Nie mehr Kartenchaos: Programmierbare Kreditkarte Coin will den Geldbeutel aufräumen – und rennt gleich in einen Shitstorm

Felix
von Felix

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Wie viele Plastikkarten befinden sich in Eurem Geldbeutel? Aller Wahrscheinlichkeit nach deutlich mehr als eine. Dabei geht es auch anders. Das zumindest verspricht ein Startup aus San Francisco. Letztes Jahr hat es sich seine Idee für eine lernbare Karte namens „Coin“ von der Crowd finanzieren lassen. Eigentlich wollte man noch diesen Monat die neuen Karten an den Mann bringen. Aufgrund von allerlei Schwierigkeiten verschiebt sich der Start aber noch bis zum nächsten Jahr. Die Nutzer sind erbost, während Coin mit einem ausgeweiteten Beta-Test beschwichtigt.

Einfaches Prinzip

Mein Geldbeutel ist deutlich zu dick, dabei ist eigentlich nur das wichtigste enthalten. Das führt nicht nur dazu, dass ich immer schief sitze, sondern auch dazu, dass regelmäßig meine Plastikkarten dort durchbrechen, wo sie versetzt übereinander liegen. Das ist offensichtlich unpraktisch und unkomfortabel.

Die Idee von Coin ist es, dieses Alltagsproblem aus der Welt zu schaffen. Dazu werden einfach alle Karten über einen speziellen Dongle ins Handy eingelesen und mit Foto versehen. Alsdann sind sie per Bluetooth Low Energy auf der Coin-Karte sichtbar.

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Bis zu acht Karten können so gespeichert werden und über ein Ink-Display wählt man die entsprechende Karte bei Bedarf einfach aus. Voraussetzung ist derzeit allerdings, dass die Karte einen Magnetstreifen besitzt. Karten mit Chip kann Coin (noch) nicht lesen.

Verpatzter Start

Coin ist zwar von der Crowd finanziert worden, jedoch nicht über die traditionellen Plattformen wie Kickstarter. Vielmehr haben die cleveren Entwickler einfach selbst vergünstigt auf der eigenen Firmenseite an Vorbesteller verkauft.

Diese Early Birds hätten eigentlich in diesem Monat ihre heiß begehrte Karte erhalten sollen. Stattdessen veröffentlichte Coin aber jüngst einen Blogeintrag mit dem Hinweis, dass es wohl erst nächstes Jahr soweit ist. Leider funktioniere die Karte aktuell nur an 80 Prozent der Lesegeräte. Das Einzige was man derzeit tun könne, sei mehr Beta-Karten bereitzustellen. Die Krux dabei: ursprünglich war geplant, dass die Beta-Tester eine zusätzliche Gebühr für die fertige Karte zahlen sollten.

Die Frustentladung über die Ankündigung ließ nicht lange auf sich warten; in kurzer Zeit sammelten sich mehrere tausend Kommentare. Zahlreich erschienen darin Beschwerden, dass man schließlich nicht für ein Beta-Produkt bezahlt hätte und es zudem frech sei, nun extra zur Kasse gebeten zu werden. Coin ruderte mittlerweile zurück und versprach nun auch für die Beta-Tester ein kostenloses Update auf das finale Produkt.

Berechtigte Zweifel

Auch wenn mit der neuen Ankündigung nun etwas Ruhe eingekehrt ist, hätte sich Coin bestimmt viel Kritik ersparen können. Transparentere, nutzerorientiere Kommunikation, die keine konkreten Termine verspricht, hätte hier bestimmt geholfen.

Der Effekt ist jetzt doppelt schlecht, denn nun hat man zusätzlich zu den allgemeinen Skeptikern auch noch frustrierte Early Birds. Positives Feedback könnte Coin aber auch deshalb gut brauchen, weil gerade bei diesem Projekt die Sicherheitsbedenken immer schon hoch waren.

In puncto Sicherheit sind nämlich zahlreiche Fragen immer noch nicht ganz geklärt. Was, wenn jemandem die Karte in die Finger fällt? Hat der Dieb dann acht Karten auf einen Streich? Wie werden sich wohl Banken anstellen, wenn es um Erstattungen geht nach einem Diebstahl?

So gerne ich einen dünnen Geldbeutel hätte, bei Coin sollte man die anderen erst einmal ausgiebig testen lassen. Ohnehin müssen sich Nutzer in Deutschland noch gedulden, bisher ist die Karte nämlich für Zahlungen in den USA ausgelegt.

Wie findet ihr Coin? Wäre das was für euren Geldbeutel?

Bild: Coin

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Internetabhängiger der ersten Generation, begeistert sich für Netzpolitik, Medien, Wirtschaft und für alles, was er sonst so findet. Außerdem ist er ein notorisches Spielkind und hält seine Freunde in der „echten Welt“ für unverzichtbar.