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Liebes Silicon Valley, wann hast du deinen Pioniergeist verloren?

Segel, Segelschiff, Pionier
Wohin ist der Pioniergeist des Silicon Valley verschwunden? (Foto: Pixabay.com/jachtnavigator)
geschrieben von Christian Erxleben

Das Silicon Valley galt über viele Jahre als Hort der Innovation. Doch die Entwicklungen in diesem Jahr zeichnen ein düsteres Bild. Neue Erfindungen? Fehlanzeige! Ein Brief.

Lieber Mark, lieber Jan, lieber Jack und lieber Kevin,

wenn mich Freunde fragen, warum ich meinen Job als Journalist in der Tech-Branche so liebe, habe ich eine gute Antwort parat. Egal ob im Online-Marketing, in den sozialen Medien oder im Bereich der Technologie: Keine dieser Branchen steht je still.

Jeden Tag gibt es Neues zu entdecken. Das können Technologien wie das Header Bidding ebenso sein wie Tools für einen professionellen Livestream oder ein neues, soziales Netzwerk für Studenten.

Was ist im Silicon Valley passiert?

Über Jahre, ja sogar Jahrzehnte, war der größte Innovationstreiber hinter diesen Veränderungen ein Tal im US-amerikanischen Bundesstaat Kalifornien: das Silicon Valley. Hier haben Steve Jobs, Steve Wozniak und Ron Wayne in den 70ern den ersten Apple-Computer zusammengeschraubt, soziale Netzwerke wie Instagram und Facebook ihren Durchbruch erlebt und die Elektro-Autos von Elon Musk ihre ersten Meter auf Asphalt-Straßen gemacht.

In den letzten Wochen und Monaten macht sich in mir verstärkt das Gefühl breit, dass das Silicon Valley seinen Esprit verloren hat. Der Kurznachrichtendienst Twitter versucht verzweifelt neue Finanzierungsmöglichkeiten zu erschließen und kopiert dabei beim großen, blauen Konkurrenten. Der wiederum macht es nicht besser.

Um das eigene Fortbestehen zu sichern, hatte man sich zuerst die aufstrebenden Player Instagram und WhatsApp einverleibt, um sie anschließend schrittweise in das System Facebook zu integrieren. Nicht dass ein falscher Eindruck entsteht: Ohne die Investitionen von Mark Zuckerberg hätte Facebook heute einen deutlich schwereren Stand in der Social-Media-Branche. Mit Instagram und WhatsApp an Bord ist es dem Gründer gelungen, den Kontakt zur jungen Zielgruppe aufrecht zu erhalten.

Beim Blick auf die jüngsten Innovationen aus dem Hause Facebook kommt schnell Ernüchterung auf. Und ich rede hier nicht nur von der Copy-Schlacht um das ursprüngliche Snapchat-Format Stories, das es inzwischen überall im Facebook-Universum gibt. Der Facebook Messenger verdient den Namen eigentlich nicht mehr, weil das längst nicht mehr im Vordergrund steht.

Mit dem letzten Update ist das Text-Feld zusammengeschrumpft. Stattdessen räumt man dem Versenden von Dateien massig Platz ein, stört mit den „Messenger Day“-Pop-ups die private Kommunikation, lässt es überall blinken und flackern. Dahinter mag ein Konzept stecken ja, die Frage ist aber: warum wurde das neue Layout nicht zur Abwechslung mal wieder selbst entwickelt, sondern fast eins zu eins von Apples iMessage kopiert?

Ein Hoffnungsschimmer

Da stellt sich mir die Frage: Wohin ist der Pioniergeist verschwunden? Wann wurde der Innovationsgeist verloren? Warum begnügt man sich mit dem Bestehenden anstatt neue Revolutionen auszulösen, warum gleichen sich alle Player immer mehr an? Weil sich damit Geld verdienen lässt. Okay. Aber diese Antwort ist unbefriedigend. Ich wünsche mir die Zeiten zurück, in denen das Silicon Valley der Ausgangspunkt für globale Veränderungen war.

Warum sich Mark, Jack, Jan und Kevin auf ihren Lorbeeren ausruhen, weiß ich nicht. Ich denke, es ist bequem. Umso mehr freut es mich jedoch, dass mit Evan Spiegel ein neuer Gründer das Valley aufmischt. Er hat verstanden, dass die Nutzer wieder mehr Privatsphäre wollen und den Dienst Snapchat dafür geschaffen. Er hat verstanden, dass das Konzept des sozialen Netzwerks endlich ist und mit den Spectacles eine erschwingliche, frische Hardware auf den Markt gebracht.

Ich hoffe sehr, dass sich Evan Spiegel nicht von den Angriffen kleinkriegen lässt und weiterhin daran arbeitet, die Welt zu verändern und das Silicon Valley zu altem Glanz zurückzuführen. Ob dieser Wunsch in Erfüllung geht und weitere Gründer diesem Beispiel folgen, werden die nächsten Jahre zeigen.

Voller Hoffnung,

euer Christian

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit 2017 Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking. Sein Weg zu BASIC thinking führte über die Nürnberger Nachrichten, Focus Online und die INTERNET WORLD Business. Beruflich und privat liebt und lebt er Social Media.

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