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Partnerbörsen für digitale Nomaden: Wie man als Weltreisender die große Liebe findet

Partnerbörsen
geschrieben von Marinela Potor

Marinela Potor ist digitale Nomadin. Kein fester Wohnsitz, immer unterwegs, Leben auf Reisen. Für viele ein Traum, für andere ein Graus. Im Tagebuch einer digitalen Nomadin berichtet Marinela wöchentlich auf BASIC thinking von ihren Reisen, was es mit dem Leben aus dem Rucksack auf sich hat und warum es sich lohnen kann, auch mal über den eigenen Tellerrand hinauszublicken. Diesmal geht es um digitale Nomaden und Patnerbörsen. 

Liebes Tagebuch,

digitale Nomaden sind Freigeister, Individualisten und extrem unabhängig. Auch wenn das natürlich noch lange nicht heißt, dass alle digitalen Nomaden auch Singles sind. Ich reise beispielsweise auch schon seit über drei Jahren gemeinsam mit meinem Freund und könnte mir mein Nomadenleben ohne ihn an meiner Seite gar nicht mehr vorstellen.
Dennoch macht es uns unsere wechselhafte Lebensweise nicht besonders leicht, als digitale Nomaden einen passenden Partner zu finden. Es gibt natürlich immer die Möglichkeit über spezielle Netzwerke für digitale Nomaden Gleichgesinnte zu treffen, doch ist das selbstverständlich nicht ausschließlich zur Partnersuche gedacht und von einigen unter Umständen auch gar nicht gewollt.

Was tun also digitale Nomaden, die ernsthaft auf der Suche nach einem romantischen Weggefährten sind? Sie nutzen Partnerbörsen. Ein digitaler Nomade, der so seine Traumfrau gefunden hat, ist Florian Blümm. Er selbst ist seit dreieinhalb Jahren als digitaler Nomade unterwegs und hat seine Freundin Michela vor drei Jahren über die Online-Partnervermittlung OKCupid kennengelernt. Seitdem sind die beiden ein untrennbares digitales Nomadenteam. Ich habe mit Florian über digitale Nomadenbeziehungen und seine Erfahrungen mit Partnerbörsen gesprochen.

Warum warst du überhaupt auf Partnerbörsen unterwegs?

Mein Ziel war es, eine Lebensabschnitts-Partnerin zu finden und das heißt für mich auch eine nomadische Partnerin. Ich bin vor mehr als dreieinhalb Jahren ins digitale Nomadentum gestartet und bin sozusagen Nomaden-Opa. Seitdem hat sich viel getan und heute gibt es viele andere Möglichkeiten Nomaden und mögliche Partner kennenzulernen.

Was hat dir am Single-Reisen nicht gefallen?

Das Single-Reisen hat Vor- und Nachteile. Ich würde jedem Menschen zumindest einmal im Leben zu einer Single-Reise raten und eine Single-Reise ist Hundert mal besser als gar nicht zu reisen. Allein Reisen heißt auch keineswegs einsam reisen, man findet sehr leicht Kontakt. Aber nach einigen Monaten werden immer wechselnde Bekanntschaften fad und es fehlt einfach jemand, mit dem man die tollen Erfahrungen teilen kann. Ich habe darüber auch einen Artikel geschrieben mit der Behauptung: Alleinreisen ist ok aber nur geteiltes Glück ist wahres Glück.

Du hast Partnerbörsen unter anderem auch genutzt, weil es dir hier leichter war, Gleichgesinnte zu treffen als z.B. in der Hostelbar. Kannst du das etwas näher erläutern

Ich habe viele nette Menschen und auch ein halbes Dutzend mehrmonatige Reisepartner in der Hostelbar kennengelernt. Aber es hat halt enorm mit Glück zu tun und ich überlasse so etwas nur ungern dem Zufall. Eine Hostelbar ist nicht der schlechteste Filter und man kann dort mit höherer Wahrscheinlichkeit interessante Menschen kennenlernen, als daheim in der Eckkneipe. Aber nur weil jemand dort abhängt, heißt das nicht, dass ihr gemeinsame Interessen habt und es ist völlig unmöglich ohne große Zeitinvestition etwas über gemeinsame Ziele oder Ähnliches zu sagen. Online lässt sich da im Vorfeld weitaus besser und effektiver filtern.

Du hast deine Freundin schließlich über OKCupid kennengelernt. Hast du darüber hinaus noch andere Plattformen genutzt?

