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Das Spam-Krokodil

Spam-Krokodil
geschrieben von Tobias Gillen

Das E-Mail-Postfach quillt mal wieder über vor ungelesen Mitteilungen, Newsletter und Spam? Das neugegründete Spam-Krokodil will dagegen nun etwas unternehmen und zumindest Spam künftig verhindern. Wie das funktioniert und wo es noch hakt, hat uns Gründer Benjamin Berndt verraten.

Es kann schon mal anstrengend sein, sein Postfach von sämtlichen Sonderrabatten, italienischen Möbelmanufakturen oder polnischem Viagra zu befreien. Möglichkeiten hat man ja nicht viele: Entweder man meldet sich ab – und bestätigt damit seine E-Mail-Adresse, was teils zu noch mehr Spam führt. Oder man löscht diese E-Mails immer und immer und immer wieder.

Dass das auf die Zeit gehen kann, hat Benjamin Berndt am eigenen Leib erfahren. Nach vierwöchigen Flitterwochen, in denen er nur sehr punktuell die wichtigen E-Mails beantwortet hat, sei er einen ganzen Tag damit beschäftigt gewesen, sein Postfach wieder aufzuräumen. „Als Geschäftsführer, der im Handelsregister steht, bekommt man jeden Tag so viele E-Mails, dass eine Lösung her musste“, sagt Berndt gegenüber BASIC thinking.

Anwälte kümmern sich

Die hat er dann auch gesucht, aber nicht gefunden. Also hat er das Problem selbst zu lösen versucht, sich mit Anwälten unterhalten und nach viel Hin und Her ein Modell gefunden, das funktionieren könnte: Das Spam-Krokodil, das immer dann zuschnappen soll, wenn Spam im Postfach landet, der dort eigentlich nicht hingehört. Also etwa dann, wenn E-Mail-Adressen aus irgendwelchen öffentlichen Verteilern eingekauft und verwendet wurden.

Die Regelungen seien hier in Deutschland ziemlich streng, sagt Berndt. Nur unternehmen noch sehr wenige Menschen etwas gegen Spam. Beim Spam-Krokodil kann man sich daher nun anmelden, den Anwälten eine Vollmacht übermitteln und dann die Spam-Mails einfach weiterleiten, um die sich die Anwälte dann kümmern.

Benjamin Berndt

Benjamin Berndt

Hinter dem Spam-Krokodil steht die 2beta Holding GmbH, eine Beteiligungsgesellschaft, der Benjamin Berndt vorsteht. Es komme neben wirklich schlechten Spam-Newslettern mit großen Grafiken aber auch vor, dass Menschen einfach vergessen haben, dass sie sich mal für eine E-Mail eingetragen haben. In dem Fall wird das Unternehmen von den Anwälten kontaktiert. Kann es eine Eintragung vorweisen, wird der Fall aufgegeben und der Spam-Manager kümmert sich um die Abmeldung des Kunden. Problematisch wird es zudem, wenn Spam aus dem Ausland kommt.

Werbung für das Projekt ist schwierig

Im Moment steht das Projekt noch am Anfang, Berndt kann „mehrere Anmeldungen pro Tag“ verzeichnen. Der nicht ganz so rasante Start könnte auch damit zusammenhängen, dass es schwer ist, für das Spam-Krokodil zu werben. So sei Berndt etwa bei einem großen Freemail-Anbieter abgeblitzt, der zwar das Produkt schätze, aber genau weiß, dass er sich damit ins eigene Knie schießt. Ebenso bei Zeitungen, die mit ihren großen PR- und Marketing-Abteilungen ebenfalls gerne mal halblegale Wege gehen.

Ob das Spam-Krokodil am Ende wirklich ernsthaft dazu beitragen kann, Spam zu vermindern, ist allerdings fraglich. Im Einzelfall mag es sicher helfen, aber bei dem enormen Auf- und Nachkommen von Spam-Anbietern dürfte es wohl kaum hinterherkommen. Trotzdem: Aus Problemen Lösungen zu machen, ist definitiv unterstützenswert.


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Über den Autor

Tobias Gillen

Tobias Gillen ist seit August 2014 Chefredakteur und seit Mai 2015 Geschäftsführer von BASIC thinking. Erreichen kann man ihn immer per E-Mail oder in den Netzwerken.

