Hardware

Gleiche Produkte, unterschiedliche Preise: Nicht nur Media Markt verwirrt seine Kunden

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geschrieben von Jürgen Kroder

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Von „Elektronik-Händler verkauft Kunden für dumm“ bis „Media Markt – sind die denn blöd?“: Unser Bericht über unterschiedliche Preise für gleiche Produkte bei Media Markt wurde von zahlreichen Magazinen aufgenommen und sorgte für hitzige Diskussion. Das Feedback darauf gibt einen interessanten Einblick in die Preispolitik des Handels.

Er sollte kein Skandal- oder Enthüllungsbeitrag werden, sondern nur ein kurzer, launiger Erfahrungsbericht, was mir Kurioses bei einem spontanen Einkauf im Elektronik-Fachmarkt um die Ecke passierte. Doch meine Story „Ein Produkt und vier Preise: Will mich Media Markt eigentlich verarschen?“ schlug ganz unerwartet große Wellen.

Einerseits bekamen wir unzählige Kommentare. Andererseits wurde sie von der Presse aufgegriffen. Zuerst von „Huffington Post “, dann von Stern.de, Focus.de und „Welt“, die online wie auch in der Print-Ausgabe darüber berichteten. Das Thema schien die Leser zu bewegen, denn die Beiträge gehörten bei Stern.de und Welt.de einige Stunden zu den meistgelesenen Artikeln.

Ein blöder Zufall? Mitnichten!

In meinem Post schilderte ich, wie ich beim Kauf einer Micro-SD-Karte herausfand, dass es für das gleiche Produkt bei Media Markt vier verschiedene Preise gibt – mit einer Differenzen von über 50 Prozent. Ich war erstaunt und sauer zugleich, als ich den Text schrieb. Und ich fragte mich, ob das einfach nur ein blöder Zufall war.

Nein, ein Zufall scheint das nicht zu sein. Das zeigten mir sofort die Reaktionen, die als Kommentare eintrudelten. So wurde beispielsweise unserem Leser „Nils“ auch schon im Laden von einem Verkäufer zugeflüstert, dass es in einer anderen Abteilung günstigere Angebote gibt.

Ähnliche Preisdifferenzen scheint man nicht nur bei Media Markt, sondern auch bei den Mitbewerben zu finden. Zum Beispiel bei Expert, wie uns Simon Eberhardt auf Facebook mitteilte. Per Mail bestätigte er mir, dass er das identische Speicherkartenmodell (auch eine 32 GB Micro-SD-Karte) im gleichen Laden für über 20 Euro und für 15,99 Euro sah.

Und Daniel Schütt fand die gleiche Speicherkarte in der Saturn-Handyabteilung und im Wühltisch an der Kasse – mit 10 Euro Unterschied.

Nicht nur Media Markt hat Preisunterschiede

Ein Produkt, verschiedene Preise im gleichen Laden – das scheint beim Handel Usus zu sein. Das unterstreicht unser Leser „Marcel“, der in einem Baumarkt arbeitet und in seinem Kommentar die gleiche verwirrende Praxis beschreibt.

Kommen wir zurück zum Fall Media Markt. Da gibt es – wie zu vermuten – nicht nur bei Speicherkarten große Preisdifferenzen.

Bei Welt.de berichtet beispielsweise ein Kommentator mit dem Pseudonym „Hot Content“, dass er bei verschiedenen Media-Markt-Niederlassungen bei den Kaffeevollautomaten öfters Preisunterschiede von 200 Euro feststellen kann.

Auch zwischen Online und Retail, das ja laut dem Bestreben von Media Markt zusammenwachsen soll, gibt es große Unterschiede. Das zeigen Kommentare bei „Huffington Post“: Hier berichten Leser, dass sie bei Handys und Laptops Preisdifferenzen von bis zu 100 Euro erlebten.

Unterschiedliche Preise: Ist das möglich?

Eine Frage, die immer wieder diskutiert wurde: Kann ein Produkt überhaupt verschiedene Preise besitzen? Ja. Einerseits, indem es sich eben nicht um das identische Produkt handelt. So kann es kleine Unterschiede in den technischen Spezifikationen geben.

Unser Leser „Christopher“ fand in seinem örtlichen Media Markt je nach Abteilung Unterschiede bei der Geschwindigkeit der SD-Karten. Das kann natürlich eine Begründung für einen Preisunterschied sein. Muss es aber nicht.

Es kann auch wirklich mehrmals das gleiche Produkt in ein und demselben Laden geben. Die Lösung ist ganz einfach: Wie beispielsweise „Markus“ und „Essex4“ in unseren Kommentaren aufklären, gibt es für ein Produkt verschiedene EAN-Nummern. Hierzu wird es beispielsweise minimal anders benannt, obwohl der Inhalt der Gleiche bleibt.

Gegenüber „Huffington Post“ bestätigt Media Markt diese Lösung mit den Worten:

„Technisch sind beide Varianten zwar identisch, seitens des Herstellers werden sie aber als zwei unterschiedliche Produkte geliefert. Das bedeutet, dass diese Artikel über unterschiedliche EAN-Codes verfügen und somit in unserem Warenwirtschaftssystem als jeweils eigenes Produkt gelistet sind.“

Das Unternehmen wies bei dem Statement darauf hin, dass es so etwas nur in Einzelfällen vorkomme.

