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Bald läuft die Deadline ab: Drei Gründe, die für ein rasches Windows-10-Upgrade sprechen [Update]

Windows 10 Upgrade
geschrieben von Markus Werner

Nur noch 10 Tage, dann endet Microsofts Angebot, kostenlos von Windows 7 oder 8.1 kostenlos auf Windows 10 zu upgraden. Danach ist ein Wechsel kostenpflichtig. Auch wenn Microsoft mit seinen Upgrade-Methoden und den unterstellten Datenschutzproblemen in der Kritik steht, gibt es drei Gründe, die für ein rasches Upgrade sprechen.

In 10 Tagen endet Microsofts Angebot, den eigenen PC oder das eigene Laptop von Windows 7 oder 8.1 kostenlos auf Windows 10 zu aktualisieren. Bis zum 29. Juli hat also noch jeder die Chance, der das Upgrade bislang ausgelassen hat, ohne Zusatzkosten zur aktuellen Windows-Version zu wechseln. Danach wird das Upgrade nur noch kostenpflichtig möglich sein.

Windows 10 musste seit seinem Marktstart vor knapp einem Jahr immer wieder Kritik einstecken. Entweder stand die krude Upgrade-Politik von Microsoft im Visier oder es war der liebe Datenschutz. Trotzdem sprechen drei Gründe für das Windows-10-Upgrade bis zum 29. Juli.

1. Wer rechtzeitig aktualisiert, spart ordentlich Geld

Microsoft war so großzügig, uns das Windows-10-Upgrade für ein ganzes Jahr kostenlos anzubieten. Eine mögliche Verlängerung hat Microsoft bis dato weder in Aussicht gestellt, noch bestätigt. Es ist auch eher unwahrscheinlich. Nach Ablauf der Frist, wird Windows 10 entweder 135 Euro (Home) oder 279 Euro (Pro) kosten. Das ist schon einiges an Geld, was ihr euch sparen könnt. Zwischen dem kostenlosen Upgrade und der gekauften Versionen besteht technisch gesehen keinerlei Unterschied.

Mir ist bewusst, dass Microsoft mit seinen perfiden Upgrade-Methoden zahlreiche Windows 7 und 8.1-Nutzer vergrault haben dürfte. Das war definitiv nicht die feine englische Art, keine Frage. Und trotzdem solltet ihr euch davon unbeeindruckt zeigen. Denn an dieser Stelle geht es nicht um persönliche Befindlichkeiten, sondern darum, dass ihr ein aktuelles und dem Zeitgeist entsprechendes Betriebssystem bekommt. Die Hersteller liefern neuen Geräte bereits mit Windows 10 aus, sodass daran in der Zukunft keiner mehr vorbeikommt.

2. Windows 10 ist ein aktuelles Betriebssystem

Microsoft hat für Windows 10 seinen Release-Zyklus umgestellt. Neue Funktionen werden dann veröffentlicht, wenn sie fertig sind. So muss man als Anwender keine vier Jahre oder länger auf neue Features warten. Im Insider-Programm lässt Microsoft zunächst neue Funktionen testen und überführt diese dann später in den stabilen Entwicklungszweig von Windows 10. Neben dem veränderten Release-Zyklus bringt Windows 10 von vornherein auch zahlreiche neue Features mit.

Dazu gehört zum Beispiel die Sprachassistentin Cortana, der neue Edge-Webbrowser oder virtuelle Desktops. Die Oberfläche hat eine Frischzellkur erhalten und vereint quasi das Beste aus zwei Betriebssystemen: Windows 7 + Windows 8.1. Doch nicht alles ist schick, so fehlt Windows 10 die Funktionen DVDs von Haus aus wiederzugeben. Wer das Windows Media Center installiert hat, bekommt die App Windows DVD-Player kostenlos angeboten, ansonsten ist sie für stolze 14,89 Euro im Windows Store erhältlich. Ob das noch so ist, kann leider nicht bestätigen.

Alternativ könnt ihr den VLC Player oder den Media Player Classic verwenden. Beide spielen eure DVDs genauso problemlos ab und kosten keinen Cent. Das standardmäßige Fehlen dieser Funktionen ist aber ein verkraftbares Manko.