14 Kommentare

  • Hm, so nett die Idee ja jetzt klingt. Aber wenn ich in meinen Spamordner reinschaue, dann bezweifle ich einfach mal spontan für 50% – 90% der Mails, dass so ein Anbieter überhaupt etwas ausrichten könnte. Die wenigsten Mails dürften überhaupt aus Deutschland kommen und viele Absender sind sowieso gefälscht, würde ich schätzen.

    Klar, irgend eine Webseite wird ja normalerweise verlinkt, aber auch da ists dann entweder Phishing oder auch in anderen Fällen dennoch irgendwo weit weg im Ausland registriert. Denen kann man doch gar nicht habhaft werden!? Und bei den wenigen „ehrlichen deutschen Spammern“ konnte ich mich meist tatsächlich selbst abmelden. Da waren einfach auch absolute Altlasten dabei, wo man mal vor 10 Jahren an irgend einem Gewinnspiel oder einer Kostenlos-Aktion teilgenommen hat. Aber das sind eben die allerwenigsten.

    • Moin Michael,

      besten Dank für’s Feedback,

      Natürlich können wir nicht gegen jede Mail vorgehen. Aber gerade die Absender, die Ihre Identität verschleiern, kann man durch einen guten Spamfilter recht erfolgreich herausfiltern.

      In meinem GMX Postfach habe ich früher ca. 100 Spam Mails am Tag bekommen. 80 davon hat GMX herausgefiltert. Die meisten der übrigen 20 konnten wir identifizieren und mit dem Spam Krokodil verfolgen.

      Heute bekomme ich ca. 80 Spam Mails am Tag. Davon werden 99% als Spam erkannt.

      Mein Postfach ist also tatsächlich deutlich leerer geworden.

  • Durchaus eine sehr interessante Idee! Ich bin gespannt, wie es weiter geht und werde den Dienst auf jeden Fall ‚mal testen.

  • Hallo Ihr lieben,
    bin ich froh, dass es so etwas gibt.Wir haben einen Online-Shop und erhalten täglich über 30 Spammails sowie auch Bestellungen die nicht ausgefüllt wurden, dass ist echt nervig. Ab und zu landet unsere Seite auf Spamhaus, warum auch immer, aber das Spam Krokodil wird uns weiter helfen Danke!

  • Super Idee! Ein Projekt dass unbedingt unterstützt werden sollte. Ich selbst werde geplagt von Spam. Größenteils ist nicht mal klar wo dieser Spam überhaupt her kommt. Werde meine Spam E-Mail in Zukunft mal ans Krokodil schicken. Bin gespannt!

  • Es ist zwar sicher eine gute Idee .Ich habe schon viel gegen meinen Spam probiert (versch.Filter).
    Aber bevor ich mich hier anmelden würde,würde ich mich wohl zuerst hier anmelden: spamzugeld,
    dort würde ich wenigstens auch selber Geld vom Spammer bekommen.

    • Hallo Alexander,

      besten Dank für deinen Kommentar. Wir haben damals überlegt, einen Teil des Geldes an unsere Mitglieder auszuschütten. (Liegt ja irgendwie auch nahe…;)

      Wir haben uns aus zwei Gründen dagegen entschieden:
      1) Wir wollen etwas gegen Spam tun. Wir wollen keine Leute anziehen, die durch das Verklagen anderer Geld verdienen wollen.
      2) Wir haben erhebliche Zweifel daran, dass es legal ist, kostenlose Rechtsverfolgung mit Gewinnmöglichkeit anzubieten.

      Besten Gruß
      Benjamin

  • Ich denke es wäre auch eine gute Idee wenn man einen E-Mail Anbieter wählt wo von sich aus schon sehr viel gegen Spam macht wie rb-hosting. Habe ich gerade eben gefunden.

  • Hallo,
    also ich finde das auch für eine klasse Idee. Spamfilter hin oder her, es muss endlich mal was gegen die Firmen gemacht werden die andauernd uns zuspammen. Vielleicht wird dann auch mal ein Umdenken stattfinden. Ich werde es testen und meinen Kollegen weiterempfehlen.
    Vg, Daniel

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