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Social Media in der Kreativbranche: Interview mit Schauspieler Sascha Pederiva

Sascha Pederiva
Sascha Pederiva (Bild: Denise van Deesen)
geschrieben von Jane Podszun

Manch sogenannter Influencer, der beinahe aus dem Nichts heraus immer mehr Platz in den sozialen Medien einnimmt, ist bekannter als der ein oder andere Schauspieler. Die Wirkung der sozialen Medien ist enorm und entweder man liebt die Öffentlichkeit oder tut sich schwer damit. Ein Interview mit Schauspieler Sascha Pederiva.

Sofern es sich unsereiner aussuchen kann, welche Netzpräsenz er sich oder seinem Umfeld zumuten möchte, ist diese Entscheidung anderen Berufsgruppen vorenthalten. Gerade von Personen der Öffentlichkeit wird Transparenz erwartet, welche sich durch die sozialen Kanäle ausgiebig bedienen lässt.

Dabei legen Follower, Fans und Abonnenten viel Wert auf Authentizität und den persönlichen Zugang zu ihrem Idol. Schauspieler Sascha Pederiva, der unter anderem durch Rollen in „Verbotene Liebe“ und „GZSZ“ bekannt ist, hat uns erzählt, wie er die sozialen Netzwerke wahrnimmt, welche Möglichkeiten sich daraus entwickeln können und warum die Nutzung manchmal gar nicht so einfach ist.

BASIC thinking: Sascha, du bist seit 1999 in der Schauspielbranche, hast dein Studium 2005 an der Kunsthochschule in Zürich aufgenommen und arbeitest seitdem als Theater- und Filmschauspieler. Welche Mittel hat man in Zeiten, in denen die sozialen Medien noch nicht so präsent waren, genutzt, um seine Bekanntheit als Schauspieler zu steigern und den Kontakt zum Publikum herzustellen?

Sascha Pederiva: Ich war nicht mehr ganz Teil der alten Schule, in der das Business ausschließlich über Castings und die Agentur lief. Bereits während meines Studiums meldete ich mich privat bei Facebook an und erfuhr dann zum ersten Mal, was es heißt, von fremden Menschen, die dich irgendwo gesehen haben, kontaktiert zu werden. Das Ganze war mir so suspekt, dass ich erst einmal meinen Namen änderte. Es dauerte dann noch Jahre, bis ich die Möglichkeiten solch eines Mediums erkannte. Erst seit meiner Rolle 2013 in „Verbotene Liebe“ nutze ich Social Media gezielter.

War die Öffentlichkeitsarbeit sonst ausschließlich Aufgabe der Agentur? 

Ich habe schon einige Male die Agentur gewechselt, war auch bei zwei PR-Agenturen, mit deren Leistung ich allerdings nicht zufrieden war. Ich bin aber bei der ZAV-Künstlervermittlung, die nur Absolventen von staatlichen Hochschulen aufnimmt. Letztendlich musste ich den Auftritt nach außen dann doch irgendwie selbst in die Hand nehmen.

Du bist also einer der Schauspieler, der das Thema Social Media eigenständig unterhält. In welchen Kanälen bist du seit 2013 aktiv?

Ich benutze sehr unregelmäßig Twitter, noch weniger Snapchat, was mir persönlich gar nicht zusagt, und fokussiere mich daher eher auf Facebook und Instagram. Ich bin mir ehrlich unsicher, welche Gedanken in 140 Zeichen als Schauspieler das Publikum da interessieren sollten.

Weil ich eher ein audiovisueller Mensch bin, sagt mir Instagram am ehesten zu. Und auch dafür musste ich ehrlich gesagt erst motiviert werden. Ich kenne Schauspielkollegen, die regelmäßig und gut Instagram nutzen und dennoch nur schwer ihre Followerzahl steigern können. So richtig klar ist mir das Konzept daher noch nicht. Allein konstantes Posten kann es jedenfalls nicht sein.

