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Digitalisierung: Sechs Todsünden und ein Paradoxon

Matthias Horx, G20 Jungunternehmergipfel, Berlin, Digitalisierung
Matthias Horx sprach auf dem G20 Jungunternehmergipfel über die Todsünden und das Paradoxon der Digitalisierung. (Foto: Christian Erxleben)
geschrieben von Christian Erxleben

Auf dem G20 Jungunternehmergipfel in Berlin hielt Matthias Horx einen Vortrag über digitale Trends und die Zukunft der Unternehmen. Dabei ging der Zukunftsforscher auch auf die Rolle der Digitalisierung ein. Im Mittelpunkt: Sechs digitale Todsünden und ein Paradoxon.

Was das Rad für unsere Urahnen war, ist die Digitalisierung für die heutige Generation. Mit diesem Vergleich eröffnete Zukunftsforscher Matthias Horx seinen Vortrag auf dem G20 Jungunternehmergipfel (G20 Young Entrepreneurs Alliance) in Berlin.

Horx, der seit 1998 ein Zukunftsinstitut mit Sitzen in Wien und Frankfurt betreibt, sprach rund eine Stunde über die Digitalisierung und wie sie die Zukunft der Unternehmen prägen wird. Dabei vermittelte er zwei wichtige Botschaften über Zukunftsprognosen:

  1. Je mehr Wissen Experten zu einem bestimmten Gebiet haben desto häufiger liegen sie mit ihren Vorhersagen falsch.
  2. Wer etwas über die Zukunft erfahren möchte, sollte keine Vorhersagen machen, sondern die richtigen Fragen stellen.

Das Paradoxon der Digitalisierung

Wie können solche Fragen aussehen? Horx nennt zwei Beispiele:

  • Wie können wir die Digitalisierung analog überdenken?
  • Warum ist die Digitalisierung so schrecklich und wunderschön zugleich?

Die letzte Frage wiederum zeigt ein großes Problem der Digitalisierung auf: Sie ist ein Paradoxon. Ein Paradoxon ist etwas, das einen Widerspruch in sich enthält. Das trifft auch auf diesen Prozess zu.

Einerseits treibt die Digitalisierung durch ihre Innovationen und die Umwälzungen, die sie anstößt, unsere Wirtschaft und mit ihr auch jedes einzelne Unternehmen an. Wer die Kommunikation von vor 20 Jahren (Telefon, Brief, fester Büroplatz) mit der von heute (Messenger, E-Mail, Video-Call, Home Office) vergleicht, sieht, was diese Entwicklung auslöst.

Andererseits befeuern die Messenger-Technologie und andere Wege der digitalen Kommunikation zugleich die „Kommunikations-Katastrophe“, wie Zukunftsforscher Horx es nennt, auf die wir zusteuern. Unser Hirn wird durch das unaufhörliche Trommelfeuer an eingehenden Nachrichten und Hinweisen überlastet und trägt mittelfristig einen Schaden davon.

Da erscheint es mit Blick auf unsere eigene Gesundheit auf einmal sogar vorausschauend, dass nur 20,5 Prozent der Deutschen eine positive Einstellung zur Digitalisierung einnehmen.

Die sechs digitalen Todsünden

Mit dem Digitalisierungsprozess unserer Gesellschaft einher geht auch der Aufstieg von sechs neuen digitalen Todsünden, wie Horx sie nennt. Das sind Verfehlungen, Verführungen und Fehlentwicklungen, die zunehmend um sich greifen und einen schlechten Einfluss ausüben.

  1. Pseudonyme: Durch die verstärkte anonyme Kommunikation über das Internet rückt der Mensch immer stärker in den Hintergrund. Es ist sehr leicht, sich hinter falschen Namen und Kürzeln zu verstecken und somit seine Taten und Meinungen geschickt zu verschleiern.
  2. Infobesity: Hinter diesem englischen Wort verbergen sich die Gier und das unaufhaltsame Verlagen nach neuen Informationen und Nachrichten. Wird das Individuum vom Informationskanal abgeschnitten, geht es ihm schlecht.
  3. Filter Bubble: Die viel zitierte und oft diskutierte Filterblase – ob und in welcher Ausprägung sie auch immer existiert – stellt ein großes Problem dar. Menschen, die in einer solchen Filterblase gefangen sind, ohne es zu merken, verlieren Schritt für Schritt den Zugang zu allgemeinen Nachrichten und rutschen ab in eine Parallelgesellschaft.
  4. Feedback Failure: Durch die Digitalisierung und das Internet erhalten immer Menschen die Möglichkeit, sich selbst und ihre Gedanken zu veröffentlichen. Diese Option wird wahrgenommen. Das Problem: Nur die wenigsten Nutzer erhalten Antworten auf ihre privaten Hilferufe. Das Feedback, das wir von Freunden und Verwandten gewohnt sind, bleibt oft aus. Das hat Konsequenzen.
  5. Clickbaiting: Wenn man einem Menschen eine Information vorenthält, indem man ihn nach einer Andeutung im Ungewissen lässt, ruft das eine unmittelbare Reaktion aus. Der Betroffene möchte wissen, worum es geht und klickt – im Internet – auf die vielversprechende Überschrift. Dieses Clickbaiting ist die fünfte von sechs digitalen Todsünden.
  6. Plattform-Kapitalismus: Das Web ist mehr als jeder andere Wirtschaftssektor geprägt durch globale und starke Monopole (Google, Facebook, Amazon etc.), die ihren Markt dominieren und jegliche Mitstreiter früher oder später eliminieren. Allen Verzweifelten macht Matthias Horx jedoch auch Hoffnung: Jedes Monopol der Geschichte, ob wirtschaftlich oder staatlich, ist früher oder später zerstört worden. Warum sollte es dieses Mal anders sein?

Mit Blick auf die Unternehmen beendete der Zukunftsforscher seinen Vortrag und rief zu mehr Menschlichkeit auf. Denn nur durch Teamwork und Zusammenarbeit können Ideen und neue Entwicklungen entstehen.

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit 2017 Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking. Sein Weg zu BASIC thinking führte über die Nürnberger Nachrichten, Focus Online und die INTERNET WORLD Business. Beruflich und privat liebt und lebt er Social Media.

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