3. Supportende für ältere Windows-Versionen

Das ist in meinen Augen der wichtigste Punkt. Für Windows 7 endete der Mainstream-Support bereist am 13. Januar 2015. Bedeutet: Windows 7 erhält keine Bugfixes oder Erweiterungen mehr. Immerhin gibt’s bis zum 14. Januar 2020 noch Sicherheitsupdates. Windows 8.1 Nutzer können bis 9. Januar 2018 mit Fehlerkorrekturen rechnen, aber wohl eher weniger mit neuen Funktionen. Sicherheitsupdates erhält das Betriebssystem bis 10. Januar 2023.

Auch wenn beide Systeme nach wie vor mit sicherheitsrelevanten Updates versorgt werden, sterben sie eines Tages den gleichen Tod, wie Windows XP. Windows 8 wird schon längst nicht mehr gepflegt, sodass an einem Windows 8.1 Upgrade kein Weg vorbeiführt. Spätestens 2020 oder 2023 müssen sich Windows 7 und 8.1-Nutzer mit Windows 10 oder seinem Nachfolger anfreunden, ansonsten stellen ihre Systeme ein potenzielles Sicherheitsrisiko dar.

Mal davon abgesehen, dass diese Menschen dem aktuellen technischen Fortschritt dann meilenweit hinterherhinken werden. Folglich macht es wirklich wenig Sinn, sich so gegen Windows 10 zu stellen. Microsoft bietet das Upgrade schon kostenlos an, sodass auf den Konsumenten keine Kosten zukommen. Er muss einfach nur upgraden.

Lasst uns nochmal kurz über den Datenschutz reden

Im vergangenen Jahr habe ich dazu bereits auf BASIC thinking ein paar Worte geschrieben. Daran hat sich auch nichts geändert. Ich möchte nur noch ein paar Dinge anfügen. Microsoft testet neue Funktionen in seinem Insider Programm, an dem jeder teilnehmen kann. Der Nutzer bekommt quasi ein Gratis-Windows, dafür werden aber auch bedingungslos alle gesammelten Daten an Microsoft übertragen. Das geht bis hin zu Tastatureingaben. Diese Daten sammelt Microsoft ausschließlich zur Produktverbesserung. Die Insider Builds sollte keiner als Produktivsystem betreiben. Dafür sind diese Versionen nicht gedacht.

In den stabilen Versionen von Windows 10 wird nicht so radikal gesammelt. Im Vergleich zu früheren Windows-Versionen sendet Windows 10 zwar immer noch mehr Daten, erlaubt dem Anwender aber deutlich besser einzugreifen. In den Einstellungen lässt sich ein Großteil abschalten – allerdings nicht alles. Es existieren jedoch einige Drittanbieter-Tools, um den „Datenhunger“ weiter zu zügeln. Aber Vorsicht: Einige dieser Tools verwenden OpenCandy o.ä., um bei der Installation weitere Programme miitzuinstallieren. Da solltet ihr ganz genau hinschauen.

Update (01.08.2016): Microsoft erlaubt auch weiterhin ein kostenloses Windows 10-Upgrade von Windows 7 & 8.1. Allerdings nur für gehandicapte Menschen, die auf unterstützende Technologien (Assistive Technologies) angewiesen sind, wie das Portal Ghacks.com berichtet. Für alle anderen Nutzer endete die Deadline für das Gratis-Upgrade regulär am vergangenen Freitag, 29.07.2016.

Laut Heise-Informationen soll es derzeit auch die Möglichkeit geben, mittels einer Neuinstalltion und dem passenden Windows 10-Image (richtige Edition + November-Update 2015 enthalten) von Windows 7 & 8.1 zu upgraden. Microsoft bietet selbst passende ISO-Abbilder über das Media Creation Tool zum Download an.


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Über den Autor

Markus Werner

Markus Werner (reraiseace) ist angehender Journalist und Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg. Er schreibt regelmäßig für SCREENGUIDE, BASIC thinking und seinen eigenen Blog reraise.eu über Android, IT Security, Netzpolitik und Webdesign.

23 Kommentare

  • @markus: ich würde dir raten anzuschauen, wass windows 7, windows 8 und windows 8.1 an daten gesendet hat, bevor ich mich zu aussagen hinreisen lasse, dass da mehr daten gesendet werden.

    man könnte auch mal ein vergleich machen was andere betriebssysteme so hin und her senden.

