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Chinas gespaltenes Verhältnis zur Zukunft der Automobilbranche

geschrieben von Nicole Scott

Mit MobileGeeks haben wir kürzlich die Veranstaltung Global Sources StartUp Launchpad in Hong Kong besucht, bei der die neusten Hardware-Startups der Region ihre Produkte vorstellen und nach Händlern für ihre Waren suchen können. Neben einem VR-Pavillion, einer Gaming-Halle und einer Vielzahl chinesischer Hersteller gab es auch eine Halle für „Smart Cars“, in der wir uns mit einigen Herstellern für Autozubehör unterhalten haben.

Viele Aussteller boten Kamera-Upgrades für Autos an, andere wollten Parkassistenz-Features verkaufen. Aber die interessantesten Produkte waren fahrzeuginterne Infotainment-Systeme (IVI). Diese Systeme besaßen nicht einmal die aktuellste Android-Version und die Hersteller versuchten so Profit zu machen, wie man ihn in China schon immer gemacht hat: indem man den Marktpreis unterbietet und möglichst große Mengen verkauft. Jemandem etwas zu verkaufen und anschließend keine Updates und keinen Support zu bieten, gehört in der Automobilindustrie der Vergangenheit an, aber dieses Konzept steht im Widerspruch zum Geschäftsmodell vieler chinesischer Unternehmen.

Folgendes Beispiel lässt dieses gespaltene Verhältnis zwischen den beiden Branchen besonders deutlich werden: Die meisten IVI-Hersteller hatten nicht vor, ihre ohnehin schon veralteten Systeme, auf denen noch die Android-Version des Vorjahres lief, zu aktualisieren.

Der Lebenszyklus eines Autos ist jedoch wesentlich länger als der eines Smartphones. Wie können diese Unternehmen erwarten, dass ein Kunde sein Auto mit solch einem geschlossenen System ausstattet, wenn wir in einer Welt voller jährlicher Hardware-Upgrades und monatlicher Softwareaktualisierungen leben? An jedem einzelnen Ausstellungsstand dachten die Hersteller dieser Autokomponenten, dass der Kunde einfach alle ein bis zwei Jahre ein neues System installieren würde.

Könnt ihr euch vorstellen, einen Autobesitzer darum zu bitten, alle ein bis zwei Jahre ein neues Navigationssystem für 200€ zu kaufen?

Drahtlose „Over the Air (OTA)“-Softwareupdates sind bei Smartphones mittlerweile Standard. In der Automobilbranche versuchen aber die meisten Hersteller, ihre Updates zu verkaufen – oder sie bitten den Kunden, einen Autohändler aufzusuchen, der das Update für ihn installiert. Unternehmen wie Tesla, die regelmäßige Updates veröffentlichen sind eine Seltenheit, aber glücklicherweise machen sie so auf dieses Problem aufmerksam.

Die gesamte Branche hat Probleme damit, ihre fahrzeuginternen Infotainment-Systeme zu aktualisieren. Chinesische Hersteller versuchen bestehende und erfolgreich umgesetzte Geschäftsmodelle auch in der Automobilindustrie einzusetzen, aber der Trend geht, vor allem wegen autonomer Autos, hin zu lebenslangen Updates.

Nvidia verspricht beispielsweise, dass ihre Plattform für autonome Autos solange Updates erhält, wie man das Auto besitzt. Natürlich hat auch das irgendwann ein Ende, aber 10 Jahre Updates und Support sind immerhin 10 Jahre mehr als bei den chinesischen Herstellern.

Die Produkte selbst werden zwar immer innovativer, aber noch immer bieten nur eine Handvoll Hersteller für länger als ein paar Monate nach Verkaufsstart noch Updates für ihre Produkte an. Das macht natürlich auch irgendwie „Sinn“, denn das Software-Team muss sich nach der Veröffentlichung bereits um das nächste Produkt kümmern. Die chinesische Mentalität sieht folgendermaßen aus: Warum Ressourcen für Updates verschwenden? Man kann dadurch kein Geld bei bereits verkauften Produkten verdienen.

Updates sind eine komplexe Verpflichtung für ein Ökosystem, dass über kein Supportsystem verfügt. Warum sollte man ein komplettes Team damit beauftragen, das Betriebssystem von Geräten, die man bereits vor einem Jahr verkauft hat, auf dem neusten Stand zu halten? Es ist viel günstiger, das Produkt zu verkaufen und keine Updates anzubieten. Aber wenn die Lebensdauer des Autos zehn Jahre beträgt, ist das einfach nicht möglich, denn die Hardware im Auto ist bereits nach ein oder zwei Jahren veraltet. Wir haben diesen Trend bereits bei Smartphones gesehen und jetzt lässt er sich auch in der Autobranche feststellen.

Das Zeitalter von kopierter Hardware ist vorbei, aber die Mentalität der Hersteller, große Mengen mit möglichst geringer Gewinnspanne zu verkaufen, ist immer noch Dreh- und Angelpunkt der meisten chinesischen Geschäftsmodelle.

Ihr möchtet mehr über das chinesische Automobil-Ökosystem lesen? Dann seht euch folgenden Artikel an: Die Zukunft selbstfahrender Autos in China

mittwald

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Über den Autor

Nicole Scott

8 Kommentare

  • Ich wüsste nicht, warum man diesen Artikel nicht auch für Smartphones schreiben und zu dem gleichen Schluss kommen sollte.

    Obwohl… vielleicht das „ich will immer das neueste Gerät, auf das mich MG angefixt hat“-Denken. Wobei meine Hoffnung ist, dass sich diese Mentalität noch ändert. Hey, wie wäre es? Gibt doch bestimmt wenigstens einen Autor bei euch, welcher nicht der Meinung ist, man müsste jedes halbe Jahr ein neues Smartphone kaufen.

    Da fällt mir ein, dass Leasing im Kommen ist. Werbung für 24-Monatsverträge an allen Ecken. Solche Nutzer werden wohl nicht updaten und den späteren Gebrauchtwagenkäufer ist es dann egal.

  • Soso die Zeiten der Kopien sind vorbei? An welchen zahlreichen innovativen Unternehmen macht man das fest? Von einem Kulturwandel ist das Land noch weit entfernt. Wer regelmässig mit den Jungs und Mädels da drüben zu tun hat wirds kennen.
    Ausnahme im asiatischen Umfeld ist für mich Korea, da funktioniert es m.e. nur durch einkaufen und schonungslose Ausbeutung

    • fangen wir mal mit Wechat an, anfangs mögen sie sich inspirieren lassen haben (wie zahlreiche westliche Messanger-Dienste auch), jetzt hängen Whatsapp und co. deutlich hinterher. DJI, wird mittlerweile von anderen Kopiert. Die Chinesen erstellen mittlerweile selbst massenhaft Patente um ihre Ideen zu schützen.
      Korea hat seine technologischen Wurzeln selbst als Copycat angefangen (auch ein Samsung ist das eine oder andere mal „inspiriert worden sein“).

      • Ob jetzt das Spaßtool weChat so genial ist aber wo soll denn der Vorsprung gegenüber Whatsapp liegen? Ich nutze es auch mit unseren Kollegen. Nutzerzahlen sind hier wohl kaum geeignet, in vielen WLAN Netzen in China hab ich nach wie vor keinen Zugriff auf Facebook/Google.

        Ich kenne live die Arbeitsweise beider Kulturen. Korea setzt Chinesen nochmal einen drauf was unflexibilität und fehlen jeglicher Eigeninitiative angeht…
        Denke dass das auch wie bei vielen chinesischen Firmen ist – ohne westliche Führungskräfte läuft da wenig.

        • Also wechat als spasstool zu bezeichnen ist schon etwas Strange. Man kann damit bezahlen (benutzen die Chinesen Taufe und runter Mal dem Kumpel die kleinstschulden zu bezahlen, es wächst zum Hauptverhandlung heran. Man kann Taxis ordern und einkaufen.
          Korea kenn ich nicht so genau, aber Chinesen sind häufig pragmatischer und flexibler als wir, manchmal sogar zu pragmatisch.

          • Wenn du mit pragmatisch verbindest irgendwas ohne Sinn und Verstand zu tun, streng nach Anweisung (solange diese schriftlich vorliegt) dann magst du Recht haben. Aber versuche mal eine Transferleistung zu bekommen. Oder Fehlersuche an einer MAschine zu betreiben. Das scheitert schon an der Aufmerksamkeits- oder Interessensspanne von max. 10 Minuten.

            Flexible ist dasselbe warum Softwarelösungen (ist ja nicht so dass WeChat irgendwas neu erfunden hätte) funktionieren. Wenn ich mir 1.000 Programmierer für Brutto 2€/h halten kann bekomm ich natürlich viel hin. Ob man das jetzt moralisch gut finden muss sei dahingestellt.

      • Ja vor allem das Ende des Beitrags fasst sehr gut zusammen warum man das nicht vergleichen kann. Zudem – wo ist die Innovation dabei? In einem nicht freien Markt wie China wird dieses ein Anbieter Konzept ja zusätzlich gefördert.

        Dass man bei der Nutzung des Internets aus Asien was abschauen kann gehe ich mit bin ich auch dafür. Aber man darf den komplett unterschiedlichen Background nicht vergessen.

        (BTW warum zahle ich GEZ für nix, während die NYT geniale Videos kostenlos produziert, nicht wegen Adblockern herumpisst und auch keine übermäßige Werbung schaltet? Danke für den Link!)

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