Hardware

Im Test: 3D-Drucker Dremel Idea Builder 3D20: Einfachheit zu einem hohem Preis

3D-Drucker
geschrieben von Tobias Gillen

Ich kann nicht abstreiten, dass ich ein absoluter Fan des 3D-Drucks bin. Mich fasziniert die Technik dahinter und ich bin froh, den Idea Builder 3D20 von Dremel noch vor seinem Deutschlandstart im Mai 2015 testen zu können. Hier meine Erfahrungen und Eindrücke des 3D-Druckers.

Kein Monstrum

Das Paket ist wuchtig, wenn auch nicht schwer. Mit gerade mal knappen 9 Kilogramm ist der 3D20 von Dremel kein Monstrum, wie man es sich vorstellen würde bei einem 3D-Drucker. Im Gegenteil: 40 Zentimeter hoch, 48,5 Zentimeter breit, 35,5 Zentimeter tief – das war’s.

Dazu kommen noch ein 3,5″-Touch-Display, ein SD-Karten-Slot und zwei Anschlüsse für das USB- und Stromkabel. An den Seiten und hinten befinden sich kleine Freiräume für die Lüftung, vorne eine durchsichtige Kunststofftür, durch die man das Innenleben des 3D20 anschauen kann.

Maximal 230 Grad

Fertig zusammengebaut sieht man eine Spule mit Material, eine Druckplatte, den eigentlichen Druckkopf und ein paar Stangen, die die X-, Y- und Z-Achsen bilden. Möchte man nun drucken, muss man den Dremel entweder mit dem Computer verbinden oder sein fertiges Objekt per SD-Karte und das Touch-Display auswählen.

Anschließend erwärmt sich das Gerät auf maximal 230 Grad, macht ein bisschen Lärm und fängt an, das Objekt in 0,1 Millimeter dünnen Schichten von unten nach oben aufzubauen. Wenn man den Dremel 3D20 das erste Mal auspackt, rechnet man nicht damit, dass man von hier bis zum ersten Druck nicht viel länger als 20 Minuten und ein bisschen Fingerspitzengefühl braucht.

Viereinhalb Druckstunden

Für einige Objekte liefert Dremel schon Vorlagen, die man nach Account-Erstellung von der Website herunterladen kann. Wem das nicht genug ist, der kann mit der Dremel3D-Software noch etwas an den Objekten rumschrauben oder aber mit anderen Software-Paketen selbst Hand anlegen und sich sein Wunschobjekt zeichnen.

Dremel 3D-Drucker Software

Ich habe mich für erstere Wahl entschieden und als Testobjekt einen Aufbewahrungsbecher für Stifte oder ähnliches ausgesucht. Druckzeit: Satte viereinhalb Stunden, die der 3D20 lärmend und werkelnd auf dem Tisch steht.

Abkratzen mit dem Schaber

Er fährt in einer ordentlichen Geschwindigkeit von unten nach oben im Uhrzeigersinn seine Bahnen ab, bis er irgendwann das Objekt abgeschlossen hat und zum Abkühlen freigibt. Die Lautstärke ist durchaus ok, nicht lauter als ein normaler Drucker auch, aber in der Dauer dann doch störend.

Aber hey, so ein Becher druckt sich ja nicht mal eben so. Ist das Objekt fertig, muss es mit dem mitgelieferten Schaber vorsichtig von der Druckplatte abgekratzt werden. Das funktioniert nicht sonderlich gut und es dauert eine ganze Weile, bis man damit fertig ist.

Der Wille zählt

Das Resultat: Ein stabiler, der Vorlage entsprechender Becher mit einigen Schönheitsfehlern. So finden sich zwischen den einzelnen Querstreben kleine Fäden und Ausläufer des Druckmaterials. Einiges ist zwar noch nachträglich mit viel kleinteiliger Arbeit korrigierbar, vieles aber auch nicht. Am Ende zählt also eher der Weg als das Ziel, ein Geschenk aus einem 3D-Drucker muss wohl (noch) nicht perfekt sein.

3D Drucker

Der Dremel 3D20 wird – wie oben bereits gesagt – im Mai auf den deutschen Markt kommen. In den USA kostet er 999 US-Dollar, die Materialspulen gibt es in 10 Farben für je 30 Dollar.

Fazit: Tolle Einfachheit zum hohen Preis

Kommen wir zum Fazit: Der Dremel 3D20 liefert eine tolle Einfachheit, mit der selbst unerfahrene Nutzer binnen weniger Minuten in der Lage sein können, 3D-Objekte auszudrucken. Das Touch-Display ist ebenfalls simpel und intuitiv zu bedienen, wer direkt über die Software geht, dürfte auch auf keine großen Probleme stoßen.

