Das Bitcoin-Handbuch

Das Bitcoin-Handbuch – Tutorial zur digitalen Währung: Wo und wie kauft man Bitcoins?

Das-Bitcoin-Handbuch
geschrieben von Felix

In “Das Bitcoin-Handbuch: Tutorial zur digitalen Währung” machen sich die Autoren Tobias Gillen und Felix auf, alles rund um die digitale Währung Bitcoin zu verstehen. Als Anfänger wollen sie sich dabei langsam vortasten und andere Einsteiger mitnehmen sowie Wissende einladen, an der Reise teilzuhaben und wichtige Punkte zu ergänzen. In diesem Kapitel beschäftigen wir uns mit der Frage, wie man in den Besitz von Bitcoins gelangt, ohne sie selbst zu produzieren. Dazu stellen wir Euch heute die passenden Bitcoin-Börsen vor. // von Felix

Her mit den Bitcoins

Nachdem wir nun endlich stolzer Besitzer einer oder mehrerer digitaler Geldbörsen sind steht uns die Bitcoin-Welt endlich offen. Ein kleines, aber entscheidendes Detail fehlt jedoch noch. Wir müssen unser neues Wallet natürlich irgendwie befüllen.

Dazu gibt es zwei Möglichkeiten: man beteiligt sich in irgendeiner Art und Weise an der Produktion von Bitcoins (Mining), oder man kauft sie einfach mit einer anderen Währung zu einem bestimmten Wechselkurs.

Wir haben bereits gelernt, dass und wie wir selbst Bitcoins produzieren bzw. an einem Mining-Pool teilnehmen können. Wir müssen das aber nicht unbedingt. Genauso gut können wir einfach unsere Euro (oder andere Währungen) in Bitcoins tauschen. Dazu gibt es mittlerweile eine ganze Reihe verschiedener Plattformen. Im Vergleich zum Aufwand, sie selbst herzustellen, ist diese Variante deutlich einfacher.

Die Suche nach einer geeigneten Plattform

Mittlerweile gibt es nicht unzählige, aber doch sehr viele Anbieter, bei denen man Bitcoins erwerben kann. Die unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht voneinander.

Bei einigen Anbietern benötigt man auf der Plattform selbst sein Wallet, bei anderen kann man das Geld auf das eigene Wallet transferieren. Bei Wechselstuben (Übersicht) kauft man seine Bitcoins direkt bei einem Anbieter, auf Marktplätzen (Übersicht) kauft man bei anderen Nutzern. Je nach Anbieter werden dabei unterschiedliche Wechselkurse und Gebühren aufgerufen.

Ein wichtiger Unterschied ist auch die Frage, ob man auf Basis von Live-Kursen oder fixen Kursen seine Bitcoins tauscht. Live-Kurse ändern sich laufend, während sich fixe Tauschraten weniger häufig ändern. Dabei spielt natürlich auch eine Rolle, ob eine Plattform viele Nutzer, das heißt: hohes Angebot und Nachfrage, hat.

Natürlich unterscheiden sich auch die Zahlungsarten. Neben Cash und Überweisung ermöglichen einige Anbieter Bitcoin-Käufe auch über Kreditkarten oder per Geschenkgutschein. Für deutsche Nutzer ist dabei sicherlich die Frage entscheidend, wo man Bitcoins für Euro bekommt. Bitcoin Charts bietet dazu eine praktische, wenngleich nicht ganz vollständige Übersicht.

Wie immer: Sicherheitsbedenken

Nicht zuletzt spielen Sicherheitsaspekte eine wichtige Rolle. Das weiß man spätestens seit der großen Pleite der Bitcoin-Handelsplattform Mt.Gox im Februar 2014. Die genauen Umstände des Raubs sind zwar bisher ungeklärt, vielfach wird aber mittlerweile gemunkelt, dass der Skandal vor allem an mangelnden Sicherheitsstandards lag.

Im Unterschied zu einem Wallet, bei dem man vor allem darauf achtet, wo die Schlüssel gespeichert und wie Transaktionen verifiziert werden, muss man bei einer Handelsplattform offenbar auch auf andere Aspekte achten, um gute von schlechten Sicherheitsstandards zu unterscheiden.

Jörg Platzer vom Bundesverband Bitcoins führt den sogenannten „Proof of Reserves“ als ein wichtiges Kriterium an. Dabei müssen die Anbieter jederzeit kryptographisch belegen können, im Besitz der Bitcoins zu sein.

Auch andere Faktoren finde ich vertrauenserweckend, Kooperationen mit Bankhäusern oder privaten Versicherungsunternehmen beispielsweise. Natürlich hilft im Zweifel auch immer ein genauer Blick auf die Webpräsenz des jeweiligen Anbieters. Ein unprofessioneller Auftritt, unklare AGB oder ein dubioser Firmensitz wirken auf mich jedenfalls abschreckend.