    • Natürlich werden bei Windows 10 mehr Daten an Microsoft übertragen. Denk alleine mal nur an Cortana. Windows 7, 8 und 8.1 kennen Microsofts-Sprachassistenten noch gar nicht. Windows 10 setzt auch deutlich mehr auf die Cloud, was ebenso dazu führt, dass mehr Daten erfasst werden.

  • Obwohl ich, nach wie vor, die Windows-Rechner in meinem Umfeld administriere, habe ich Windows bereits vor über 12 Jahren den Rücken gekehrt.
    Jedes mal wenn ich an einem Windows-Rechner sitzen muss, bestätigt sich meine Entscheidung.

    Mir fehlt bei vielen Artikeln zum Thema Windows 10-Upgrade der Hinweis auf GNU/Linux, als Alternative.
    Dabei ist eine einsteigerfreundliche Distribution, wie Ubuntu, oder Linux Mint, oft die bessere Alternative für “Normaluser“, die den Rechner für Web, private Office-Anwendung, oder Medienkonsum nutzen und nicht auf spezifische Software, wie z.B. Photoshop angewiesen sind.
    Besserer Datenschutz, Sicherheit, Stabilität und Performance sind die Belohnung für den Umstieg.
    Zudem schafft freie Software Vertrauen, ganz im Gegenteil zu proprietärer Software aus dem Nummer-Eins-Land der rücksichtslosen Massenüberwachung.

    Somit ist die Nutzung freier Software auch ein politisches Statement all jener, die diesbezüglich noch nicht stumpf und gleichgültig sind.

  • Die praktische Erfahrung zeigt jedoch ganz anderes: ein nicht unerheblicher Anteil der Upgrades auf Windows 10 klappt nicht und danach treten die verschiedensten Fehler auf. Eine Neuinstallation ist dann u.U. unausweichlich, wo wir zum nächsten Problem kommen: viele Hersteller bieten nur für die aktuellsten Geräte passende Windows 10-Treiber an.

    Schlussendlich: Never change a running system. Wenn ich die Windows 10 Funktionen nicht brauche, bringt es mir nichts wenn das Upgrade zwar kostenlos ist, aber ich danach meinem PC zum PC-Shop bringen muss, weil das Update fehlgeschlagen ist. Ggf. viel teuerer.
    Windows 7 bekommt bis 2020 Updates. Kaufe ich mir heute einen Rechner mit Windows 7 kann ich ihn bis dahin problemlos verwenden. In 4 Jahren ist die durchschnittliche Lebensdauer des PCs sowieso erreicht und ich kaufe einen neuen mit Windows 10 bereits installiert und vollständig unterstützt.

    • Ich habe schon zahlreiche Systeme auf Windows 10 aktualisiert und dabei nur selten Probleme gehabt. Wenn es mal Schwierigkeiten gab, dann nur sehr wenige und zumeist beim Download des Upgrades. Da gibt es aber genügend Lösungen, damit das problemloser klappt.

      Auch Treiberprobleme sind eher seltener. Heute muss nicht mehr jeder Treiber Windows 10 Ready sein. Da reichen oft auch die für Windows 7 oder 8. Natürlich wäre es schöner, wenn die Hersteller ihre Treiber aktueller halten würden, um eventuell auftrenden Fehler zu beseitigen.

  • Solange ich bei Windows 10 keine Kontrolle über mein System habe hat dieses Betriebssystem bei mir keine Chance:

    Ich möchte selber entscheiden *wann* ich *welche* Updates installiere.

    Es kann nicht sein, dass man am Abend sein Notebook herunterfährt und am nächsten Morgen beim Kunden, in der Uni etc. wo man einen Vortrag halten soll das System plötzlich nicht mehr funktioniert weil irgendein Update fehlerhaft ist.

    Nein, da entscheide ich lieber selber. Nur ich kann wissen, ob ich Morgen einen wichtigen Termin habe und auf das Gerät angewiesen bin oder nicht.

    Dieser Kontrollverlust geht gar nicht.

    Von anderen Dingen einmal abgesehen:
    Auf dem Gerät meiner Frau haben wir alle Apps die deinstallierbar waren soweit deinstalliert (ich spreche von diesen „ModernUI“-Anwendungen). Trotzdem installieren sich diese Anwendung regelmäßig wie von geisterhand neu. Nein, solange das mein System ist will ich die Kontrolle haben.

    So steht dann vermutlich bald der Umstieg auf Apple an. Schade.

