschaft prinzipiell vorhanden. Hier hakt es aber an anderer Stelle: So können sich diese Nutzer schlicht und ergreifend nicht mit den derzeitigen Zahlungslösungen anfreunden. Ich kann das sehr gut verstehen. Als Gelegenheitsleser, der gern für besonders interessante Artikel zahlt, aber kein Abo benötigt, habe ich häufig deutlich mehr Zeit mit einer Registrierung verbracht als den Artikel zu lesen. Mag das Prozedere auch aus Sicht der Verlage nötig sein, es schreckt ab.

Ansonsten geht es wie immer ums Geld: Mehr als ein Drittel der nicht-zahlungswilligen Nutzer findet den Preis für Abos oder einzelne Artikel einfach zu hoch. Wo die Grenze liegt, darüber kann man freilich streiten. Letzen Endes entscheidet natürlich der Nutzer. Die „FAZ“ verkauft ihre Archiv-Artikel beispielsweise ab 1 Euro (sogar an ihre Abonnenten), für einen „c’t“-Artikel werden hingegen 1,50 Euro fällig. Bei „Bild“ zahlt man ab 5 Euro im Monat für die Bildplus-Inhalte, ebenso bei „Die Welt“.

Alles in allem ist es wohl noch zu früh, um zu entscheiden, ob die Verlage ihre aktuellen Preismodelle dauerhaft durchsetzen können und es ihnen gelingt, einen halbwegs adäquaten Ersatz zum guten alten Zeitungsabo zu schaffen. Die aktuellen Zahlen sprechen jedenfalls nicht unbedingt dafür.

Grafik: BITKOM

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Internetabhängiger der ersten Generation, begeistert sich für Netzpolitik, Medien, Wirtschaft und für alles, was er sonst so findet. Außerdem ist er ein notorisches Spielkind und hält seine Freunde in der „echten Welt“ für unverzichtbar.