Trotz aktueller Kritik: Amazon erhöht Grenze für versandkostenfreie Lieferungen

Tobias Gillen

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Amazon

Behinderung von Verlagstiteln?

Amazon macht sich momentan keine Freunde. So erschien erst gestern als ganzseitige Anzeige ein Protestbrief von 909 Autoren, darunter auch Namen wie Stephen King oder John Grisham. Die beklagen sich über das Vorgehen Amazons bei Verhandlungen um E-Book-Preise von großen Verlagen. Der Vorwurf: Amazon verzögere Lieferungen vom Verlagshaus Hachette, schalte „Vorbestellen“-Buttons ab oder sabotiere auf andere Art und Weise den Print-Buchhandel des Verlags.

Hachette verhandelt momentan mit Amazon über die Preise von E-Books. Diese müssten laut Amazon günstiger sein, da sie keine Fracht- und Druckkosten benötigen. Kann man durchaus so sehen. Aber ob die Behinderung von Verlags-Printtiteln der richtige Weg zum Erfolg ist? Fraglich.

Streit über Logistikzentren in Polen und Tschechien

Einen ähnlichen Streit gibt es übrigens auch hier in Deutschland. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat sich erst jüngst beim Bundeskartellamt über Amazon beschwert. Auch hier ging es um die Vorwürfe, dass Amazon während Verhandlungen die Auslieferung von Print-Büchern der Verlagsgruppe Bonnier verzögert habe. Amazon streitet diese Vorwürfe übrigens wenig überraschend ab.

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Zudem befindet sich Amazon seit jeher immer wieder in Streits um Arbeitsbedingungen, Protesten und geplanten Streiks. Erst kürzlich wurde bekannt, dass Amazon etwa plane, von Verlagen zu verlangen, Bücher über Logistikzentren in Polen und Tschechien zu versenden. Mehraufwand und -kosten für die Verlage mal außen vor gelassen, bedeute das auch einen längeren Lieferweg für die Kunden. Ob auch das sinnvoll ist? Laut Amazon soll es den Ausbau der Logistik in Europa stärken, verdi sieht es (noch) gelassen.

Versandkosten: 29 Euro statt 20 Euro

Dagegen wirkt Amazons jüngster Streich fast ein bisschen unbedeutend. Dennoch dürfte auch er nicht gerade zu Freudentränen bei den Kunden führen. Die Grenze für versandkostenfreie Bestellungen wurde ab heute von bisher 20 Euro auf 29 Euro angehoben. War es also bislang möglich, Produkte ab 20 Euro ohne Versandkosten zu bestellen, muss man nun 9 Euro mehr shoppen – oder eben für die Paketkosten selbst aufkommen. Ausgenommen sind Bücher, Hörbücher und Kalender sowie Prime-Kunden.

Günstige Bücher mit in den Warenkorb legen

Einen kleinen Tipp, wie man Lieferungen trotzdem ohne Versandkosten erhalten kann, liefert Amazon übrigens selbst auf der Support-Seite (ganz unten):

Wenn Sie beliebige Artikel mit Artikeln aus der Kategorie Bücher kombinieren, werden für Lieferungen per Standardversand innerhalb Deutschlands sowie für Lieferungen per Standardversand nach Österreich, Belgien, Liechtenstein, Luxemburg, in die Niederlande und die Schweiz ebenfalls keine Versandkosten berechnet.

Das bedeutet: Wer ein günstiges Buch mit in den Warenkorb legt, bekommt den Einkauf so oder so versandkostenfrei nach Hause geliefert. Kann sich lohnen – seit der Erhöhung auf 29 Euro vielleicht sogar noch mehr. Günstige Bücher findet man übrigens dank der „Schnäppchen“-Suche recht einfach bei Amazon, hier etwa alles unter 5 Euro.

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Tobias Gillen ist Geschäftsführer der BASIC thinking GmbH und damit verantwortlich für BASIC thinking und BASIC thinking International. Seit 2017 leitet er zudem die Medienmarke FINANZENTDECKER.de.