Betreuung plus Transport ergibt CareDriver

Marinela Potor

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Während die großen Rideshare-Plattformen wie Uber und Lyft in Deutschland nach wie vor nur in sehr limitierter Form erlaubt sind, dringen immer mehr europäische Start-ups in diesen Markt vor. So gibt es seit Februar 2017 in München CareDriver, einen Mobilitätsservice, der Transport mit Betreuung kombiniert.

Wie so oft bei neuen Unternehmen, kam Edward Meegan die Idee zu CareDriver durch ein Alltagsproblem. Als berufstätige Eltern kamen Meegan und seine Frau ins Rotierien, wenn es um ein Thema ging: Das Hin- und Herfahren der Kinder. Zur Schule, zum Sport, zum Musikunterricht. Damit stehen die Meegans nicht alleine da. Die Freizeit-Koordination der Kinder wirkt oft wie ein weiterer Job. Damit hatte Edward Meegan aber nicht nur ein Problem, sondern auch eine Marktlücke gefunden.

München bietet sowohl Kapital als auch Bedarf

Und so entwickelte der Innovationsmanager der tschechischen Kreativschmiede Creative Dock das Start-up CareDriver. Seit Februar 2017 gibt es CareDriver als Pilotprojekt in München und wird hier von Markus Feichtinger geleitet. „München ist eine ideale Stadt, um die Plattform zu testen”, erzählt Feichtinger Mobility Mag. „Hier gibt es nicht nur das Kapital, sondern auch den Bedarf. Denn viele Zugezogene haben in München kein etabliertes soziales Netz, das ihnen bei der Kinderbetreuung hilft.“ Das bedeutet: Wenn Familien neu in eine Stadt ziehen und nicht auf die Oma oder die Nachbarin als Stütze zurückgreifen können, kommt ihnen ein Service wie CareDriver gerade recht.

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Das Team von CareDriver (Bild: CareDriver)

Das Herzstück sind die „CareProfs“

CareDriver hat aber nicht nur Fahrten für Kinder im Angebot, sondern darüber hinaus auch weitere Betreuungs- und Transportoptionen. Neben betreuten Fahrten mit den Kleinen, können Nutzer auch nur die Betreuung ohne Transport buchen. Also im Prinzip einen qualifizierten Babysitter. Das Start-up bietet auch Fahrten für Senioren – wenn gewünscht mit Begleitung – und für Menschen mit Behinderungen an.

Das Herzstück des Angebots sind dabei die CareProfs, also die professionellen Betreuer, die die Plattform seinen Kunden zur Verfügung stellt. Denn auch wenn einige Fahrer, die für CareDrive fahren, sowohl als Fahrer als auch als Betreuer qualifiziert sind, werden die beiden Aufgaben in den meisten Fällen aufgeteilt.

Die Fahrer müssen ihr eigenes rauchfreies sowie gepflegtes, TÜV-geprüftes Auto mitbringen und auch sonst die gängigen Anforderungen von Gewerbeschein bis hin zum Personenbeförderungsschein erfüllen, sowie den unternehmensinternen Fahrtest bestehen.

Die Betreuer, oder CareProfs, sollten wie die Fahrer ein sauberes polizeiliches Führungszeugnis haben, und darüber hinaus Erfahrung im Umgang mit Kindern, Senioren oder Menschen mit Behinderungen mitbringen und Referenzen vorweisen können. Doch auch die Chemie muss stimmen, erklärt Markus Feichtinger. „Wir lernen alle Bewerber vorab persönlich kennen. Uns ist dieser persönliche Eindruck sehr wichtig.“ Schließlich geht es im Endeffekt darum, dass Familien CareDriver vertrauen müssen, wenn sie ihre Liebsten dem Service anvertrauen.

Familien nehmen das Angebot an

17 CareProfs und 30 weitere Fahrer beschäftigt das Start-up aktuell. Die Betreuer werden pro Stunde, die Fahrer pro Kilometer bezahlt. Der Durchschnittslohn liegt bei 14 Euro pro Stunde, für Fahrer und CareProfs. Wenn Nutzer die Dienste von CareDriver buchen, zahlen sie einen Grundpreis von 16 Euro pro Stunde. Dabei ist bei jedem Einsatz eine Stunde die Minimaleinheit. „Das ist mehr als der klassische Transport von A nach B. Vertrauen und Ruhe ist hier besonders wichtig“, erklärt Feichtinger den Mindestsatz.

Per App den Service wählen (Bild: CareDriver)

Die App wurde bisher 800 Mal heruntergeladen, der Service verzeichnet momentan 500 registrierte Nutzer. 40 davon nutzen den Dienst regelmäßig, sagt Markus Feichtinger. Beim Buchen geben die Nutzer genau ein, welchen Service sie auf welcher Strecke und zu welcher Zeit benötigen. Bezahlt wird nachher per Kreditkarte oder Paypal.

„Bei den regelmäßigen Fahrten achten wir darauf, dass die Kunden immer mit den gleichen Fahrern und CareProfs gepaart werden. Denn bei unseren Nutzern finden wir es wichtig, dass eine Gleichmäßigkeit entsteht und die Kunden sich nicht jedes Mal an neue Personen gewöhnen müssen“.

Nutzer haben übrigens vor der ersten Fahrt auch die Option, ihre Fahrer und CareProfs kennen zu lernen. Meist läuft das so ab, dass die Eltern bei der ersten Fahrt mit dabei sind und so den Dienst testen können. Theoretisch steht CareDriver 24 Stunden am Tag zur Verfügung. Praktisch hängt dies aber natürlich von der Verfügbarkeit der Fahrer und CareProfs ab. Mit etwas Vorplanung ließen sich aber Fahrten zu jeder Zeit organisieren, versichert Feichtinger.

Keine Angst vor Konkurrenten

Das Angebot scheint gut anzukommen. CareDriver hat schon erste Kooperationen mit Sportstätten und Sprachschulen gestartet. Diese bieten den Fahrtservice als Zusatzleistung für Eltern an, die Kinderbetreuung oder -transport brauchen. Doch das ist nur der Anfang, versichert Markus Feichtinger.

Nachdem die App noch einige Monate in München noch weiter in der Praxis getestet wird, soll sie Ende des Jahres auch in andere deutsche Städte eingeführt werden, sagt Feichtinger. „Wir denken darüber nach, in Zukunft ein GPS-Tracking-System als Sicherheitsfeature einzuführen und wir könnten uns auch vorstellen, die Betreuungsstufen spezifischer zu gestalten. Schließlich braucht ein Vierjähriger eine andere Betreuung als ein Vierzehnjähriger.“ Auch Spezialangebote wie etwa spezielle Fahrzeuge für Kunden, die nicht aus dem Rollstuhl aufstehen können, seien denkbar. Feichtinger könnte sich auch ein Angebot „begleiteter Weg“ vorstellen. Hierbei würden Personen zu einem bestimmten Ort begleitet werden, beispielsweise ein Kind von der Schule zum Musikunterricht. Je nach Distanz könnte das aber auch ohne Auto passieren, zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Über Konkurrenz scheint sich das Start-up nicht allzu viele Sorgen zu machen. Es gebe zwar sowohl Transportdienste als auch Betreuungsangebote, doch bisher habe noch kein Unternehmen die beiden Punkte miteinander verbunden.

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Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt.