Wie profitiert die NBA von legalen Sportwetten in den USA?

Wie profitiert die NBA von legalen Sportwetten in den USA?

Philipp Ostsieker
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Gerade erst hat sich die NBA zum Thema Micropayment positioniert. Ab Herbst können Fans mit ihrem League Pass kleine Spielsegmente anstelle von umfangreichen Abos erwerben. Laut Commissioner Adam Silver könnte die NBA das Prinzip ausbauen. Denn: Der Oberste Gerichtshof in den USA könnte zeitnah positiv über die Legalisierung von Sportwetten entscheiden. Was hat die NBA vor?

Vereinfacht gesagt möchte die NBA zukünftig mit Sportwetten im großen Stil Geld verdienen.

In den USA ist das Konstrukt für Sportwetten vergleichsweise limitiert. Nur in Las Vegas hat der Staat Nevada eine Lizenz für Sportwetten an seine Casinos ausgestellt. Die Stadt erzielt jährlich etwa fünf Milliarden US-Dollar Umsatz mit Sportwetten. Die NBA möchte ein Stück vom Kuchen abhaben. Deshalb treibt sie eine Revolution im amerikanischen Glücksspielmarkt voran, nicht nur im Bezug auf Las Vegas. Denn: Wetten auf die NBA sollen in allen 50 Bundesstaaten legalisiert werden.

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Adam Silver tat seine Meinung bereits 2014 in der New York Times kund. Seine Hartnäckigkeit könnte sich nun auszahlen.

„Ich denke, die Vision geht so weit wie die Fantasie“, so Silver gegenüber SportTechie. „Ich bin selbst kein Technologie-Experte. Aber ich habe herausgefunden, dass in dem Maße, in dem wir uns die Dinge vorstellen können, Technologie-Experten herausfinden können, wie man sie umsetzt. Was ich herausgefunden habe, ist, dass die OTT-Plattformen uns Dinge ermöglicht haben, von denen wir in der Vergangenheit nur träumen konnten.“

Sportwetten nach europäischem Vorbild?

SportTechie zitiert Silver: „In Europa zum Beispiel, wo Sportwetten legal sind, kann man sich Spielströme ansehen und dann wetten, während man sie beobachtet. Das könnte eine weitere Art der Mikrotransaktion sein.“ Tatsächlich setzen viele Anbieter auf dynamische Sportwetten während des Spiels. Die Hoffnung: Fans sind hoch motiviert, passend dazu Live-Feeds zu nutzen.

Silver gab einige Beispiele für Sportwetten während des Spiels. Standardkategorien wie Sieg oder Niederlage würden uninteressanter werden. Fans könnten stattdessen auf die Punktausbeute wetten, die ein bestimmter Spieler im nächsten Viertel erzielen wird. Selbst wetten auf die Quote bei den nächsten beiden Freiwürfen wären möglich.

„Das sind alles potenzielle, zusätzliche Interaktionsformen für die Zuschauer“, so Silver.

Wer sich noch umfassender mit der NBA beschäftigen möchte, sollte unbedingt in diese Folge des Sports Maniac Podcasts hinein hören. Daniel Sprügel spricht mit Maik Matischak, Associate VP Communications bei der NBA.

Sportradar unterstützt NBA-Pläne

Sportradar ist offizieller Anbieter von Echtzeit-Statistiken der NBA. Gleichzeitig ist das Unternehmen der weltweit führende Anbieter von Integritätsdiensten für Sportwetten. Darunter fällt auch die Überwachung der Wettmärkte auf Unregelmäßigkeiten. Damit wäre Sportradar auch für die Bereitstellung eines großen Teils der Infrastruktur hinter den NBA-Plänen verantwortlich.

Laila Mintas ist Deputy President Sportradar US. Sie glaubt an das Potenzial für Sportwetten innerhalb eines legalen und regulierten US-Marktes. Auch sie glaubt an Wetten auf bestimmte Ereignisse, sogar auch in Echtzeit. Mintas zu SportTechie: „Diese Art von Wetten wird international und teilweise in Nevada angeboten, zum Beispiel zum Super Bowl. Die Verknüpfung dieser Art von Sportwetten mit einem OTT-Angebot ergibt Sinn, da der Markt wächst und reift.“

Die NBA ist übrigens nicht allein. Die MLB hat die Lobby-Aktivitäten unterstützt. Im Legal Sports Report sprechen die Verantwortlichen vom „Schutz der Integrität des Sports in einem regulierten Sportwettenmarkt“. Weiter sollen die Ligen „für ihre Investitionen, Risiken und Integritätskosten entschädigt werden sollten“. Wie hoch ist die Entschädigung?

Adam Silver fordert Integrity Fee

Adam Silver zum gewünschten Ansatz: „Ich würde alleine vom Standpunkt der NBA aus sagen, dass wir in diesem Jahr etwa 7,5 Milliarden Dollar für die Umsetzung dieser Spiele ausgeben werden. Das sind die Gesamtkosten für die Saison. Diese Vorstellung, dass wir als Urheber des geistigen Eigentums eine Gebühr von einem Prozent erhalten sollten, erscheint mir sehr fair.“

„Mit legalisierten Sportwetten entstehen enorme zusätzliche Kosten für die Liga, die direkt der Integrität dienen“, fügte Silver hinzu. „Wir haben nie vorgeschlagen, dass dies der einzige Weg ist, [das Thema] zu betrachten.“ Tatsächlich entstammt der Wert von einem Prozent direkt aus anderen Jurisdiktionen außerhalb der Vereinigten Staaten, die diese Gebühr als Vorbild dafür verwendeten, wie Ligen oder Content-Produzenten für die Nutzung ihres geistigen Eigentums entschädigt werden sollten“.

Die Meinungen zum Thema „Integrity Fee“ gehen auseinander. Dafür spricht, dass die Ligen mehr Zeit und Geld für die Datenüberwachung und Integritätsprotokolle aufwenden müssen. Kritiker entgegnen, dass die Liga-Wettbewerbe zwar die Grundlage für Sportwetten sein, die Ligen aber keine funktionale Rolle in der Branche spielen würden. Der Staat reguliert den Markt, die Wettanbieter betreiben das Geschäft. Die Ligen existieren einfach. Eine differenzierte Übersicht findet ihr hier.

Fest steht, dass für die NBA und andere Top-Ligen sehr wahrscheinlich neue Erlösströme entstehen werden. Die Macher des Legal Sports Reports sprechen von Hunderten Millionen Dollar pro Liga, sollten die Integrity Fees Realität werden.

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Philipp Ostsieker ist Medien- und Digitalmanager aus Hamburg. Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit als selbstständiger Digital Content Strategist schreibt Philipp für BASIC thinking die Kolumne „Matchplan“, in der er über den Tellerrand blickt und durch die innovativen Ideen der Sportbranche führt.