Was machen deine Schauspielkollegen dennoch anders und deiner Meinung nach erfolgreicher als du, etwa Janina Uhse?

Ich glaube, dass man es als Frau grundsätzlich etwas leichter hat, sich zu inszenieren. Gerade wenn man zusätzlich jahrelang in einer der größten deutschen Fernsehproduktionen mitgewirkt hat, hat sich natürlich ein großer Followerkreis entwickelt. Wenn dann was passiert, kann man eben auch was erzählen. Ein guter Freund von mir beispielsweise berichtet immer vom Set, ist medientauglicher und „glatter“ als ich, nimmt die Leute mehr mit.

Mir würde es auch großen Spaß machen, meine Follower regelmäßiger zu unterhalten, aber als nicht ganz so populärer Schauspieler hat man in der Regel lange Leerläufe und ich frage mich, ob es die Leute interessiert, die wievielte Tasse Kaffee ich gerade trinke. Ich bediene mit meinen Postings immer noch eine Nische.

Meine Hauptthemen sind mein Hund, mein Sport und meine Tattoos. Auf den ersten Blick sind das vielleicht gängige Sachen, aber eben nicht das, was man von einem Schauspieler anscheinend erwartet. Hinzu kommt meine politische Positionierung, die sich in Teilen auch in meinem veganen Ernährungsstil widerspiegelt.

Ich reflektiere offen sozialkritische Themen und bin im Grunde pro Underdog. Und ich glaube, dass diese Postings im Alltag vielleicht nicht so medientauglich sind und die Leute so etwas mit Vorsicht konsumieren.

Hat sich in den letzten Jahren etwas aus deinen Social-Media-Aktivitäten ergeben – sind sie wichtig für die Branche?

Ich habe auf Grund meines Bekanntheitsgrades auch Jobangebote darüber bekommen, allerdings keine, die mir zusagten. Ich bin kein Boulevard-Schauspieler, bediene aber durch meine Soap-Vergangenheit teilweise diesen Bereich. Ich möchte lieber gute Filme machen. Als großer Anhänger der Realität und Authentizität erzähle ich Geschichten gerne wie sie sind und falle deswegen durchs Raster.

Auch dieser fehlende Euphemismus macht es einem in den sozialen Netzwerken schwer. Da ist eher Mainstream gefragt, weniger kritischer Content. Die sozialen Medien sind schon ein sehr wichtiges Thema, aber da beißt sich die Ratte eben in den Schwanz: Erst durch regelmäßige Präsenz in den Medien bekommt man einen größeren Followerkreis und erst durch mehr Follower, und somit mehr Einfluss, bessere Angebote.

Ein Beispiel: Wenn sich zwei Schauspieler mit ähnlichen Referenzen gegenüberstehen – der eine mit 5.000 Followern, der andere mit 50.000 – werden sie meiner Meinung nach natürlich den mit der größeren Reichweite nehmen, weil er mit der Produktion einfach viel mehr Menschen erreicht.

Wie viel Persönlichkeit sollte man folglich in den sozialen Medien preisgeben?

Ich denke, man ist so oder so immer noch eine Rolle. Ich repräsentiere mich als Schauspieler zwar im Privaten, aber das, woran ich die Menschen letztendlich teilhaben lasse, bin ich nicht als Privatperson. Ich denke, je mehr Privates man offenbart, desto erfolgreicher ist man im Netz, ich möchte mir allerdings noch etwas für mich behalten.

Hast du positive oder negative Erfahrungen in den Netzwerken gesammelt?

Die ein oder andere lustige, verrückte oder traurige Erfahrung wird bestimmt jeder schon gemacht haben. Da ich ein neugieriger Mensch bin, ignoriere ich vielleicht nicht so viele Nachrichten, wie ich vielleicht sollte. Manchmal finde ich es einfach ganz spannend, zu sehen, wohin die Reise geht.

Vielen Dank für das Gespräch.


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Über den Autor

Jane Podszun

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