  • Tja, leider werden auch hier nur recht schwache Gründe für Win 10 genannt. Da ist klar ersichtlich, warum Microsoft in den letzten Monaten so sehr betteln musste, das ach so tolle Upgrade durchführen zu dürfen und sich dabei auch für unsaubere Methoden nicht zu schade war (Dauer-Popups, Fullscreen-Anzeigen, missverständlich bedienbare Schaltflächen …). Aber nun zu diesem Beitrag:

    1. Wer rechtzeitig aktualisiert, spart ordentlich Geld
    => … so er denn überhaupt irgendeinen Anlass gehabt hätte, dieses Geld auszugeben. Wenn mir jemand eine Packung Zigaretten schenkt, rauche ich sie dann, auch wenn ich dann bares Geld gespart habe? Wohl kaum.

    2. Windows 10 ist ein aktuelles Betriebssystem
    => So wie Windows 7. Und einen DVD-Player als Beispiel für die Modernität von Win 10 aufzuführen … Die Pointe ist klar?

    3. Supportende für ältere Windows-Versionen
    => Kennen wir ja von XP. Die Masse der User bestimmt, was unterstützt wird. Und gegebenenfalls bedeutet das zusätzliche Jahre der Produktpflege. Wobei auch vier Jahre bis zum „offiziellen“ Ende für Win 7 eine Menge Holz sind. Da würde ich mir eher um die Hard-, als um die Software sorgen machen … Und wenn Ottonormaluser sich dann ohnehin einen neuen Komplettrechner/-laptop kauft, ist *tada* das neueste Betriebssystem schon an Bord.

    Also alles in allem kein überzeugendes Plädoyer für Win 10.

    • Ob nun starke oder schwache Gründe, das liegt im Sinne des Betrachters.

      Windows 10 ist in meinen Augen ein solides Betriebssystem. Ich nutze es seit fast einem Jahr auf all meinen Systemen und habe keine Probleme damit.

      Zu 1. Wenn du rauchst, dann schon. Wenn nicht, wäre das so, als würdest du einem Apple-Fanboy Windows andrehen wollen 😉

      Zu 2. Die Pointe musst du mir mal bitte noch erklären. Ich habe den DVD-Player nicht als Neuheit aufgeführt, sondern Cortana und die bessere Verzahnung von cloudbasierenden Services.

      Zu 3. Mag stimmen, trotzdem kommt er um Windows 10 oder dessen Nachfolger dann nicht drum herum. Also kann er genauso gut auch jetzt Upgraden.

      Also alles in allem keine überzeugende Kritik an Win 10.

      • Zu 2: Der DVD-Player wird eben prominent unter dem Überpunkt „modern“ aufgeführt – dabei darf in Zeiten von Streaming und 4K bereits die Bluray als veraltet gelten. Und wie du ja erwähnt hast: Es gibt ohnehin eine Reihe toller kostenloser Programme, die diese Funktionalität bieten. Kein Killer-Argument für Win 10.

        Zu 3: Ja, aber eben in 4 Jahren. Never Change A Running System. Irgendwann werde auch ich ein neues Windows installieren/haben. Aber _die_ Gründen für einen „raschen“ Wechsel sehe ich nicht.

        Microsoft bietet das kostenlose Update nicht aus reiner Nächstenliebe an. Es geht um Fehler in der Vergangenheit, es geht um Marktanteile von Win10 (insbesondere unter der Win-Reihe selbst). Vor allem natürlich auf der Enterprise-Schiene … Jedem Tierchen sein Pläsierchen: Wer mit dem geschenkten Gaul zufrieden ist, der darf as natürlich gerne weiterhin sein. 🙂

        • Zu 2.: Okay, wobei es noch genügend Menschen gibt, die immer noch DVDs ihr Eigen nennen. Den Player rauszuwerfen finde ich von Microsoft im Grunde nur konsequent und zeitgemäß. Wer die Software braucht, kann sie ja nachinstallieren.

          Zu 3.: Mein voriger Computer hatte 6 Jahre auf dem Buckel. Direkt veraltet war er nicht, aber ich wollte weg von AMD und lieber Intel verwenden. Vor allem im Hinblick auf Virtualisierung. Aber im Grunde würde auf dem „angestaubten“ Teil genauso flüssig Windows 7+ laufen. Kein Thema. Aber es ist jedem selbst überlassen, was er macht. Ich persönlich würde jedem zum Upgrade raten. Bei aller Kritik, ist diese meist haltlos oder es gibt Lösungen dafür.

