"Soccer": Der drittbeliebteste Sport der Amerikaner?

„Soccer“: Der drittbeliebteste Sport in den USA?

Philipp Ostsieker

Unter US-Sportfans gibt es eine Redewendung: „Soccer is the sport of the future in America … and always will be.“ Tatsächlich galt Fußball lange Zeit als „Sport der Zukunft“, ohne sich wirklich etabliert zu haben. Doch die Zeiten ändern sich. Die Popularität von Fußball bzw. Soccer wächst laut Forbes enorm.

Laut einer Gallup-Umfrage betrachten sieben Prozent der Amerikaner „Soccer“ als ihren Lieblingssport. Sieben Prozent? Das klingt zunächst viel. Aber: Innerhalb von nur vier Jahren konnte der US-Fußball um vier Prozentpunkte wachsen. Das gelang in diesem Zeitraum keiner anderen Sportart:

  • Fußball (7%, +3%)
  • American Football (37%, -2%)
  • Basketball (11%, -1%)
  • Baseball (9%, -4%)
  • Eishockey (4%, +1%)

Die Tendenzen sind relativ deutlich. Es ist wahrscheinlich, dass Soccer zumindest Baseball bei der nächsten Umfrage überholen kann.

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US Soccer: Der Sport der jungen Generation?

Noch aufschlussreicher ist in diesem Kontext die demographische Entwicklung. Nur ein Prozent der Befragten im Alter von 55 Jahren oder älter nannten Soccer als ihre Lieblingssportart. Aber: Bei elf Prozent der 18- bis 34-Jährigen gilt er als Lieblingssport – und liegt damit gleichauf mit Basketball. Nur sechs Prozent der jüngeren Erwachsenen wählten Baseball als ihren Lieblingssport. Selbstdefinierte Liberale zeigten auch eine größere Vorliebe für Fußball. In dieser Fraktion betrug die Kluft zwischen Football und Fußball nur fünfzehn Punkte.

Diese positiven Ergebnisse für den US-Fußball sind besonders beeindruckend. Denn: Sie sind in einem Nicht-WM-Jahr entstanden, in dem die US-Nationalmannschaft in der Quali zur WM in Russland ausschied. Auch ohne sportliches Momentum stimmt die Wahrnehmung bei den Sportfans.

Doch es gibt Vorbehalte. Forbes kritisiert etwa, dass Gallup die Teilnehmer nicht darum bat, ihre Lieblingssportarten in eine Reihenfolge zu bringen. Viele Befragte, die Football bevorzugen, kümmern sich vielleicht kaum um Soccer. Möglicherweise verfolgen sie lieber Basketball oder Baseball.

Fehlt die Star-Power im US-Fußball?

Der Fußball sieht sich in den USA mit einigen echten Hürden konfrontiert. Klassische mediale Gatekeeper stürzen sich nach wie vor lieber auf klassische US-Sportarten. Wenn Eishockey oder Baseball weiterhin begehrte Sendeplätze besetzen, schadet dies der öffentlichen Wahrnehmung von Soccer.

Und es gibt einen weiteren, ganz wesentlichen Nachteil. Anders als die NFL, MLB, NHL oder NBA schafft es die MLS nicht, die weltweit besten Athleten zu vereinen.

Die mediale Aufmerksamkeit von Fußball verteilt sich auf die MLS, die englische Premier League, die Bundesliga oder auch die Champions League. Auch für einzelne Spiele erzielt der Sport kaum sensationelle Einschaltquoten. Das WM-Finale der Fußball-Frauen erreichte immerhin 25 Millionen Amerikaner.

In jedem Fall könnte die zitierte Gallup-Umfrage ein Vorbote für die Zukunft zu sein. Die Zuschauerlandschaft verändert sich, ebenso wie das Internet die Verbreitung und Form des Berichterstattung, nicht nur in den USA, verändert hat.

Forbes merkt an: Vor drei Generationen konzentrierten sich US-Sportjournalisten noch auf Pferderennen, Boxen und Baseball. Von diesen drei Spielen bleibt nur Baseball Teil der Top-Sportarten.

Bleibt Soccer der „ewige Sport der Zukunft“? Zumindest die Major League Baseball ist schon jetzt gewarnt.

Der US-Fußball entwickelt sich als weiter. Wie wird sich die Bundesliga entwickeln?

Dazu diskutieren die Experten Heribert Bruchhagen, Oliver Mintzlaff und Max Eberl.

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Philipp Ostsieker ist Medien- und Digitalmanager aus Hamburg. Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit als selbstständiger Digital Content Strategist schreibt Philipp für BASIC thinking die Kolumne „Matchplan“, in der er über den Tellerrand blickt und durch die innovativen Ideen der Sportbranche führt.