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Das Doro Liberto 820 Mini im Test, Teil 2/2: Kann das „Rentner-Smartphone“ überzeugen?

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geschrieben von Jürgen Kroder

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Im ersten Teil meines Tests berichtete ich, wie das Senioren-Handy Liberto 820 Mini auf den ersten Blick wirkt. Nun geht es ans Eingemachte: Wie gut ist die Bedienung? Können unerfahrene, ältere Menschen damit umgehen? Und wie fällt der Gesamteindruck aus?

Leichte Einrichtung

Startet man das Liberto 820 Mini zum ersten Mal, wird man von einem Bildschirm  mit einem knallgrünen Bildschirm mit Blättern-und-Wasser-Motiv begrüßt. Während man oben ganz groß die Uhrzeit sieht, wird unten ganz klein und nahezu unleserlich „Slide to unlock“ angezeigt.

Sehr gut dagegen präsentiert der sich der Einrichtungsassistent. Von der Darstellung der Icons, über die Verbindung zum WLAN bis hin zu der Einrichtung des Google-Account: Hier wird mit wenig Text und großen Bildern gefragt, wie man sein Handy konfigurieren möchte.

Danach kann man entweder durchstarten oder den „Entdeckungsmodus“ nutzen. Der ist quasi ein integriertes Handbuch, bei dem die wichtigsten Funktionen Schritt für Schritt leicht verständlich erklärt werden. Klasse. So etwas würde ich mir bei anderen Smartphones auch wünschen, um gerade Laien den Einstieg zu erleichtern.

Modifiziertes Android

doro-liberto-miniSchließlich landet man im Homescreen. Hier merkt man, dass sich die Entwickler Gedanken gemacht haben. Anstatt den User auf ein normales Android (in diesem Fall Version 4.2.2) loszulassen, hat man eine eigene Oberfläche drübergebügelt.

Die Oberfläche ist ganz übersichtlich gestaltet: Oben sieht man die Google-Suche und die Uhrzeit, im unteren Teil acht große Icons. Die erste Reihe mit drei Icons sind frei wählbare Shortcuts. Hier kann man entweder wichtige Kontakte oder Apps seiner Wahl festlegen: Von den Google-üblichen Angeboten wie Chrome, Kalender, Maps oder Music, bis hin zu Doro-eigenen Anwendungen wie beispielsweise einer Taschenlampen-App.

Mit den Icons darunter telefoniert man, verschickt und empfängt SMS/MMS und öffnet die Kamera-App. In der letzten Reihe befinden sich die Shortcuts für „Google Apps“ sowie der Punkt „Menü“. Mit Letzterem gelangt man zu drei weiteren Screens, wo Apps wie beispielsweise E-Mail, Kontakte, Wecker, Wetter oder einen Taschenrechner abgelegt sind. Ein UKW-Radio, ein Spiel (das Schiebepuzzle „Move It“) sowie eine praktische Lupenfunktion findet man hier ebenfalls.

Und man gelangt zum Google Play Store. Das ist einerseits gut, weil man sich so noch eigene Apps herunterladen kann. Das große Problem stellt allerdings der äußerst magere Speicher des Senioren-Smartphones dar: Rund 200 MB stehen nur zur freien Verfügung. Wer WhatsApp, Kicker, oder beispielsweise Facebook installieren will, hat ein Problem – mehr als zwei bis drei neue Apps passen in der Regel nicht drauf. Somit wird der Kauf einer SD-Karte zur Pflicht. Da es hierfür keinen von außen erreichbaren Slot gibt, sondern die Speicherkarte ähnlich wie die SIM-Karte nur durch das Abnehmen des Rückteils eingelegt werden kann, wird auch das leider unnötigerweise zum K(r)ampf.

Miese Kamera und zu kleine Tasten

Apropos Fotos: Ja, das Smartphone verfügt über eine Front- und Back-Kamera. Somit steht Schnappschüssen und Selfies nichts im Wege. Sofern man keinen Anspruch an die Qualität hat. Doro gibt auf seiner Homepage die Auflösung der Back Camera mit fünf Megapixenl an. Für mich sieht das verwaschene Ergebnis der Bilder eher nach maximal drei Megapixeln aus. Wer nur Fotos mit dem Doro-Handy knipst und sich diese dort ohne Zoom anschaut, für den reicht die magere Auflösung aus.