Einige Anbieter im Überblick

Bitcoin.de

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Der Platzhirsch auf dem deutschen Markt heißt Bitcoin.de. Seit 2011 kann man hier mit anderen Nutzern Bitcoins handeln. Das ist nicht unbedingt der schnellste, aber ein komfortabler Weg. Ein Konto ist einfach erstellt. Über 2-Faktor Identifizierung und eine Webseite, die es mit dem Einloggen sehr ernst nimmt, macht dieses Konto einen guten Eindruck.

Damit es wirklich losgehen kann, muss man jedoch sein Bankkonto sowie die Mobilnummer verifizieren lassen. Wer das macht, kann Bitcoins im Umfang von bis zu 2.500 Euro pro Kalenderjahr und maximal 1.000 Euro pro Monat handeln. Wer mehr möchte muss sich durch eine vollständige Identifikation registrieren. Das ist jedoch nur Mitgliedern vorbehalten, die mindestens 12 Bitcoins in 12 Monaten gehandelt haben.

Der Handel findet auf dem hauseigenen Marktplatz statt. Dort stehen Angebots- und Nachfragepreise, immer mit dem Hinweis, aus welchem Land Angebot und Nachfrage stammen und ob sich der Nutzer vollständig identifiziert hat. Wer einen Bitcoin kauft erhält alsdann die Kontodaten des Gegenübers und muss ihm das Geld überweisen. Sobald der Verkäufer den Zahlungseingang bestätigt, erhält man seine Bitcoins. Wie man sich leicht vorstellen kann, ist das nicht der schnellste Weg. Zwischen 2 und 6 Tagen dauert der Vorgang.

Wer nicht so lange warten will hat die Möglichkeit am „Express Handel“ teilzunehmen. Dieses neue Feature bietet Bitcoin.de nun für Kunden der Münchener Fidor Bank, mit der man schon seit langem kooperiert. Ehrlich gesagt hatte ich diese Kooperation bisher immer so verstanden, dass in diesem Rahmen meine Bitcoin-Bestände auch von der europäischen Einlagensicherung gedeckt sind. Das ist aber nicht so. Laut AGB sind die Bitcoin-Bestände ausdrücklich ausgeschlossen. Wie man dem FAQ entnimmt, sind auch keine direkten Ein- und Auszahlungen über Bitcoin.de möglich.

Kraken

Kraken hat sich seit seinem Start im Jahre 2011 einen bekannten Namen erarbeitet. Betrieben wird der Bitcoin Exchange aus San Francisco von Payward, Inc. Tatsächlich hat das Unternehmen in den letzten Jahren wichtige Meilensteine erreicht. Seit September 2013 orientiert man sich am XBT, dem ISO-Währungscode für den Bitcoin, der bis dahin unter BTC bekannt war. Im April 2014 hat Kraken es damit auch geschafft, beim offiziellen Bloomberg Terminal gelistet zu werden.

Besonderes Vertrauen hat sich Kraken auch durch einen erfolgreichen Proof of Reserves Audit erarbeitet, sowie durch die Kooperation mit der Münchner Fidor Bank. Vor allem durch letzteres hat das Unternehmen umfangreich Fuß in Europa fassen können. Deutschland ist von dem Deal jedoch ausgenommen. Hier kooperiert die Fidor Bank bereits mit Bitcoin.de.

Kraken ist aktuell nicht auf Deutsch verfügbar. Ein einfaches Konto ist trotzdem schnell erstellt, mit dem kann man jedoch nicht viel anfangen. Standardmäßig ist man nämlich als Tier 0 klassifiziert. Damit sind weder Ein- noch Auszahlungen möglich. Dafür benötigt man höhere Tier-Nummern, für die aber bestimmte Nachweise erforderlich sind.

Deutsche Nutzer müssen mindestens Tier 3 nachweisen und benötigen dazu ihre persönlichen Angaben, Adress-Verifizierung, Aufenthaltsgenehmigung sowie ein Foto von sich mit Ausweis. Der große Aufwand der Registrierung wird dafür mit einer umfangreichen Handelsoberfläche belohnt. Sie erinnert ein bisschen an ein Konto zum Börsenhandel. Dementsprechend können bestimmte Orderarten eingegeben werden. Limit Orders beispielsweise, bei der man erst ab einem bestimmten Preis automatisch kauft oder Stopp Loss Orders, bei der Positionen automatisch verkauft werden, wenn sie einen bestimmten Wert unterschreiten.

