Digitale Nomaden

Coworking für digitale Nomaden, Teil I: Die Geschichte des Coworking

Die Geschichte des Coworking
geschrieben von Marinela Potor

Marinela Potor ist digitale Nomadin. Kein fester Wohnsitz, immer unterwegs, Leben auf Reisen. Für viele ein Traum, für andere ein Graus. Im Tagebuch einer digitalen Nomadin berichtet Marinela wöchentlich auf BASIC thinking von ihren Reisen, was es mit dem Leben aus dem Rucksack auf sich hat und warum es sich lohnen kann, auch mal über den eigenen Tellerrand hinauszublicken. Diesmal: Die Geschichte des Coworking.

Hier ist Marinela aktuell: Medellín, Kolumbien

Hier ist Marinela aktuell: Medellín, Kolumbien

Liebes Tagebuch,

wer digitale Nomaden sagt, sagt im selben Atemzug oft auch Coworking. Diese beiden Begriffe scheinen heiß und innig miteinander verbunden zu sein. Doch Coworking ist auch ein bisschen zum Buzzword geworden. Ein Schlagwort, das jedes Großraumbüro gerne nutzen möchte, um modern und innovativ zu klingen. Dabei ist Coworking ist nicht nur ein Raum oder ein Ort, es ist eine Idee, ein Konzept, eine Philosophie und hat viel, aber nicht nur, mit digitalen Nomaden zu tun. Ich möchte mich deshalb dem Thema „Coworking“ etwas ausführlicher widmen und in einer Mini-Reihe verschiedene Aspekte des Coworking näher beleuchten. Den Einstieg macht dabei ein kleiner Rückblick auf die Geschichte des Coworking.

Co, ähm, co … was?

Ja, was genau ist eigentlich Coworking? Woher kommt der Begriff und was ist eigentlich die Geschichte des Coworking? Coworking ist ein englischer Begriff und steht für Zusammenarbeit, Kooperation und Kollaboration – und das, wie bei einem Überraschungsei – alles in Einem.

„Coworking ist eine Entwicklung im Bereich neue Arbeitsformen. Freiberufler, Kreative, kleinere Startups oder digitale Nomaden arbeiten dabei zugleich in meist größeren, offenen Räumen und können auf diese Weise voneinander profitieren. Sie können unabhängig voneinander agieren und in unterschiedlichen Firmen und Projekten aktiv sein, oder auch gemeinsam Projekte verwirklichen und Hilfe sowie neue Mitstreiter finden.“

Quelle: Wikipedia

Die Geschichte des Coworking: Das 17. Jahrhundert

Mal ganz platt formuliert: Wenn man eine Haufen kreativer Menschen zusammen an einen Ort packt, kommt was Spannendes dabei raus. Die folgende Kurzübersicht über die Geschichte des Coworking zeigt dabei die Entwicklung von der losen Idee der gemeinsamen Arbeit zu einer Philosophie. Ausführlicher gibt es die Geschichte des Coworking bei Deskmag und auf Tiki Toki.

1628: Am Anfang stand das Wort

Angeblich wurden die positiven Effekte von Coworking bereits im Jahr 1628 gepriesen – und zwar als die Kraft der Zusammenarbeit zwischen Gott und seinen Repräsentanten auf Erden.

1995: Und dann kam Berlin

Man könnte es verglichen mit der Gottesidee von Coworking-Hybris nennen oder auch einfach nur die Gründung der c-base in Berlin, einer Art Wohnzimmer für Hacker in Berlin, die selbst ein bisschen Gott spielen wollten. Auch wenn sich die c-base nicht offiziell als Coworking-Space bezeichnete, erfüllte sie alle Voraussetzungen: Innovative Menschen arbeiten gemeinsam an einem Ort und schaffen dabei eine neue Art von Gemeinschaftsgefühl.

2002: Die Mutter der Coworking-Spaces eröffnet in Wien

Die Schraubenfabrik nennt sich selbst die „Mutter der Coworking Spaces in Wien und sogar weit darüber hinaus.“ Als Stefan Leitner-Sidl und Michael Pöll die Schraubenfabrik im Jahr 2002 gründeten wollten sie einen Ort schaffen, wo sie Gleichgesinnte treffen konnten. Also andere Selbständige, die wie sie, voneinander lernen, miteinander spielen und gemeinsam arbeiten wollten. Einen Raum, wo man sich in Ruhe zurückziehen konnte aber nie alleine war.

2005: Der erste offizielle Coworking Space in San Francisco

Diesen haben wir einem frühen digitalen Nomaden zu verdanken, Brad Neuberg. Er war es irgendwann Leid als Selbständiger mit seinem Laptop von Café zu Café zu ziehen und beschloss daher einen Raum für andere Freiberufler zu gründen, die „Hat Factory“. Neuberg lud einfach seine Freberufler-Freunde in die ehemalige alte Hutfabrik ein, um von hier aus gemeinsam zu arbeiten – und auch um sich die himmelhochjauchzenden Büromieten in San Francisco zu teilen. Der erste Coworking Space war mehr als nur ein Erfolg. Von hier aus verbreitete sich das Konzept quer über die USA und von da aus weiter in die ganze Welt.