          Wenn Microsoft hier was gut macht, dann vor allem im Consumer- und eventuell noch im KMU-Bereich, die Windows Pro irgendwas einsetzen. Die Enterprise-Kunden werden trotzdem zur Kasse gebeten. Da gibt’s also keine finanziellen Vorteile.

  • Ich selbst habe nie Probleme bei Updates von Windows 10 gehabt und meiner Meinung nach ist es insgesamt ein sehr zuverlässiges Betriebssystem. Verstehe die permanente Kritik an Win 10 nicht wirklich. Besser als iOS ist es definitiv, aber das liegt wie immer im Auge des Betrachters 😉

  • Ich sehe jeden Tag diesen „bald ist das super Angebot vorbei“ Zähler. Wäre das mein privater Rechner, dann würde ich wohl schon updaten und umsteigen. Aber nachdem ich keine Ahnung habe, ob meine alte wawi auf win 10 läuft, habe ich beschlossen, die Finger davon zu lassen. Der PC ist eh 4 Jahre alt, die super wichtigen Programme liegen nicht mehr drauf sondern auf einem neuen System ( ja mit win10 )
    Privat bin ich eh ein Apfel und auch da upgrademuffel aus Zeitmangel.

    Solange die Sicherheitsupdates noch kommen, lass ich alles beim alten. Und irgendwann wird eben der ganze PC ausgewechselt.
    Im übrigen finde ich es doof ein Upgrade nur eine begrenzte Zeit kostenfrei anzubieten. Das setzt unter Druck, nervt mich und erntet bei mir meist eine Anti-Reaktion.

  • Und Markus, wie bewertest du denn die „Ankündigung“ das Microsoft mit dem Anniversary-Update die Möglichkeit für den Nutzer entfernt, Cortana abzuschalten?

    In dieser einen Sachen steckt eigentlich alles drinnen, weswegen ich Windows 10 meide.

    Um es vorwegzunehmen: Per GPO kann man Cortana wohl weiterhin blockieren. Wer aber meint, dass das dann ja alles halb so schlimm sei, der redet sich die Sache nur schön. Etwas, was es offiziell nur ab Pro-Edition und aufwärts gibt, also bei Home-Edition nur ein „Hack“ ist, kann jederzeit wegfallen und ist nicht wirklich dafür geeignet das der normale Heimanwender seine Daten schützt.

    Wo sehe ich das Problem bei Cortana? Es mag, wie Siri oder Google Now ein nettes Gimmick sein. Für harmlose Dinge wie „Wie wird das Wetter um x Uhr“ nutze ich solche Assistenten auch. Aber für mehr eben nicht. Warum? Weil die DIenste um „funktionieren“ zu können Zugriff auf die Daten brauchen. Sie greifen aber nicht einfach nur bei Bedarf auf die Daten zu, nein sie laden sie vorher vorab auf irgendwelche Server hoch damt die „Power der Cloud“ zum Einsatz kommen kann (iOS ist hier noch eine Ausnahme, bleibt zu hoffen, dass sich das nicht ändert).

    Gerade bei einer Suche finde ich das problematisch: Nachweislich(!) übermittelt Windows 10, wenn Cortana aktiviert ist, jedes Such-Query, also alles was ich in die Suche eingebe, an Microsoft. Habe ich also bspw. gerade sensitive Informationen in meinem Clipboard und füge diese ausversehen in das Suchfeld ein weil ich dachte den Suchstring kopiert zu haben ist es passiert: Diese Daten sind jetzt für immer irgendwo.

    Das geht absolut nicht. Was helfen mir da versprechen wie „Wenn Du hier klickst, löschen wir alle über dich gespeicherten Informationen“? Das kann ja niemand prüfen. Am Ende stellt sich dann heraus,

    Ja, wir haben nur die Zuordnung entfernt. Die Daten selber haben wir anonymisiert zur Verbesserung unserer Dienste, wie es auch in den NUBs steht, behalten.

    Nehmen wir Dinge wie https://netzpolitik.org/2016/bmw-speichert-keine-standortdaten-gibt-aber-bewegungsprofil-an-gericht/ … wer so naiv ist zu glauben, dass bei Microsoft so etwas nicht möglich ist, der hat wirklich die letzten Jahre seit Snowden verschlafen oder ist mehr als nur naiv.

