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Finanzierung für Start-ups: So funktioniert Bootstrapping

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Beim Bootstrapping setzen Gründer auf ihr eigenes Kapital. (Foto: Pixabay.com / Free-Photos)
geschrieben von Carsten Lexa

Was macht man, wenn man eine Idee für ein Unternehmen hat, aber weit und breit niemand mit Geld winkt, um einen damit zu unterstützen? Bootstrapping ist dann angesagt – zumindest wenn man es mit dem Unternehmen mal versuchen möchte. Aber was bedeutet das eigentlich?

Ein schicker Begriff – für eine prekäre Situation

Mit Bootstrapping bezeichnet man eine Firmengründung ganz ohne Kapital von dritten Personen. Das bedeutet: eine Finanzierung ohne Investoren beziehungsweise Investorenkapital.

Man versucht mit so wenig Geld wie möglich so viel wie möglich für sein Unternehmen zu erreichen. Es geht also darum, die Kosten möglichst klein zu halten, möglichst viel selbst zu machen und möglichst schnell (kleine) Einnahmen und letztendlich Gewinne zu erzielen.

Zum Ursprung des Begriffes gibt es verschiedene Theorien. Manchmal wird auf eine Ableitung aus dem amerikanischen Begriff „bootstrap“ – also Schnürsenkel – verwiesen. Ähnlich wie der Schnürsenkel zur effizienten und Fuß-schonenden Nutzung eines Schuhs festgezogen sein sollte, sollte auch die anfängliche Strategie des Unternehmens für die Gründung und das Wachstum eng an den knappen verfügbaren finanziellen Ressourcen der Gründer ausgerichtet sein.

Manchmal wird auch die Baron-Münchhausen-Geschichte herangezogen. Dieser soll sich selbst an seinen Haaren aus einem Sumpf gezogen haben. „He lifted himself out of quicksand by pulling his bootstraps.“

Daran angelehnt beschreibt Bootstrapping einen Prozess, bei dem Gründer ohne fremde Mittel eigenständig finanziert ein Unternehmen aufbauen.

Egal wo der Begriff seinen Ursprung hat, letztendlich ist entscheidend, dass die Gründer die Ressourcen nutzen, die sie schon haben, und dass sie diese effektiv nutzen. Kurz gesagt geht es beim Bootstrapping also darum, die Finanzierung aus eigener Kraft zu erreichen.

Vorteile von Bootstrapping

Bootstrapping hat mehrere Vorteile. Durch die finanziellen Beschränkungen lernen Gründer sehr schnell, von Anfang an sparsam zu sein und effektiv zu wirtschaften.

Weil externe Investoren fehlen, stehen Gründer nicht unter Druck von außen und können grundsätzlich ihre eigenen Ziele und Visionen freier verfolgen. Das Experimentieren mit Ideen ist so wesentlich einfacher.

Sie machen Erfahrungen und nehmen Wissen auf in allen Unternehmensbereichen und werden wahrscheinlich nicht schneller wachsen, als sie es bewältigen können.

Insbesondere für erstmalige Gründer ist Bootstrapping deshalb auch so eine gute Alternative, weil es bedeutet, dass sie selbst und gleichzeitig mit ihrem Unternehmen an den Aufgaben wachsen.

Schließlich beeindruckt es Investoren, wenn man zu einem späteren Zeitpunkt doch eine externe Finanzierung benötigt, wenn das Unternehmen es geschafft hat, aus eigener Kraft sich zu finanzieren und zu wachsen.

Nachteile von Bootstrapping

Wie man sich denken hat, hat Bootstrapping als Finanzierungsform nicht nur Vorteile. Nachteilig ist beispielsweise, dass die Gründer nicht nur ohne externe finanzielle Mittel, sondern auch ohne das Netzwerk und die Unterstützung von Investoren auskommen müssen.

Bootstrapping erhöht auch das Risiko für die Gründer, denn sie müssen ihre Ausgaben und ihre Aktivitäten sehr genau unter Kontrolle haben. Wenn ein Unternehmen nur mit den eigenen Mitteln der Gründer gestartet wird, ist das Generieren von Einnahmen unerlässlich, um das Unternehmen über Wasser zu halten.

Dies kann in der Folge zu Unternehmensstrategien führen, die nicht Teil des ursprünglichen Plans waren, einfach nur weil man die Einnahmen benötigt. Daraus können sich natürlich auch Chancen für das Unternehmen ergeben.

Darüber hinaus ist das Unternehmen möglicherweise nicht in der Lage, sich so schnell zu entwickeln und zu wachsen wie gewünscht. Für die Erweiterung des Teams und für eine angemessene Vermarktung werden gewisse Geldmittel benötigt, die ein Unternehmen beim Bootstrapping nicht zur Verfügung stehen.

Diese Not kann dann natürlich sehr erfinderisch machen. Der Mangel an Geld wird durch Ideen ausgeglichen, sofern man solche hat.

Generell kann man aber sagen, dass wenn sich ein Unternehmen in einem Markt befindet, der schnell gesättigt sein wird und in dem Geschwindigkeit ein massiver strategischer Vorteil ist, Bootstrapping möglicherweise eine schlechte Idee ist.

Noch ein Nachteil, den Gründer beim Bootstrapping berücksichtigen sollten, ist der Mangel an Glaubwürdigkeit.

Keine externen Investoren zu haben, könnte die Glaubwürdigkeit eines Unternehmens von Anfang an beeinträchtigen, weil es so aussieht, als wäre niemand an dem Unternehmen interessiert. Auch wenn das gar nicht der Fall ist – es kommt einfach nur auf den Eindruck an.