Der Preis ist natürlich happig. 1.000 Dollar für einen 3D-Drucker, mit dem man im Privatgebrauch heutzutage (korrigiert mich gerne!) noch gar nicht so viel anfangen kann? Dazu kommen die Materialspulen á 30 Euro – für Vieldrucker könnte auch das nochmal ein wichtiger Aspekt sein.

Zusammenfassend also: Der Dremel 3D20 macht eine gute Figur, arbeitet zuverlässig, nicht ganz einwandfrei, ist aber nur zu einem stolzen Preis zu haben.

Hinweis: Das Gerät wurde uns für den Test zur Verfügung gestellt.

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Über den Autor

Tobias Gillen

Tobias Gillen ist seit August 2014 Chefredakteur und seit Mai 2015 Geschäftsführer von BASIC thinking. Erreichen kann man ihn immer per E-Mail oder in den Netzwerken.

8 Kommentare

  • Der Druck sieht, wenn man diese Querstreben anschaut, eigentlich relativ gut aus.
    Musste hier Supportmaterial (a la Stützbalken) gedruckt werden, oder wie hat er die waagrechten Streben in die Luft gedruckt?

    Allerdings sieht mir das ganze etwas zu proprietär aus:
    – Man scheint nur kleine Materialspindeln in den Drucker zu kriegen. Die handelsüblichen 1KG-Rollen, die von diversen Herstellern produziert werden, kriegt man wohl nicht rein
    – Die Webcommunity lässt einen erst nach Registrierung etwas runterladen.
    – Zwar kann die Software STL, aber das Format .3dremel spricht dafür, dass Objekte in der Webcommunity hauptsächlich in dem proprietären Format angeboten werden. Damit schießen sie sich selbst ins Knie.
    Thingiverse, ein Portal der Firma Makerbot ist dagegen offen für alle.
    – Für welche System werden Treiber angeboten, wie lässt sich der Drucker ansteuern?

    Die Software macht dagegen einen recht guten Eindruck, aber sonst wär ich da eher skeptisch. 🙂

    PS: Ich selbst habe den Fabtotum, bei dem ich damals im Crowdfunding $ 1100 (damals ca. 860 €) bezahlt habe.
    Die Qualität ist (im Vergleich zu den teuren Ultimaker und Co.) wohl auch nicht berauschend, aber Vorteile sind für mich v.A. die OpenSource Hard- und Software und das Webinterface. Er muss bzw. kann nicht an einen PC angeschlossen werden, man verwaltet die Drucke und Modelle einfach mit Tablet, Smartphone oder PC mit beliebigem OS.

  • Anscheinend ist es bei dem einen Druck geblieben. Wir haben den im Büro und bereits nach ein paar Drucken funktioniert nichts mehr, weil die Düsen verkleben und nicht wieder freizubekommen sind. Hilfe vom Hersteller/Techniker ist also notwendig.

    Sehr enttäuschend für ein Gerät das immerhin einen recht hohen Anschaffungspreis hat.

    • das kann ich nicht unterschreiben.
      Ich drucke mittlerweile fast täglich mit dem Drucker und hatte nie verklebte Düsen.

      Allerdings hatte ich ein paar kleinere Druckprobleme, weil die Druckplatte ab und an justiert werden sollte. Dafür gibts ja das interne Ausrichtungsprogramm. Die Düse ist ja aufgeheizt und das Filament wird durch die Düse geschmolzen. Für die Düse ist ja auch nochmal ein Reinigungsstift dabei . verstopfungen sollten sich eigentlich problemlos durch Aufheizen der Düse über die Funktion „Filament entfernen“ beheben lassen.

      Alternativ ist der Support von Dremel ja auch gut zu erreichen 🙂

    • Bei mir war auch mal der Extruder verstopft. Der ist aber nur mit 2 Imbus Schrauben am Hotend befestigt, die in der Home Position gut von vorn zu erreichen sind (die am 40mm Lüfter). Abschrauben, Extrudermechanik mit dem Hebel aufmachen, überschüssiges PLA entfernen und alles wieder zusammen schrauben. Dauert keine 10 Minuten.

  • Ich habe regelmäßig den Extruder verstopft. Das macht mich mittlerweile zum Vollprofil in dessen Reinigung. Viele schlimmer finde ich die Tatsache, dass mein Drucker unrund printet. Es sind leider immer leichte Abweichungen von 0,5 bis 2,0mm zu beklagen. Wenn jemand den Grund und/oder eine Lösung dafür hat, nur her damit.

  • Ich habe den Drucker bei einem Baumarkt als Aussteller für fast den halben Preis gekauft (599€)und bin sehr zufrieden .Das erste was ich entfernt habe ist die Halterung für die Filament Spule habe mir eine abroll Halterung inkl.Rollen aus dem Internet gedruckt und Drucke nun mit Handelsüblichem Filament auf 1.0 Kg Rollen die über dem Drucker im Regal stehen .Da der Deckel des Gerätes abnehmbar ist gibt es beim Druck keinerlei Probleme beim Abwickeln des Materials .

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