    Und hier sehe ich eben ein weiteres Problem von Windows as Service: Ich habe halt keine Chance mich diese Änderung zu verweigern. Wenn Microsoft entscheidet „Das machen wir jetzt so“ dann machen sie es so und schieben dir das Update eben auf den Rechner. Im Horrorszenario hast du also eine lokale Such-DB die alle deine Daten indiziert hat. Plötzlich startet dein idelnder Rechner neu weil er autom. Updates installiert hat und beginnt deine Such-DB hochzuladen. Du bekommst es nicht mit, weil dein Rechner halt einfach nur an ist, du selber aber im Garten bist…

    Wer heute Windows 10 einsetzt und behauptet die Kontrolle über seine Daten zu haben macht sich etwas vor. Einfach einmal den Rechner über einen Zwangs-Gateway laufen lassen und schauen welche Daten so rausgetragen werden. Was glaubst du denn sendet sich Microsoft zu wenn du erstmalig die Webcam aktivierst und da ein 35MB Paket Richtung Microsoft wandert? Das ist deutlich mehr als nur die Information „Der Nutzer nutzt jetzt Feature X“… und nein, das ist kein Mythos.

    Aber ja, wenn man diese ganzen Daten sieht die Windows 10 an Microsoft schickt dann will man wirklich nur noch glauben, dass das irgendeinen höheren Sinn hat und in unserem Interesse sein muss. Denn alle anderen Gedanken hierzu wäre wirklich zu krass.

    …nur ändert das nichts daran, dass diese Daten anfallen und tatsächlich übertrag werden.

    • Die Änderung von Microsoft, Cortana mit dem Anniversary-Update nicht mehr ohne weiteres abschalten zu können sehe ich genauso kritisch. Vorher war das kein großes Thema. Jetzt allerdings schon.

      Unter Windows 10 lässt sich jedoch die Datensammelei einschränken, aber nicht zu 100% abschalten. Diese Zeiten sind vorbei. Selbst Firefox sendet Daten an Mozilla. Du wirst zwar vorher gefragt, aber es passiert. Es ist egal, ob Windows 7, 8 oder 10 – du hast niemals die volle Kontrolle über deine Daten. Das ist utopisch. Wenn du vollkommen sicher sein willst, dann kannst du dich nur mit einem Aluhut in den Luftschutzbunker setzen und dich von der Außenwelt abkapseln.

      Kurz um: Auf das Anniversary-Update sollte man mit Bedacht reagieren. Ich gehe davon aus, dass sich unsere Datenschützer dieser Sache annehmen werden und vermutlich wird es dann auch nochmal Veränderungen an der Zwangsnutzung von Cortana geben. Das wird jedoch einige Zeit dauern. Zudem denke ich, dass es trotzdem Methoden geben wird, Cortana den Mund zu verbieten.

      • Vorsicht! Telemetrie selber ist ja nicht schlimm. Die Frage ist eben nur was die Firmen als Telemetrie bewerten. Mozilla bspw. sendet wirklich reine Statistiken. Darunter sind auch Statistiken zu den verwendenten CAs etc. aber keinerlei persönliche Informationen noch direkte User-Eingaben.

        Du kehrst auch unter den Tisch, dass Firefox-Nutzer gefragt werden, automatisch passiert gar nichts. Es ist ein Opt-In und kein Opt-Out.

        Und Windows 7 vs. Windows 10 sind Welten: Du kannst unter Windows 10 Windows nicht komplett zum Schweigen bringen. Mach‘ den Test und beweise das Gegenteil wenn du meinst du könntest es. Selbst per GPO ist max. das Level von W7 zu erreichen mit dem Unterschied, dass man bei W7 das noch abschalten konnte, aber selbst das ist bei der Enterprise-Edition nicht mehr möglich.

        Höre also bitte auf in irgendeiner Form die Sache durch Verallgemeinerung schön zu Reden. Windows 10 ist im Vergleich zu Windows 7 eine Datenkraken. Unter Windows 7 ist der normale Nutzer in der Lage Herr über seine Daten und Nutzereingaben zu sein, unter Windows 10 ist er es nicht mehr.