Sicher? Ich habe da aufgrund der vielen Reaktionen auf unterschiedlichen Seiten meine Zweifel daran.

So kriegt man sein Schnäppchen

Was kann nun der Kunde tun, um sich nicht an der Nase herumführen zu lassen? Bevor man im Fachmarkt zuschlägt, sollte man zuerst die Preise im entsprechenden Onlineshop checken. Gibt es Unterschiede, kann man auf den niedrigeren Preis bestehen.

Sollte das zu keinem Erfolg bei Media Markt & Co. führen, hat unser Leser „Renè“ eine einfache Lösung parat: Während man noch im Laden steht per Smartphone das gewünschte Produkt im Onlineshop bestellen und dann gleich vor Ort abholen.

Nein, liebe Händler, wir Kunden sind wirklich nicht blöd!

Bild: Eigene Montage


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Über den Autor

Jürgen Kroder

Jürgen bezeichnet sich als Blogger, Gamer, Tech-Nerd, Autor, Hobby-Fotograf, Medien-Junkie, Kreativer und Mensch. Er hat seine unzähligen Hobbies zum Beruf gemacht. Und seinen Beruf zum Hobby. Obwohl er in Mainz wohnt, isst er weiterhin gerne die Maultaschen aus seiner Heimat.

14 Kommentare

  • „Während man noch im Laden steht per Smartphone das gewünschte Produkt im Onlineshop bestellen und dann gleich vor Ort abholen.“ – Ihr habt den Zwischenschritt „i.d.R. ein paar Stunden warten“ vergessen.

  • Es geht auch noch dreister. Ich vergleiche die Preise selbst von Amazon und Alternate, wenn PC Artikel. Und zeige das den Mitarbeitern im Media Markt. Natürlich muss man bei einer Bestellung warten, aber das ist meist nicht schlimm. Alles mit einem Aufschlag von 10% bei Media Markt akzeptiere ich. Bis jetzt ist noch NIE ein Mitarbeiter nicht von dem ausgeschriebenen Preis im Markt runtergegangen.

    Nun, jeder will nur verkaufen!

  • Was mir schon vor vielen Jahren aufgefallen ist… Die Masche mit dem günstigsten Preis am Regal jedoch teurer an der Kasse!!! Und das (!) kommt in laufe der Jahre immer öfters vor! Einmal nicht aufgepasst bzw noch viel schlimmer bei einem Großeinkauf, verliert man sowieso den Überblick!!!
    Alles andere, was jetzt beispielsweise die technischen Artikel betrifft, vergleiche ich die Preise! Online wie im Geschäft. Online ist jedenfalls zu achten das noch Versandkosten dazu kommen! Und da wo es am günstigsten ist (inkl. Versand) da kaufe ich es auch!!!

  • Mein Media Markt bietet hierzu sogar ein offenes WLAN an 🙂
    Wahrscheinlich aber unabsichtlich. Hatte hier aber auch schon Erfolg. Einfach Smartphone zücken und vorzeigen.

  • Gerade bei Mediamarkt scheint es Usus zu sein, Produkte falsch einzusortieren bzw. die Preisschilder nicht zu kontrollieren.
    Wollte eine Handyhalterung, ausgezeichnet für 20€, auf der anderen Seite des Regals für 30€, für die ausgezeichneten 20€ haben – mir wurde angeboten, es für 25€ zu erstehen „weiter kann ich da nichts machen“ – und dann wie immer „der Vertrag kommt erst mit unserer Zustimmung, d.h. durch die Zahlungsaufforderung an der Kasse, zustande“…. Deshalb kann ich mir auch das mit dem Online-Preis nicht richtig vorstellen…

    Ich bin nicht blöd – dann kauf ich halt woanders! Nicht, dass ich Geiz geil finde, aber veräppeln lassen mag ich mich nicht.

  • Tcha, mittlerweile müsste , aber wirklich jeder wissen, dass man nun mal vorher lieber ausgiebig Preise vergleicht, bevor man zum erst besten Angebot greift! Sollte , aber mit dem ganzen Angebot an kostenlosen Vergleichapps, wie von Meinprospekt z.B (http://www.meinprospekt.de)nicht ein

  • Das Ganze ist nicht neu. Anfang der 1980er Jahre, als noch niemand „Internet“ zu buchstabieren wusste, konnte man in ein und demselben Hertie-Kaufhaus für den gleichen Batterietyp unterschiedliche Preise zahlen, da diese in der Baumarkt- und in der Elektroabteilung angeboten wurden.

    Für die Software Dragon Dictate stellte ich schon vor mehr als zehn Jahren einen Preisunterschied von 100 DM bei verschiedenen MediaMarkt-Filialen fest.

    Nach einem Bericht des ARD-Magazins plusminus
    (http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/hr/2014/teuer-oder-guenstig-100.html)
    wird dies u. a. mit der jeweiligen örtlichen Marktlage erklärt: je mehr gleichartige Läden auf einem Haufen, desto eher sind Preisänderungen im Vergleich zu „Schwester-Filialen“ denkbar.

  • Hi, hier noch was lustiges,
    aktuell gibt es bei Saturn das Surface 3 Pro mit Tastatur für 999€ im Angebot. Kauft man online einzeln ein, zahlt man für beide Komponenten 975€. Der erste KLAden, der sein Angebot selber toppt.
    Respekt!)

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