2005: Coworking Anfänge in Deutschland

Auch in Deutschland gründete sich im gleichen Jahr in Berlin das „Sankt Oberholz“, damals noch nicht offiziell als Coworking Space. Doch die Atmosphäre voller digitaler Nomaden, Freiberufler und Selbständiger an ihren Laptops ähnelte sehr stark dem, was wir heute unter einem Coworking Space verstehen.

2006: Coworking für alle

In diesem Jahr startet die Webseite Coworking Wiki, eine Anlaufstelle für alles rund ums Thema „Coworking“. Hier finden sich nicht nur zahlreiche Artikel und Blogbeiträge über Coworking, Infos zu Coworking Spaces weltweit, sondern auch wissenschaftliche Studien, die sich mit dem Thema befassen. Eine wahre Fundgrube für alle Coworker, Space-Besitzer und solche, die es noch werden wollen.

2009: Das betahaus in Berlin macht Coworking in Deutschland berühmt

In diesem Jahr entseht Deutschlands erster offizieller Coworking Space, das betahaus in Berlin. Und zieht damit eine riesige Aufmerksamkeit in den Medien auf sich. Coworking wird zum Inbegriff der neuen, coolen digitalen Generation. Aus den ersten Räumen formt sich so langsam eine Einstellung.

2010: Die erste europäische Coworking Konferenz

In Brüssel findet in diesem Jahr die erste Coworking Konferenz in Europa statt. Die Konferenz verfolgt zwei Ziele: Erstens sollen Coworker, Space-Betreiber und Neugierige hier zusammen finden und zweitens wollen die Veranstalter mehr Aufmerksamkeit für diese neue Art der Zusammenarbeit schaffen.

2010: Das Coworking Magazin Deskmag wird ins Leben gerufen

In Berlin wird das Coworking Magazin Deskmag gegründet. Deskmag schreibt seitdem über Coworking, die Bewegung dahinter, teilt Geschichten und vor allem viel Wissen über Coworking auf deutsch, englisch, spanisch, französisch und sogar auf thailändisch.

2011 bis 2014: Die Wissenschaft entdeckt das Thema Coworking für sich

In diesem Zeitraum entstehen viele neue Studien zum Coworking, wie etwa die Analyse „Faszination Coworking“ des Fraunhofer Instituts, eine psychologische Untersuchung der Universität Wien oder die Studie von Jana Koschel „Smells like Teamspirit: Ethnologische Einblicke in die Kultur eines Coworking Space”, um nur einige wenige zu nennen. Und das Thema ist wissenschaftlich noch lange nicht ausgeschöpft. Jährlich erscheinen neue Untersuchungen, die sich mit Coworking beschäftigen.

2015: Coworking ist die neue, trendige Form der Arbeit

Die Idee geht auf. Coworking wird als Arbeitsform immer beliebter. Aktuell gibt es weltweit geschätzte 7.800 Coworking-Spaces, mindestens 200 davon stehen in Deutschland. Tendenz: steigend.

2015: Deutschland und Schweiz gründen die German Coworking Federation und Coworking Switzerland

Engagierte Coworker in der Schweiz sowie in Deutschland beschließen, Dachverbände für Coworker und Space-Betreiber zu gründen, um die Gemeinschaft von Coworkern besser vernetzen und vertreten zu können.

2016 bis ?: Die Reise beginnt erst

Coworking ist eine neue spannende Entwicklung, nicht nur für digitale Nomaden, Freelancer, Kreative und Selbständige, sondern auch für Unternehmen, Kommunen und die Arbeitskultur. Coworking, so wie wir es heute kennen, ist erst der Anfang einer neuen bunten Arbeitswelt.

Nach diesem kleinen Überblick über die Geschichte des Coworking, spreche ich nächste Woche mit einem der Mitgründer der German Coworking Federation. Christian Cordes erzählt uns dann mehr über die Coworking-Szene in Deutschland, warum ein Coworking-Verein nicht spießig ist und warum er Deutschlands erster und einziger hauptamtlicher Coworker ist.

So viel zur Geschichte des Coworking. Wir lesen uns nächstes Jahr wieder – aus irgendeinem Winkel dieser Welt!

Eure Marinela

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor hat als klassische Radiojournalistin angefangen, und ist dann unklassisch (und nicht ganz freiwillig) zur digitalen Nomadin geworden. Seit 3 Jahren reist sie um die Welt und schreibt zu politischen, sozialen und digitalen Themen.

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