Auf der Webseite wird seit neuestem auch das Margin Trading, also der Handel mit Hebeleffekten beworben. Damit kann man mehr Geld einsetzen, als auf dem Konto verfügbar ist und hat so einen Hebeleffekt bei seinen Spekulationen. Der erhöht jedoch das Gewinnpotenzial, ebenso wie das Verlustrisiko.

Circle

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Circle ist ein recht neuer Anbieter, der seit März 2014 in den USA und seit September weltweit verfügbar ist. Dahinter stecken finanzstarke Geldgeber. Im April 2015 investierten zuletzt Goldman Sachs und IDG Capital Partners 50 Millionen US-Dollar in das Unternehmen aus Boston.

Die hohen Erwartungen sind dabei auch nicht ganz ungerechtfertigt. Immerhin hat Circle einiges zu bieten. Ein Pluspunkt ist, dass Konten versichert sind. Hierzu hat Circle ein Abkommen mit dem privaten Anbieter Marsh Insurance, das Einlagen gegen Hacks der Circle-Server versichert. Ausdrücklich ist das jedoch keine staatliche Einlagensicherung. Dafür ist Circle von der FinCEN, einer Behörde des US-Finanzministeriums, reguliert.

Circle will mit seinem Angebot den Mainstream-Markt erobern und setzt deshalb vor allem auf eine unkomplizierte App, die man mit Bankkonto oder Kreditkarte verbindet und so einfach Bitcoins erwirbt. Seit neuestem kann man mit Circle auch US-Dollar versenden. Laut eigener Darstellung ist die Nutzung inklusiver der Versicherung kostenlos. Laut Tests zahlt man aber bei Kreditkartenzahlung eine Bearbeitungsgebühr und bekommt vermutlich auch einen etwas schlechteren Wechselkurs als anderswo. Dafür erhält man seine Bitcoins sofort.

Damit das alles funktioniert, muss man die Registrierung aber erst einmal abgeschlossen haben. Aus den Nutzungsbedingungen ist dabei nicht ganz klar, was man dazu braucht, zumal ich annehme, dass es andere Anforderungen für deutsche Nutzer als für US-Bürger gibt. Laut Nutzerbedingungen räumt man Circle das Recht ein, Nachforschungen über die persönlichen Daten anzustellen. Dazu kann man nach weiteren Angaben, wie z.B. der Steuer-ID, gefragt werden. Was genau allerdings nötig ist, sieht man erstmal nicht. Aus dem Bericht eines sehr enttäuschten Nutzers entnehme ich, dass man auch hier ein Selfie von sich mit Führerschein an Circle schicken muss.

Coinbase

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Älter und deutlich bekannter als Circle ist das 2012 gestartete Coinbase aus San Francisco, das wir bereits als Wallet-Anbieter kenngelernt haben. Auch hier steckt eine Menge Kapital im Unternehmen. Coinbase arbeitet gerade an der offiziellen Genehmigung als Handelsplatz. In zahlreichen europäischen Staaten sowie knapp der Hälfte der US-Bundesstaaten kann Coinbase seinen regulierten Service anbieten. Deutschland ist leider nach wie vor nicht dabei.

Andere Nutzer können, ähnlich wie bei Circle, ihr Konto verbinden und so Bitcoins handeln. Im Rahmen der Wallets haben wir dabei auch bereits das Merchant Tool kennengelernt, das Händlern das Leben leicht macht, vor allem weil man so Bitcoins sofort wieder in andere Währungen wechseln kann. Laut Test verlangt Coinbase im Unterschied zu Circle Gebühren für den Kauf und benötigt für den gesamten Kaufprozess einige Tage, gibt aber dafür einen besseren Wechselkurs

LocalBitcoins

LocalBitcoins war in der Vergangenheit die P2P-Alternative zu den anderen Bitcoin Plattformen. Dazu konnte man einfach seine Stadt eingeben und nach Angeboten in der Nähe suchen. Dabei werden unterschiedliche Zahlungsarten, beispielsweise eine Überweisung angeboten.

Berühmt geworden ist LocalBitcoins jedoch für die Möglichkeit, die Verkäufer persönlich zu treffen und seine Bitcoins mit Bargeld zu bezahlen. Seit sich Ende 2014 die BaFin eingemischt hat, ist dies jedoch in Deutschland nicht mehr möglich.

Seither sucht man nach einer Lösung. Offenbar fehlen LocalBitcoins aktuell entsprechende Lizenzen. In Österreich und der Schweiz ist der Kauf von Bitcoins aber weiterhin möglich.

Bitcoin-Treff

Als Reaktion auf die einstweilige Schließung von LocalBitcoins ist der Bitcoin-Treff gestartet. Viele Informationen findet man aktuell noch nicht über die Plattform. Die Gründer geben im Interview zu Protokoll, dass sie lediglich ein Forum bieten und nichts mit den Geschäften zu tun haben. Sie verlangen auch keine Provision. Eine Lizenz der BaFin sei deshalb nicht nötig.