Schließlich sollten Gründer noch berücksichtigen, dass Bootstrapping zu hohen psychischen Belastungen führen kann. Da sie sich selbst um alles kümmern, um Ausgaben zu sparen, sind sie stark mit einer Vielzahl von organisatorischen Aufgaben beschäftigt. Stichwort: Burnout durch Mikromanagement.

Und die fehlenden finanziellen Mittel können letztendlich zu existentiellen Sorgen führen, wenn man irgendwann das Gefühl hat, dass man gar nicht mehr weiß, wie man die nächsten Rechnungen bezahlen soll oder den nächsten Monat übersteht. Das gilt insbesondere wenn die erhofften Einnahmen überraschend ausbleiben.

Grundsätze des Bootstrappings

Das mag jetzt auf den ersten Blick tendenziell eher negativ klingen, aber für viele Gründer ist Bootstrapping tatsächlich eine Notwendigkeit, einfach weil aus verschiedensten Gründen kein externer Investor beziehungsweise kein externes Kapital vorhanden ist.

Es gibt dazu sogar Studien, die besagen, dass mehr als 80 Prozent der Unternehmensgründungen ohne externe Investoren erfolgen. Es besteht also auf jeden Fall Hoffnung auf Erfolg, wenn du die Methode des Bootstrappings anwendest.

Welche Grundsätze sollten Gründer nun befolgen, wenn sie Bootstrapping anwenden wollen (oder müssen)? Ich empfehle die folgenden:

  • Gründer sollten so schnell wie möglich mit einem operativen Geschäft beginnen. Das heißt: Ein Produkt oder eine Dienstleistung verkaufen, um Einnahmen zu generieren. Eventuell wird das Produkt im Laufe der Zeit verbessert und die Verbesserungen den Kunden und Nutzern zur Verfügung gestellt. Der Start sollte so früh wie möglich erfolgen. Damit verbunden sollten sich Gründer auf ein frühzeitiges Erreichen der Gewinnschwelle und eines positiven Cash-Flows konzentrieren. Ihr Fokus sollte in der Gründungs- und Frühentwicklungsphase auf dem „Cash“ – als laufend verfügbarer Liquidität – liegen.
  • Damit bedingt ist es wichtig, den Fokus auf den Vertrieb zu richten. Da ja schnell Einnahmen erzielt werden müssen, muss das Produkt oder die Dienstleistung verkauft werden. Wenn die Gründer also keinen Spaß haben am Verkaufen, wird es schwer für das Unternehmen.
  • Gründer sollten im Rahmen der Wachstumsstrategie entsprechend der nur begrenzt vorhandenen Ressourcen kontrolliert vorgehen und den Nutzen jeder Ausgabe genau durchdenken und mit den Unternehmenszielen abgleichen. Es ist immer zu fragen, welche Aufgaben selbst übernommen werden können, anstatt beispielsweise Dienstleister zu beauftragen. Aber Achtung: Oftmals wird Bootstrapping mit Sparwahn verwechselt. Ziel ist es aber nicht, dass die Gründer prinzipiell alles selbst machen und jeden Cent sparen. Es geht vielmehr darum, das vorhandene Geld und die verfügbare Zeit bewusst und effizient einzusetzen und Ausgaben kritisch zu hinterfragen.
  • Gründer sollten nicht mit hochbezahlten Teammitgliedern ohne Verständnis für die Gründerkultur des jungen Unternehmens arbeiten. Es ist vielmehr wichtig, dass die Teammitglieder an die Vision des Unternehmens glauben und über eine gewisse intrinsische Motivation für ihre Tätigkeit im Unternehmen verfügen. Teammitglieder, denen es von Anfang an nur ums Geld geht, werden in einem bootgestrappten Unternehmen schnell für Schwierigkeiten sorgen.
  • Obwohl sie derzeit nicht benötigt werden (oder nicht genutzt werden wollen), sollten Banken und potenzielle Investoren gepflegt und über die Entwicklung des Unternehmens auf dem Laufenden gehalten werden. Denn es kommt vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt die Notwendigkeit, externe Dritte an dem Unternehmen zu beteiligen. Dann zahlt es sich aus, wenn man seine Beziehungen gepflegt hat.

Ist Bootstrapping das Mittel der Wahl?

Es ist nicht einfach zu sagen, ob man eher ein Unternehmen bootstrappen sollte oder gleich mit externen Finanzierungen arbeitet. Letztendlich hat jede Finanzierungsmethode Vor- und Nachteile.

Auf jeden Fall kann man wohl sagen, dass in vielen Fällen als einzige Möglichkeit bleibt, mittels Bootstrapping zu starten. Da ist nichts verwerfliches dran.

Gründer sollten aber wissen, worauf sie sich einlassen und worauf sie achten sollten. Ein paar der heutigen Unicorns setzten bei der Gründung auf Bootstrapping – also nicht die Flinte ins Korn werfen!

Abschließende Bemerkung

Abschließend noch eine Anmerkung: Man kann wunderbar darüber streiten, ob Bootstrapping überhaupt eine Form der Finanzierung für Start-ups ist. Es steht vielleicht nicht auf gleicher Ebene mit den klassischen Finanzierungsmethoden wie Darlehen oder Venture Capital.

Wenn man sich jedoch auf die Frage konzentriert, wie ein Start-up seine notwendigen Ausgaben bestreitet und so das eigene Bestehen sichert, dann muss man meiner Ansicht nach Bootstrapping ganz klar als Form der Finanzierung ansehen.

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Über den Autor

Carsten Lexa

Carsten Lexa, LL.M. ist seit November 2005 als Rechtsanwalt tätig. Er berät Unternehmen in allen Angelegenheiten wirtschafts- und unternehmensrechtlicher Art. Bei BASIC thinking schreibt er über Start-ups und Unternehmen aus der juristischen Perspektive.