Ticketpreise: So verprellt die Premier League junge Fans

Ticketpreise: So verprellt die Premier League junge Fans

Philipp Ostsieker

Auf den ersten Blick wirken die Resultate positiv. Die Stadien sind ausverkauft, die Ticketpreise sinken. Aber ist das die ganze Wahrheit? Eine Ticket-Studie von BBC verrät, dass die Premier-League-Klubs es sich mit jungen Fans verscherzen könnten.

Die große BBC-Studie Price of Football 2017 hat ermittelt. Über 80 Prozent der Premier-League-Ticketpreise für die laufende Saison sind gesunken oder gleichgeblieben. Eine durchschnittliche Dauerkarte kostet so wenig wie zuletzt 2013. Bei den Auswärtstickets gilt seit letzter Saison die selbst auferlegte Grenze von 30 Pfund, also etwa 34 Euro. Kurios: Die Ticket-Preise in der zweiten englischen Liga liegen drüber.

Die Premier League lobt die „harte Arbeit der Klubs, zahlreichen Fans Premier-League-Fußball zu ermöglichen“. Sie rühmt sich für eine durchschnittliche Auslastung von über 96 Prozent in drei aufeinanderfolgenden Spielzeiten.

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Hohe Ticketpreise schrecken Fans ab

Die Ticketpreise fallen im Schnitt offenbar. Im Vergleich zu den anderen Top-5-Ligen Europas bleiben sie aber sehr hoch. Aber hat das auf die vermeintlich attraktivste Liga der Welt überhaupt Auswirkungen? Ja, zumindest gibt es erste Anzeichen.

Ganze 82 Prozent der Befragten gaben an, dass sie aufgrund zu hoher Ticketpreise nicht häufiger ins Stadion gehen. Nur 26 Prozent von ihnen sehen öfter als einmal monatlich ein Spiel live im Stadion. Nur vier Prozent der Premier-League-Dauerkarten sind im Besitz von jungen Erwachsenen. Die Gründe dafür können vielfältig sein. Dennoch buhlen vielfältige Angebote um die Aufmerksamkeit dieser Generation.

Sie ignorieren diese Gruppe von Fans auf eigene Gefahr. (Rob Wilson,Sheffield Hallam University)

Kann die Premier League es sich auf Dauer erlauben, nicht darauf zu reagieren? Wohl kaum, findet Rob Wilson. Wilson ist Experte für Fußballfinanzen an der Sheffield Hallam University. Die Top-Klubs müssten sich mehr um junge Fans bemühen: „Diese Fans sind die nächste Generation von Dauerkarteninhabern, aber sie sind in einem sterilen und teuren Umfeld groß geworden. Aufgrund dieser Einstellung zögern sie, so viel zu bezahlen, um ihre Mannschaften spielen zu sehen, und diese Ergebnisse sollten der Elite der Premier League als Warnung dienen. Sie ignorieren diese Gruppe von Fans auf eigene Gefahr.“

Preistreiber Arsenal London

Während Liga-Neuling Huddersfield Town den durchschnittlichen Ticket-Preis senkt, treibt Arsenal London diesen seit Jahren.

Arsenal-Mitglieder zwischen 16 und 19 Jahren können für umgerechnet 431 Euro eine Dauerkarte erwerben. 20-Jährige zahlen mindestens 1.000 Euro. Das teuerste Saisonticket kostet 2.000 Euro. Kurios: Die „Gunners“ bieten unter den jeweils teuersten und auch unter den billigsten Dauerkarten die teuersten.

Arsène Wenger ist besorgt, schiebt die Entwicklung aber weniger auf die Preise. „Im modernen Spiel gibt es viele Faktoren, die die Leute davon abhalten, öfter ins Stadion zu gehen. Vor allem der Lifestyle hat sich verändert, sie spielen selbst weniger Fußball, dafür mehr am Computer – das Erlebnis ist also zunehmend individuell statt kollektiv. Dann ist da das Sicherheitsthema: Die Datenerfassung der Fans ist in den Köpfen vieler Leute ein Problem.“

Er ergänzt, es gebe „keine bessere Erfahrung, als ein Fußballspiel im Stadion zu verfolgen“. Diesen Eindruck können wir 68-jährigen Wenger nicht übel nehmen, teilen ihn sogar. Dennoch begehen wir alle womöglich einen fatalen Fehler. Wer die Zeit und Zuneigung der Fans weiter als selbstverständlich erachtet, wird auf Dauer bestraft.

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Junge Fans beschäftigen sich mit Fußball mittlerweile lieber im Rahmen von Videospielen (61 Prozent) als selbst in einem Team zu spielen (37 Prozent). Auch Sportwetten sind beliebter (44 Prozent). Den großen Umschwung wird der Start-Trainer als Verantwortlicher vielleicht nicht mehr erleben. Wir anderen sollten die Entwicklungen aber ernst nehmen.

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Philipp Ostsieker ist Medien- und Digitalmanager aus Hamburg. Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit als selbstständiger Digital Content Strategist schreibt Philipp für BASIC thinking die Kolumne „Matchplan“, in der er über den Tellerrand blickt und durch die innovativen Ideen der Sportbranche führt.