Wie bereits erwähnt, liegt das Smartphone gut in der Hand. Gut finde ich, dass die drei Standard-Tasten eines jeden Androiden (Menü, Home, Back) als echte Tasten vorhanden sind. Darüber hinaus findet man auf der Rückseite eine Taste, wie man sie meist bei Senioren-Handys findet: die Notfalltaste. Drückt man diese für ein paar Sekunden, wird eine vorher definierte Telefonnummer angerufen.

Weniger gefallen mir die virtuellen Tasten. Diese sind – dem vier Zoll Display geschuldet – viel zu klein. Gerade Unerfahrene Benutzer werden sicherlich häufig über Fehltipper fluchen. Hier hätte ich mir ein neues, eigenständiges Virtual Keyboard mit deutlicheren Tasten gewünscht.

Pfiffig dagegen ist der sogenannte „Dock Modus“. Diese App bietet sich an, wenn man das Doro Liberto 820 Mini in die Dockingstation gesteckt hat. Während das Smartphone geladen wird, kann es als Uhr, Wecker, MP3-Player oder im Dia-Modus zum automatischen Präsentieren der eigenen Bilder genutzt werden.

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Mittelmäßiges Fazit

Ich habe schon verschiedene Senioren-Handys (alles Feature Phones) benutzt und war somit sehr auf den ersten Kontakt mit einem Smartphone für Menschen ab 60-70 Jahren gespannt. Mir ist klar, dass es bei solch einem Gerät nicht um Power oder schickes Aussehen geht. Hier müssen eine einfache und leicht zu verstehende Bedienung im Vordergrund stehen. Genau deswegen hinterlässt das Doro Liberto 820 Mini bei mir einen zwiespältigen Eindruck.

Einerseits ist es positiv zu sehen, dass man ein Handbuch mit Zubehör mitgeliefert bekommt und dass die Einrichtung und Bedienung der modifizierten Android-Oberfläche simpel gestaltet wurden.

Andererseits dachten die Konstrukteure beim fummeligen Einlegen von Akku, SIM- und SD-Karte in keinster Weise an die  Zielgruppe. Auch das kleine Display und die noch viel kleinere virtuelle Tastatur stören mich. Und dass der Speicher für weitere Apps viel zu klein bemessen ist, kommt ebenfalls auf die Negativliste.

Man merkt an allen Ecken: Das Doro Liberto 820 Mini wurde für ältere Einsteiger mit wenig Anforderungen und einem kleinen Geldbeutel konzipiert. Diesen Sinn und Zweck erfüllt es – aber nur mit einem blauen Augen. Für die potentiellen Nachfolgemodelle ist also noch Luft nach oben.

Tipp für Sparfüchse

Wer nun wie ich nicht ganz von dem Senioren-Smartphone überzeugt ist, aber trotzdem ein günstiges Handy mit einfacher Bedienung sucht, für den gibt es eine mögliche Alternative: Ein altes Android-Handy zulegen und das mit einem speziellen Launcher wie beispielsweise „BIG Launcher“ oder „Fontrillo“ versehen. Diese Lösung ist zwar auch nicht perfekt, kann unterm Strich aber deutlich günstiger sein.

Bilder: Doro

Offenlegung: Der Hersteller hat uns das Gerät zum Test angeboten und leihweise zur Verfügung gestellt.


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Über den Autor

Jürgen Kroder

Jürgen bezeichnet sich als Blogger, Gamer, Tech-Nerd, Autor, Hobby-Fotograf, Medien-Junkie, Kreativer und Mensch. Er hat seine unzähligen Hobbies zum Beruf gemacht. Und seinen Beruf zum Hobby. Obwohl er in Mainz wohnt, isst er weiterhin gerne die Maultaschen aus seiner Heimat.

7 Kommentare

  • Hallo Jürgen,
    deine Vorstellung und dein Test des Doro Mini liest wie ein typischer Smartphone Review, der seine Zielgruppe und deren Bedürfnisse leider nicht mit einbezieht. Mir fällt es schwer zu glauben, dass du das Handy wirklich getestet hat bzw. dass du mal einen Blick ins Manual geworfen hast!

    Wie kompliziert die Einrichtung eines Smartphone ist nicht ganz so wichtig, da die meisten Senioren sich nicht scheuen ihr soziales und familiäres Umfeld um Hilfe zu bitten.