Zur Registrierung benötigt man lediglich eine E-Mail-Adresse und kann alsdann Inserate einstellen. Die Kontaktaufnahme funktioniert ebenso leicht. Wirklich groß ist das Angebot jedoch nicht. Deutschlandweit stehen aktuell etwas mehr als 10 Einträge auf der Plattform.

Mycelium

Mycelium hatten wir bereits als Wallet-Anbieter kennengelernt. Mit ihrem Local Trader bietet das Wallet zugleich eine Plattform zum lokalen Bitcoin-Handel. Die Nutzerzahlen sind zwar deutlich höher als beim Bitcoin-Treff, dennoch sind in Deutschland lediglich rund 100 Verkäufer aktiv.

Dafür ist der Handel leicht verständlich. iPhone-Nutzer sind jedoch ausgeschlossen, im Moment gibt es den Local Trader nur bei der Android-App.

Bit4coin

2013 ist in Amsterdam Bit4Coin entstanden. Hier erhält man Bitcoins in Form eines Gift-Vouchers, also einer digitalen oder gedruckten Geschenkkarte. Auf ihr vermerkt ist ein Code, mit dem man sich Bitcoins auf sein Wallet auszahlen lässt.

Bestellt wird diese Geschenkkarte per SMS-Code oder per Post. Man kann vier verschiedene (50, 100, 250, 500 Euro) erwerben. Bezahlt wird kostenlos per SEPA-Überweisung oder, in Deutschland wohl eher nicht gängig, per Online-Bank-Transfer.

Als Gebühr werden bei der SMS-Variante ein Euro, zuzüglich 4,9 Prozent Kursaufschlag fällig, bei der Geschenkkarte 3 Euro plus 8 Prozent Aufschlag.

Bitcoin ATM

Auch unterwegs kann man sich mittlerweile mal schnell einen Bitcoin aus dem Automaten ziehen. Das geht natürlich nicht beim Geldautomaten um die Ecke, aber mit etwas Glück wird man auch in seiner Nähe fündig. Coindesk bietet hier einen schönen Überblick, ebenso Find Bitcoin ATM. Soweit ich das sehe, bieten diese Automaten aber nur Bitcoin für Bargeld, nicht umgekehrt. Bei einigen gibt es zudem ein Limit.

Für deutsche Nutzer ist das vermutlich ohnehin nur im Urlaub interessant. In Deutschland gab es mal eine Art ATM in Berlin, inzwischen aber nur noch in München (Update: nicht mehr aktiv), Bamberg und Bochum. In der Schweiz sieht es dagegen ganz gut aus, ebenso in den Niederlanden. Am dichtesten ist die „Bitcoin-ATM-Abdeckung“ in den USA. Dort findet man zumindest in den großen Städten einige Angebote.

BitcoinATM

Fazit

Nach all den Strapazen mit der Blockchain, dem Mining oder dem ersten Wallet ist es vergleichsweise einfach, Bitcoins zu kaufen und zu verkaufen. Zudem machen die vorgestellten Plattformen einen recht sicheren Eindruck. Ohnehin kann man ja seine neu erworbenen Bitcoins immer unkompliziert von den entsprechenden Plattformen auf sein eigenes Wallet transferieren.

Wer es anonym mag, der ist vermutlich bei einem persönlichen Kauf gegen Bargeld am besten aufgehoben. Die anderen Plattformen erfordern teilweise sehr viele persönliche Informationen. Bitcoin.de geht da für meinen Geschmack einen guten Mittelweg, der mir als Anfänger den schnellen Einstieg ermöglicht, ohne sich allzu aufwändig identifizieren zu müssen.

Trotzdem muss man sich für den Kauf seines ersten Bitcoins ein paar Tage Zeit nehmen. Das gilt nicht nur wegen der aufwändigen Registrierung, sondern auch, weil es auf fast allen Plattformen einige Tage dauert, bis man seine Bitcoins wirklich hat.

Das Bitcoin-Handbuch gibt es als E-Book für 3,49 Euro bei Amazon, im iBookstore oder DRM-frei bei XinXii. Zudem bieten wir es als Taschenbuch für nur 12,95 Euro an bei Amazon, im JMB-Verlag oder bestellbar in jeder Buchhandlung.


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Über den Autor

Felix

Internetabhängiger der ersten Generation, begeistert sich für Netzpolitik, Medien, Wirtschaft und für alles, was er sonst so findet. Außerdem ist er ein notorisches Spielkind und hält seine Freunde in der „echten Welt“ für unverzichtbar.

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