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Kommentar zur Apple-Smartwatch: Warum die Apple Watch für mich nicht in Frage kommt

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geschrieben von Tobias Gillen

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Nach der ersten Vorstellung der Apple Watch im September 2014 habe ich hier die aus meiner Sicht drei großen Probleme der Apple Watch aufgezählt. Das waren Design, Steuerung und der Preis. Leider hat es Apple versäumt, mich mit der finalen Präsentation am gestrigen Abend doch noch vom Kauf zu überzeugen.

Tamagotchi an einem hässlichen Sportarmband

Nein, nein, nein. Die Apple Watch wird es leider nicht an mein Handgelenk schaffen. Nicht, weil ich der Wearables- und Smartwatch-Bewegung gegenüber nicht offen genug eingestellt bin. Ganz im Gegenteil: Ich verfolge recht intensiv, was sich in dem Bereich tut und probiere gerne alle Gerätschaften aus – zuletzt das Fitnessarmband UP24 von Jawbone, vorher aber auch diverse Smartwatches für Android-Geräte.

Bei der Apple Watch hat mich seit Beginn das Design gestört. Ich finde sie klobig – nach wie vor. Eine Smartwatch sollte für mich so aussehen wie eine Uhr. Normal eben. Und nicht wie ein an ein hässliches Sportarmband getackertes Tamagotchi. Vom Armband lässt sich ganz gut überleiten zu meinem anderen Kritikpunkt: Dem Preis.

1.149 Euro für die schicke Variante – ein Witz!

Denn den habe ich schon mit den vermuteten 349 Euro aus dem letzten Jahr kritisiert. Wird seine Käufer finden, schrieb ich dazu. Natürlich – so wie alles von Apple. Aber über 300 Euro für ein Gerät, das mir im besten Fall den Griff in die Hosentasche erspart? Da gerät für mich das Preis-Leistungs-Verhältnis komplett aus den Fugen. Wenn die Apple Watch etwas weltbewegend Revolutionäres könnte – dann könnte man drüber reden. Aber so?

Und ja, hier reden wir nur von dem mutmaßlichen Preis aus 2014. Die jetzt genannten Preise sind ja noch viel schlimmer als erwartet: Los geht es bei 399 Euro für die kleine Aluminium-Variante mit Sportarmband. Designtechnisch würde es für mich erst mit Edelstahlgehäuse Gliederarmband Sinn machen. Dann erst sieht sie für mich aus wie eine schicke Uhr. Preistechnisch geht es hier aber erst bei 1.149 Euro los. Womit Apple wohl den hohen Aufpreis für ein normales Gliederarmband rechtfertigt?

18 Stunden Akkulaufzeit

Vor allem ist das ein Witz, wenn man bedenkt, was man dafür bekommt: Eine Uhr, die laut Herstellerangaben bei „normaler Nutzung“ den ganzen Tag übersteht! Hurra! 18 Stunden wären das dann, laut Apple. Was Apple selbst als „All Day Battery“ abfeiert, kann ich nicht so richtig ernst nehmen, sorry.

Wenn ich davon ausgehe, dass „normale Nutzung“ bei Herstellerangaben das nötige Minimum bedeutet, dann dürfte man bei wirklich „normaler Nutzung“ mehr mit Laden beschäftigt sein. Wenigstens der „Magnetic Charger“, der auf der Rückseite einfach angebracht wird, wirkt halbwegs brauchbar. Ich erwarte hier von Apple einfach mehr als von der Konkurrenz. Aber dazu dann mehr nach den ersten Tests.

Android-Nutzer mit mehr Vielfalt

Leider ist man im Smartwatch-Bereich durch das geschlossene Apple-Ökosystem angeschmiert. Wenn ich mir anschaue, was Android-Nutzer inzwischen für eine Vielfalt in dem Bereich haben, durch wie viele Preis-, Leistung- und Design-Level sie sich bei einer Smartwatch-Investition wühlen können, könnte ich fast neidisch werden.

Also: Nein, Apple, leider werde ich kein Apple-Watch-Träger. Auch, wenn die Uhr unter der Haube wohl einiges drauf hat. Ist aber nicht weiter schlimm, weil es genügend Käufer geben wird, da bin ich mir sicher. Ich bleibe vorerst weiter beim Griff in die Hosentasche. Auch, um die Uhrzeit zu erfahren. Und darum geht es doch, oder?

Ihr seht: Ich bin nach wie vor nicht sonderlich begeistert von der Apple Watch. Trotzdem oder gerade deswegen interessiert mich eure Meinung! Was haltet ihr von der Uhr?

