Major League Soccer verzichtet auf 4 Milliarden Dollar

Philipp Ostsieker
Major League Soccer verzichtet auf 4 Milliarden Dollar

Die Major League Soccer (MLS) hat einen globalen Medienrechte-Deal über 4 Milliarden abgelehnt. Das Angebot kommt vom Unternehmen MP & Silva. Das berichtet das amerikanische Sports Business Journal.

Still und leise hat die MLS ein Angebot abgelehnt, dass den Preis für ihre Medienrechte vervierfacht hätte — sechs Jahre bevor diese Rechte ausgeschrieben werden sollte.

Die MLS-Verantwortlichen störte eine gewichtige Bedingung. Die Liga hätte eine Auf- und Abstiegsregelung in ihr System integrieren müssen. Für Fans weltweit ist das nichts Besonderes. Doch die MLS orientiert sich an den anderen amerikanischen Sport-Ligen.

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Eine derartige Bedingung werte im Grunde jedes Angebot ab, unabhängig vom Preis. Denkbares Szenario wäre gewesen: Die letzten zwei oder drei Teams der MLS steigen ab, die besten zwei oder drei der NASL steigen auf. Aber: MLS Commissioner Don Garber hält seit langem daran fest, dass seine Liga ihr System nicht ändern möchte.

Zudem möchte die MLS bis 2020 von 20 auf 24 Teams wachsen, im Anschluss sogar auf 28 Teams. Die Teams Nr. 25 und 26 müssen in jedem Fall eine Gebühr von 150 Millionen Dollar zahlen. Es ist unwahrscheinlich, dass potenzielle Interessenten diese Summe zahlen wollen, wenn die Gefahr besteht, dass ihr Klub bei einem Abstieg Millionen an Umsatz verliert.

Angebot toppt MLS-Deals mit ESPN, Fox & Univision

2023 enden die aktuellen Deals der Major League Soccer mit ESPN, Fox Sports und Univision. MP & Silva Group boten etwa 400 Millionen Dollar jährlich für die weltweiten Rechte zwischen 2023 und 2032. Die MLS lehnte zügig ab.

Dan Courtemanche, MLS Executive Vice President of Communications: „Wie Commissioner Garber in seinem Schreiben an Mr Silva erwähnte, sind wir weder in der Position noch daran interessiert, uns mit Mr Silva und seinem Angebot zu beschäftigen.“ […]

MP & Silva ist in der Welt der globalen Medienrechte gut bekannt. Die Agentur verkaufte die internationalen MLS-Rechte von 2008 bis 2014. Der erwähnte Mr Silva ist übrigens Mitbesitzer von Miami FC. Miami FC spielt in der NASL,  nicht in der MLS. Vor allem deshalb gefällt Silva vermutlich nicht die derzeitige MLS-Struktur.

Derzeit zahlen ESP und Fox für die englischsprachigen, nationalen Rechte 75 Millionen Dollar jährlich. Univision zahlt weitere 15 Millionen pro Jahr für die spanischsprachigen Rechte. Die Liga verdient mit ihren nationalen Rechten „nur“ rund 90 Millionen Dollar jährlich. Der Plan von MP & Silva würde der Liga zu großem Wachstum verhelfen.

Was wollen die Eigentümer der Major League Soccer?

SportsBusiness Journal zitiert ein Schreiben, das Silva am 13. Juli an Garber sendete. Inhalt: das Angebot sowie eine detaillierte Aufstellung, wie der zusätzliche Umsatz, das Wachstum der Liga beschleunigen könnte.

Silva sinngemäß: „Diese Nachricht habe ich über die die letzten Wochen in Gesprächen mit zahlreichen MLS-Eigentümern regelmäßig wiederholt … sie alle teilen das Streben nach Wachstum für den US-amerikanischen Fußball.“ […]

Einige der Eigentümer oder Team-Verantwortlichen, die in Cc gesetzt wurden: Handy Soetedjo und Erick Thohir (D.C. United), Flavio Augusto da Silva (Orlando City), Tom Fox (San Jose), Brian Bilello und Jonathan Kraft (New England) sowie Ferran Soriano und Jon Patricof (NYC FC).

Im Schreiben vertritt Silva die Sichtweise, das Auf- und Abstieg das Interesse der Fans vor allem für die schlechter platzierten Teams fördere. Diese würden sinngemäß bis zum Umfallen kämpfen, um nicht abzusteigen.

Silva weiter: „Ich glaube, dass MLS Haupt-Nutznießer eines offenen, leistungsorientierten Systems wäre, das Fan-Interesse, Spannung, Qualität und Engagement für das Spiel fördern würde. Letztlich würden die Erlöse nicht nur der MLS und den Klubs zugute kommen, sondern allen Stufen der „U.S. soccer“-Pyramide.“ […]

Unabhängig vom geplatzten Deal ist das Angebot ein Zeichen für das gestiegene Interesse an der Major League Soccer. Dies könnte zumindest ein Indiz sein, dass die Rechte-Offerten künftig weiter steigen werden. Der Agentur zufolge bleibe das Angebot bestehen.

„Falls MLS, deren Eigentümer und weitere Stakeholder offen für weitere Diskussionen sind, wäre MP & Silva erfreut, den Dialog zu einem geeigneten Zeitpunkt zu starten und, vorbehaltlich der Genehmigung unseres Vorstands, ein formelles Angebot in geeigneter Weise zu unterbreiten“. […]

MLS-Fans müssen sich vermutlich nicht auf Veränderungen einstellen. Und die aktuelle Rechte-Periode endet ja erst in sechs Jahren. Vielleicht bewegen sich Agentur und Liga auf die eine oder andere Art und Weise doch noch aufeinander zu?

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Philipp Ostsieker ist Medien- und Digitalmanager aus Hamburg. Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit als selbstständiger Digital Content Strategist schreibt Philipp für BASIC thinking die Kolumne „Matchplan“, in der er über den Tellerrand blickt und durch die innovativen Ideen der Sportbranche führt.