Ich habe das nicht so strikt getrennt in Plattformen zur Partnersuche und zum Leute kennenlernen. Ist ja letztendlich erstmal das gleiche Prinzip: Ich verbringe meine Zeit lieber mit Leuten, die gemeinsame Interessen teilen. Das heißt OKCupid war meine einzige Partnerbörse, aber ich habe auch viele Menschen durch Couchsurfing, Meetup und das Lonely Planet Forum kennengelernt und natürlich auch interessante Frauen. OKCupid hat für mich sehr gut gepasst, weil freiheitsliebende Menschen sich anscheinend von dieser Partnerbörse angezogen fühlen. Also auch nochmal ein guter Filter. Mittlerweile gibt es ja auch Apps, wie z.B. Tinder. Das gab es vor drei Jahren noch nicht. Ehrlich gesagt finde ich das Prinzip von Tinder nicht so gelungen, das geht ja eher wieder Richtung Hostelbar, ohne nützliche Filter.

Wo warst du und wo war Michela als ihr euch im Netz kennen gelernt habt? Wie habt ihr euch persönlich getroffen?

Bei unserer allerersten Nachricht, war ich daheim in Deutschland und sie daheim in den USA. Wenige Tage später ging dann aber mein Flug nach Quito, Ecuador und ihr Flug nach Puerto Varas, Südchile. Sie hatte dort eine Anstellung als Englisch-Lehrerin und so hat es ganze drei Monate gedauert, bis ich mich endlich an der Pazifik-Küste vom Äquator bis nach Patagonien vorgearbeitet hatte. Wenn man sich nach drei Monaten Online-Bekanntschaft immer noch etwas zu sagen hat, ist das ein gutes Zeichen. Trotzdem ist es komisch, sich dann persönlich zu treffen. Wir haben uns im Parque Quinta Normal in Santiago de Chile getroffen und sind dort ganz bescheuert Schwanenboot gefahren. Michela hat mich dann eine Woche später zur Maya Weltuntergangsfeier nach Puerto Varas eingeladen und seitdem sind wir zusammen.

Florian BlümmIst Michela auch aus Deutschland?

Michela kommt aus den USA, aus Albuquerque, New Mexico. Wer Breaking Bad gesehen hat, kann sich Albuquerque gut vorstellen.

Hast du in deiner Suche das Herkunftsland deiner Partnerin angegeben? War es dir wichtig, woher sie kommt?

Das spielte für mich keine Rolle. Meine besten Kumpel sind jeweils mit einer Kolumbianerin und mit einer Mongolin zusammen und im Bekanntenkreis gibt es viele weitere internationale Partnerschaften. Michela hatte als Englisch-Lehrerin lustigerweise ein paar Vorbehalte gegenüber nicht Native-Speakern, aber die hat sie recht schnell verworfen. Obwohl ich also nicht nach Herkunftsland filtern würde, spielt der kulturelle Hintergrund schon eine große Rolle. Zum Beispiel sind Frauen in Asien generell nicht besonders emanzipiert. Das gefällt mir persönlich gar nicht.

Als Expat oder bei einem längeren Aufenthalt an einem Ort, kann ich es mir gut vorstellen, andere Singles kennen zu lernen. Wie ist es aber für digitale Nomaden, die z.B. alle drei Monate den Ort wechseln? Haben sie eine Chance, einen gleichgesinnten Partner zu finden?

Es ist auf jeden Fall viel schwerer für digitale Nomaden, eine langfristige Beziehung zu finden. Wenn Du jemanden kennenlernst der ortsgebunden ist, dann macht Dich das auch ortsgebunden, egal wie ortsunabhängig Dein Einkommen auch sein mag. Wenn Du das digitale Nomadentum nicht aufgeben willst und trotzdem eine dauerhafte Beziehung haben willst, musst Du also andere digitale Nomaden kennenlernen. Bei meinem Start ins Nomadentum vor 3,5 Jahren, war das noch eine absolute Randerscheinung. Je mehr digitale Nomaden es gibt, desto einfacher sollte es sein, Gleichgesinnte kennenzulernen. Mittlerweile gibt es sogar einige neue Partnerbörsen, speziell für digitale Nomaden, wie zum Beispiel Ninder (oder auch Nomad Soulmates, Anm. d. Red).

Auch viele Foren, Facebook-Gruppen und andere virtuelle Treffpunkte für digitale Nomaden, gibt es heute. Ganz zu schweigen von den immer besseren Möglichkeiten digitale Nomaden auch von Angesicht zu Angesicht kennenzulernen, zum Beispiel bei der Nomad Cruise, bei Konferenzen oder in Hotspots wie Chiang Mai. Ich kann mir gut vorstellen, dass so etwas heute eine bessere Möglichkeit ist um Gleichgesinnte und eventuelle Partner kennenzulernen.

Was sind deine Favoriten unter den Partnerbörsen und warum? Welche hast du selbst genutzt?

Meine Liste von Webseiten entstand durch Recherche und wurde durch Leserkommentare ergänzt. Mit meinem Reiseblog, richte ich mich aber an Reisende und nur bedingt an digitale Nomaden. Ich habe selbst nur OKCupid genutzt, aber das muss ja nicht für jeden passen. OKCupid hat sich angeblich nicht unbedingt zum Besseren gewandelt in den vergangenen drei Jahren.

Gibt es etwas, dass dich an Partnerbörsen stört?

Als Programmierer finde ich, dass da algorithmisch noch lange nicht alles ausgereizt ist. OKCupid hat einen netten Matching-Algorithmus, aber viele andere Partnerbörsen setzen v.a. auf Fotos und nichtssagende Profile. Der große Vorteile von Partnerbörsen ist für mich, dass man von Anfang an über Oberflächlichkeiten hinaus gehen kann. Natürlich sollte die Partnerbörse diesen Vorteil nutzen. Tinder ist ein Schritt in die falsche Richtung. Andererseits musste auch OKCupid feststellen, dass Liebe nicht blind ist. Übrigens: Alle Artikel auf dem OKTrends Blog sind auch heute noch extrem lesenswert und waren damals wegweisend für den Datenjournalismus (und sehr lustig).

Was rätst du digitalen Nomaden, die Singles sind und einen Partner suchen? Worauf muss man achten? Gibt es Bedenken / Probleme bei der Partnersuche über Partnerbörsen im Netz?

Wer etwas Langfristiges sucht, sollte sich auf jeden Fall freiheitsliebende Menschen mit gleichen Zielen im Leben suchen und möglichst früh sondieren, ob sich der Partner ein nomadisches Leben vorstellen kann. „2 Kinder, Ehe, Eigenheim“ als Lebensziel, ist kein guter Fit. Auch Reisende sind kein guter Fit. Da sind die Zeithorizonte zu unterschiedlich und Du kannst als digitaler Nomade  nicht die ganze Zeit Sehenswürdigkeiten anschauen und willst das wahrscheinlich auch gar nicht. Am einfachsten ist es natürlich, wenn man sich auf Menschen beschränkt, die bereits digitale Nomaden sind. Es heißt zwar, dass alle digitalen Nomaden irgendwann sesshaft werden, aber Du suchst ja einen Partner für jetzt und nicht für in fünf bis 10 Jahren.

Wie siehst du das für eine Beziehung, wenn nicht beide Partner digitale Nomaden sind? Kann das klappen?

Klappen kann das in der Konstellation nicht. Entweder der nichtnomadische Partner wird nomadisch oder der nomadische Partner wird sesshaft. Ich kann mir keine Beziehung vorstellen, die Jahr für Jahr etliche Monate Fernbeziehung überlebt. Geschäftsreisende, Soldaten oder Matrosen können das zwar, aber die haben oft keine andere Wahl. Für uns digitale Nomaden ist es viel einfacher sesshaft zu werden und wer dann das Nomadentum vorzieht, darf sich nicht wundern, wenn die Prioritäten in Frage gestellt werden. Ich kann mir auch keine Konstellation vorstellen, wie das mit Beziehung in der Homebase und mehrmonatigen „Teilzeitnomaden“-Stunts funktionieren würde. Aber vielleicht bin ich da auch zu pessimistisch und schließe zu sehr von mir auf andere.

Bei dir ist ja genau das Gegenteil der Fall. Du bist mit deiner Freundin permanent zusammen. Wie meistert ihr das, dass ihr fast 24/7 aufeinander hockt? Welche Tipps gibtst du hier anderen digitalen Nomaden, die gemeinsam reisen?

Wir sind zwar fast 24/7 im gleichen Zimmer oder in Sichtweite voneinander, aber wir ignorieren uns jeden Tag für viele Stunden, zum Beispiel jetzt gerade. Um so wichtiger ist uns dann der regelmäßige Austausch, v.a. beim Essen, inkl. Kaffeeklatsch und gemeinsames Abendprogramm. Das funktioniert bei uns sehr gut, weil wir beide introvertiert sind und einen Großteil des Tages mit unseren jeweiligen Projekten verbringen, wenn wir nicht gerade die Gegend erkunden oder im Reise-Modus sind.

Vielen Dank Florian für das offene Gespräch!

Wie seht ihr das? Können digitale Nomaden tatsächlich nur mit anderen digitalen Nomaden eine Beziehung führen? Wie habt ihr als digitale Nomaden euren Partner kennengelernt? Was sind eure Erfahrungen mit Partnerbörsen? Ich freue mich schon auf eure Kommentare.

Dann bis nächste Woche – aus irgendeinem Winkel dieser Welt,

Eure Marinela

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor hat als klassische Radiojournalistin angefangen, und ist dann unklassisch (und nicht ganz freiwillig) zur digitalen Nomadin geworden. Seit 3 Jahren reist sie um die Welt und schreibt zu politischen, sozialen und digitalen Themen.

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