    Hauptsächlich vermisse ich aber einen Kommentar zu verwendbaren Schriftarten und zur Schriftgrößeneinstellung wie Kontrasteinstellungen, die i.d.R. das Übel aller Probleme bei der Bedienung durch „ältere Augen“ darstellen.

    Mit keinem Wort erwähnst du die wohl sinnvollste Funktion, die Dorohandys für Senioren qualifizieren:

    Die Notruftaste auf der Rückseite des Smartphones!

    Die Notruffunktion schaltet bei Aktivierung zuerst die Freisprechfunktion ein und wählt dann vorher einprogrammierte Nummer der ICE (In case of emergency)Kontakte an.
    Ebenfalls werden SMS mit frei konfigurierbaren Text versendet.
    Des weiteren werden beim Mini dazugehörige GPS Daten übermittelt!

    Für die Einrichtung der Notruffunktion und der ICE Kontakte bietet Doro online Hilfe an:
    http://www.mydoromanager.com/

    Dieses Feature ist genial und für Senioren in einer Notsituation einfach zu bedienen und dann hoffentlich auch lebensrettend!

    Ich finde Doro Handys zwar nicht perfekt, aber sie sind auf dem richtigen Weg und ich empfehle sie regelmässig und mit guten Gewissen im Bekanntenkreis meiner 80jährigen Mutter, die ich mit 72 erst zu ihren ersten Handy überreden konnte.

    Speicherkapazitäten wie die Qualität der Kamera sind in dieser Zielgruppe zu vernachlässigen, aber eine Funktion der Software, die mich durch den Benutzer als überflüssig definierte Menuepunkte ausblenden lässt, ist sinnvoll wie hilfreich, da sie Senioren die Orientierung erleichtert.

    Besten Gruß

    Ralph

  • Hallo Ralph,

    danke für deine Anmerkungen. Wie ich im ersten Teil meines Tests schrieb, habe ich versucht, mich in die Zielgruppe reinzuversetzen. Das ist natürlich nicht leicht, da ich noch ca. 30 Jahre jünger bin.

    Wie du in dem Text aber lesen kannst, gehe ich auf viele Punkte ein, die bei einem gewöhnlichen Review so nie erwähnt werden.

    Was deine Anmerkung mit der Notruftaste angeht: die habe ich erwähnt. Aber nicht ausführlich beschrieben, das stimmt. Und was deine Aussage angeht: Meines Wissens bieten nicht nur die Handys von Doro eine derartige Taste, auch andere Hersteller (z.B. emporia) bieten so etwas an.

    Zu meinem Fazit stehe ich voll und ganz: Ja, das Handy hat einige Funktionen, die für altere Menschen gut durchdacht sind. Aber es gibt einige Punkte, die ich nicht verstehe bzw, noch deutlich verbesserungswürdig sind!

  • Habe bereits das dritte Doro 820. Bei keinem funktioniert der Wecker richtig. Bei Doro ist das Problem bekannt!

  • Hat jemand schon mal versucht den Speicher mit einer Speicherkarte zu erweitern und diese Speicherkarte als Speicherort für Apps zu benutzen?
    Über die Einstellung geht hier nichts und auch das Verschieben von Bildern und Videos vom Telefon auf die Speicherkarte funktioniert nicht.
    Wäre für Tipps dankbar.

    • Habe das gleiche Problem. Bist du hier weiter gekommen ?
      konnte dann endlich die Bilder übertragen, in der Galerie waren sie sichtbar, einmaliger Aufruf ok, beim zweiten Mal Endlosschleife. verwendet wurden 32 und 64 GB SD Karten. irgendwelche Vorschläge ?

  • Das ist ja schön, das ich mit den Problemen nicht alleine bin. Ich dachte schon ich bin zu naiv, dieses Gerät richtig zu kapieren. Ich habe auch schon eine zweite karte dazugeschoben und denke immer es sollte doch schon verschoben sein, doch mein kleiner speicher wird immer voller, so das ich einige App´s immer deinstalliere, wenn ich sie nicht mehr unbedingt brauche.
    Sonst bin ich damit vollzufrieden, bin auch nicht mehr der allerjüngste (64) und habe erst seit zwei Jahren mit dem Handy begonnen…

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