        Und was soll dein letzter Absatz? Nichts für ungut aber genau das ist doch das Problem: Windows 10 Nutzer haben hier keine Chance. Jeder der nicht die Pro-Version einsetzt und damit den Channel bestimmen kann wird Anfang August das Problem haben. Worauf soll man da aufpassen? Das Update kommt. Entweder schießt man sich Windows-Update komplett ab, und verhindert damit auch die Sicherheitsupdates des kommenden Patch-Days ohne man zieht sich eben das neue Cortana auf das System. Das ist keine Wahl.

        Ich wäre auch vorsichtig mit der Aussage, dass Cortana doch noch abschaltbar ist: Besagte Policy stammt von der aktuellen Windows 10 Version. Die Policy ist also das Gegenstück zur UI wo der Nutzer das selber einstellen kann. Gut möglich (und davon ist auszugehen), dass Microsoft nach dem Anniversary-Update auch die GPOs aktualisiert (Richtlinien für neue Funktionen hinzufügt aber auch Richtlinien-Gültigkeiten anpasst, d.h. eine Policy bspw. nur bis Build X gilt und danach keine Wirkung mehr hat). Davon abgesehen, da noch niemand das Update hat, weiß man auch nicht ob die Richtlinie irgendeinen Effekt hat.

        Ich persönlich gehe davon aus, dass man Cortana noch abschalten kann per GPO. Das werden sich Business-Kunden nicht gefallen lassen. Aber wer weiß… nächsten Monat wissen wir es.

        Die Sache zeigt halt nur worauf wir uns einzustellen haben. Das ist erst der Anfang.

        • Lies bitte nochmal meine Antwort. Ich habe geschrieben, dass Firefox-Nutzer gefragt werden. Genausowenig habe ich behauptet, dass man Windows 10 gänzlich zum Schweigen bringen kann. Windows 10 erhebt mehr Daten als Windows 7, was anderes habe ich auch nie geschrieben. In Windows 10 stecken aber auch neue Funktionen, die mehr Daten brauchen. Diese wiedrum fehlen Windows 7. Der Vergleich hinkt somit.

          Unter Windows 7 ist der normale Nutzer in der Lage Herr über seine Daten und Nutzereingaben zu sein, unter Windows 10 ist er es nicht mehr.

          Na, wenn du das wirklich glaubst…

          Windows 10 Home Nutzer können Updates genauso abschalten bzw. kontrollieren. Kannst du alles bier nachlesen: https://www.deskmodder.de/wiki/index.php/Automatische_Updates_deaktivieren_oder_auf_manuell_setzen_Windows_10#Windows_10_Home_und_Pro_TH2_1511_Updates_deaktivieren

          Ob sie die GPO entfernen weiß ich nicht. Aber derzeit ist sie noch verfügbar und es gibt auch noch andere Methoden Cortana „loszuwerden“. Wir werden es ja nächste Woche wissen.

        • Ich stimme Dir zu.

          Im Team unserer Community (Linux statt Windows) haben wir einige Experten für Sicherheit (Spezialisiertes Studium).

          Ausführliche Tests haben ergeben, dass sich tatsächlich nicht alles abschalten lässt.
          Nachdem die restlichen Zieldomains mit einer Hosts-Datei geblockt wurden, gab es Fehlfunktionen im System.
          Es war praktisch unbrauchbar.

          Die Zeiten, in denen man proprietärer Software vertrauen konnte, sind vorbei.
          Das gilt im Quadrat, wenn man die immense Neugier der US-Dienste betrachtet und den Druck zur Kooperation, dem die Hersteller dort ausgesetzt sind.
          Man denke daran, dass die NSA den Generalschlüssel zur diversen MS-Clouddiensten bereits hatte, bevor diese offiziell online waren.
          Ich selbst will solche Methoden nicht unterstützen.

  • Ich habe eigentlich den Eindruck, dass es zielmich egal ist mit welcher Software man unterwegs ist, denn Daten werden immer gesammelt.
    Ausser eben man verkauft Handy, Laptop, PC und ipad und zahlt nur in bar.

    • Das hängt von der Auswahl des Betriebssystems, der Software und vom Aufwand ab, den man für seine Privatsphäre betreiben will.

      Ich konnte sogar bei meinem Android-Smartphone die unerwünschte Verbreitung von Daten zu 95% reduzieren.
      Wichtig ist, es flächendeckend auf ein Mass zu reduzieren, das nicht wirtschaftlich ist. So werden Software und Web-Dienste hoffentlich irgendwann anders finanziert, als über die Daten der User und gezielte Werbung.

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