Über den Autor

Tobias Gillen

Tobias Gillen ist seit August 2014 Chefredakteur und seit Mai 2015 Geschäftsführer von BASIC thinking. Erreichen kann man ihn immer per E-Mail oder in den Netzwerken.

11 Kommentare

  • 1. Die Uhr selbst hält sogar 72 Stunden durch. Nicht nur 18 😉
    2. Gliederarmbänder kosten bei manch anderem Uhrenhersteller schon gern mal um die 1000 Euro aufwärts. Ist zwar auch überteuert, aber in dem Markt nicht außergewöhnlich. Vor allem, wenn man im Hinterkopf hat, was Apple schon vor einiger Zeit zum Fertigungsprozess dieser Armbänder mitteilte…
    3. Wer nur die Funktion will, kauft sie die Sport. Design war dann schon immer teurer als Funktion und deswegen verlangt Apple da dann auch Preise jenseits der Logik aller Praktiker. Bei Designermode oder nem schicken Auto fragt man ja auch nicht mehr nach, ob es das „wert“ ist. Dem einen schon, dem anderen nicht. Für letzteren gibt es die Sport-Version. Und manch einer kauft sich sogar für 11.000 Euro eine Watch in Gold.

    Für mich persönlich käme, wenn überhaupt, nur die Sport in Frage. Aber das liegt daran, dass ich eh Uhren noch nie als Mode-Accessoire ansah. 😉

  • @frolueb Ja, man kriegt bei anderen Herstellern auch Uhren für >1.000€ – aber das sind in der Regel alles Wertanlagen! Wenn du heute eine gute Uhr für 1K kaufst, dann ist sie das in der Regel auch noch in ein paar Jahren wert, wenn nicht sogar mehr. Die Apple Watch ist aber nach einem Jahr veraltet und spätestens nach 3 Jahren teurer Technikschrott.

  • Ich finde es einfach generell, ob nun Apple Watch oder aus der Android Wear Palette, den falschen Ansatz, sich ein Smartphone ans Armband zu kleben. Wozu trage ich einen 5″ Prügel mit mir rum? Genau, der Bedienbarkeit wegen. Jetzt werden die Dinger auf Uhrengröße geschrumpft, mit Touchscreen schwer bedienbar, aber sollen doch alles können, was das Smartphone in der Tasch auch kann? Ich versteh es einfach nicht.

    Für mich soll die Smartwatch einfach der „Notification Drawer“ am Handgelenk sein: Wegdrücken, behalten, oder kurz mit einem „Daumen hoch“ antworten, und die Uhrzeit anzeigen. Das wars. Für alles was komplizierter ist, ist es einerseits nicht mehr so diskret (wer schaut schon 20 Sekunden lang auf seine Uhr), und andererseits einfach unpraktisch: Da kann ich doch gleich das Smartphone aus der Tasche ziehen!

    Solche Sachen wie Akkulaufzeit sind da für mich schon fast Kleinigkeiten, bzw. lösen die sich bei einem für mich „richtigen“ Konzept, wie es derzeit imo nur Pebble liefert, ganz von alleine. Ja, ich bin ein Fan von Pebble, ja, ich hab eine, und ein mehr an Funktionen möchte ich ehrlich nicht am Handgelenk haben. Es ist für mich perfekt so.

  • Sollten die Uhren mal ein vollwertiges Smartphoen ersetzen, werden sie interessant. So sind sie nur zusätzlicher Ballast.

    Übrigens, die goldenes Version soll angeblich nur vergoldet sein. 😀

  • Volle Zustimmung, was den Preis und vor allem das Design angeht.

    Aaber: Die Akkulaufzeit ist bei Apple im Gegensatz zu den meisten Herstellern nie geschönt worden, sondern entsprach ziemlich genau den Ansagen. Bei Fast-Gar-Nicht-Nutzung des Geräts bin ich mir sicher, kommt die Uhr auf über 24 Stunden. Dass auch das genauso lächerlich ist wie die anderen Smartwatches (Ausnahme Pebble), bleibt sich unbenommen.

  • „Tamagotchi an einem hässlichen Sportarmband“

    Großartig! 😀

    Der Satz hat mir echt den frühen Morgen versüßt. Und ihm ist nichts hinzuzufügen!

  • Also der Sinn der Dinger ist bei mir quasi null.

    Was kann die denn was das Smartphone nicht kann? Das Handy ist dieser Uhr doch haushoch überlegen. Allein das Display in Briefmarkengröße.

    Im Grunde ist das ein Teures Spielzeug. Und nutzt man dieses, ist das Teil auch schnell leer. Was machen Die leute dann? noch eine zusätzliche Armbanduhr?

    Ich würde mir für den Preis lieber eine anstänge Armbanduhr holen.

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