Back to the roots: „authenpic“ will, dass wir wieder unperfekte Schnappschüsse schießen. Und geduldig auf das Ergebnis warten.

Jürgen Kroder

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authenpic

0 Wiederholungen, 0 Filter, 0 Likes, aber 24 Hochglanz-Abzüge: Das Crowdfunding-Projekt „authenpic“ will uns zur entschleunigten Fotografie – so wie früher – ermutigen.

Zu viel Perfektionismus

Kamera aus dem Rucksack gezogen, ein, zwei Mal ausgelöst und fertig. So lief das Fotografieren vor der Digitalisierung ab. Jedes Bild, das wir schossen, war kostbar. Denn auf einen Film passten nur 24 oder 36 Fotos. Danach folgte das Entwickeln. Das war zeit- uns kostspielig. Doch es war auch schön. Denn die Vorfreude, ob die Bilder etwas geworden sind, erschien uns fast unerträglich – aber sie war spannend. Hielt man schließlich die Papierabzüge in der Hand, war das Durchforsten nach gelungenen Aufnahmen ein Erlebnis.

Heutzutage kennen wir diese Emotionen nicht mehr. Innerhalb von Millisekunden schießen wir kostenlos unzählige Bilder und können sie sofort auf dem Display unserer Digitalkameras oder Smartphones sehen. Misslungene Aufnahmen oder gar halbgare Schnappschüsse sind so fast nicht mehr möglich. Und was nicht passt, wird dank Instagram, Snapseed & Co. passend gemacht.

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Mehr Zeit mit Freunden

Mari und Linda L. Johannessen stört dieser Perfektionismus. Der Drang, dass unsere Fotos immer toll aussehen und sofort mit der ganzen Welt geteilt werden müssen, um Likes und Kommentare zu erhaschen, finden sie störend. Wenn wir ehrlich sind, ist es das auch. Wenn wir mit Freunden oder der Familie zusammen sitzen, dann verbringen wir mittlerweile einen beträchtlichen Teil unserer gemeinsamen Zeit damit, um Selfies, #foodporn-Pics oder andere Bilder zu schießen. Und diese landen dann sofort bei Instagram, Twitter, Facebook & Co.

Zurück zu den Wurzeln, als Schnappschüsse noch Schnappschüsse waren – das wollen die beiden Freundinnen mit ihrem „authenpic“-Projekt auf Kickstarter umsetzen. Hierbei handelt es sich um eine App, mit der nur 24 Bilder geschossen werden können. Ist die virtuelle Filmrolle voll, dann klickt man auf den „develop roll“-Button und … ist zum Warten verdammt. Die Bilder werden nämlich wirklich wie früher auf Papier entwickelt und einem eine Woche später per Post (nicht E-Mail!) zugeschickt.

Eine tolle Idee, aber…

Wenn man ehrlich ist, braucht man „authenpic“ nicht. Um nur 24 Fotos zu schießen und diese sich erst ein paar Tage statt im gleichen Moment anzuschauen, das kann jeder mit seinem Smartphone nachstellen. Doch dafür benötigt man viel Selbstdisziplin. Und Geduld. Die haben wir heutzutage verloren. „Authenpic“ ist quasi die verordnete Bremse, die uns entschleunigen soll. Hilft das? Ich bezweifle das. Denn wenn mir die Einschränkungenauf den Keks gehen, dann sind meine normale Foto-App oder Instagram nur einen Klick entfernt.

Deswegen sehe ich „authenpic“ eher als Anstoß zum Nachdenken an, als eine App, die man wirklich unterstützen muss. Wenn wir uns immer wieder vor Augen führen, dass wir die Zeit mit unseren Freunden genießen sollten, als sie mit dem Nachbearbeiten und Hochladen von Fotos zu verschwenden, dann wird „authenpic“ obsolet. Das ist zwar einerseits schade für die Initoratoren, die damit Geld verdienen wollen. Andererseits: Wenn wir uns an die gute Idee der Johannessen-Schwestern halten, gewinnen wir alle – nämlich mehr Zeit im echten Leben.

Bild: authenpic

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Jürgen bezeichnet sich als Blogger, Gamer, Tech-Nerd, Autor, Hobby-Fotograf, Medien-Junkie, Kreativer und Mensch. Er hat seine unzähligen Hobbies zum Beruf gemacht. Und seinen Beruf zum Hobby. Obwohl er in Mainz wohnt, isst er weiterhin gerne die Maultaschen aus seiner Heimat.