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Bücher für Gründer: Das Venture-Capital-Buch „Dealterms.vc“

Dealterms.vc, Venture Capital, Bücher für Gründer
Carsten Lexa hat "Dealterms.vc" für euch gelesen. (Foto: Unternehmen)
geschrieben von Carsten Lexa

Das nenne ich mal Timing! Da habe ich gerade die Artikelserie über Finanzierungsmöglichkeiten für Gründer abgeschlossen, in der ich unter anderem die Vor- und Nachteile von Venture-Capital-Finanzierungen beschrieben habe, und schon gibt es das Buch „Dealterms.vc“. Mit dem die Autoren Nikolas Samios und Anja Arnold einen „praxisnahen Leitfaden rund um Venture-Capital-Deals“ erstellt haben wollen. Ob das gelungen ist, lest ihr in diesem Review.

Der Hintergrund und Inhalt von Dealterms.vc

Die Autoren schreiben selbst: „Oberflächlich betrachtet stattet dieses Buch* Gründer wie Investoren mit viel praktischem Wissen zu allen relevanten Aspekten, typischen Konditionen, Haken und Ösen eines Venture Deals aus und gibt damit Werkzeuge an die Hand, um effektiver über einen Beteiligungsvertrag verhandeln zu können.“

Schaut man sich an, was in dem Buch an Inhalt abgedeckt wird, so findet man eine Menge. Zuerst geht es um die Grundlagen des Venture-Capital-Deals.

Also: Was ist eigentlich Venture Capital (VC) ist? Wie funktioniert das Geschäftsmodell? Was hat es mit dem Exit und den teilweise aus der Ferne nur schwer nachvollziehbaren Unternehmensbewertungen auf sich?

Darüber hinaus gibt es Informationen zum Ablauf einer Finanzierungsrunde, zu den verwendeten Vertragswerken und zu den sonstigen rechtlichen Besonderheiten.

Für mich als Anwalt war natürlich hochinteressant zu sehen, dass im nächsten Kapitel auf gut 100 Seiten Erläuterungen zu typischen Klauseln in einem Beteiligungsvertrag gegeben werden.

Ein Muster eines Beteiligungsvertrags wird dem Buch übrigens beigefügt – sowohl in gedruckter Form am Ende des Buchs, als auch zum Download über eine Website. Das nenne ich mal einen tollen Service!

Besprochen werden die – immer wieder vernachlässigten, aber sehr wichtigen – Vorbemerkungen zum Vertrag, die tatsächliche Vereinbarung über das getätigte Investment, die Garantien und die damit verbundenen Regelungen.

Das sind Regelungen zur Unternehmensführung, zur Anteilsübertragung und zum Exit sowie zu den – ebenfalls immer wieder vernachlässigten, aber sehr wichtigen – Schlussbestimmungen (wie Mitteilungen, anwendbares Recht, Streitbeilegungsklausel, etc.).

Schließlich gehen noch weitere Kapitel ein auf

  1. diejenigen Dokumente, die neben dem Beteiligungsvertrag wichtig sind,
  2. alternative Beteiligungsformen wie Wandeldarlehen, Media for Something, Crowdfunding oder Inkubatoren sowie auf
  3. gefährliche Regelungen im Beteiligungsvertrag und auf die Wahl der richtigen Rechtsform, wenn VC-Investments angenommen werden sollen.

Abgerundet wird das Buch durch eine Darstellung der Viten der Interviewpartner, die ihr Wissen und ihre Erfahrung für dieses Buch zur Verfügung gestellt haben.

Beurteilung

Gleich vorweg: Mir hat das Buch gefallen. Den Grund will ich euch auch gleich ohne weitere Verzögerung nennen.

Meiner Erfahrung nach vernachlässigen Gründer gerne die rechtlichen Aspekte, wenn es um die Beteiligung durch einen Investor geht. Das Geld des Investors lockt und für das doofe Papier, auf dem der Vertrag gedruckt ist, hat man keine Zeit und keine Nerven. Von Interesse will ich gar nicht erst sprechen.

Genau an dieser Stelle setzt aber Dealterms.vc an. Die Autoren schreiben in einem sehr lockeren Stil über den Sinn (und Unsinn) einer VC-Beteiligung, wie diese abläuft und eben auch über genau das Wesentliche: die Regelungen im Beteiligungsvertrag.

Dabei gelingt es ihnen, die Fachbegriffe zwar nicht zu vernachlässigen, aber dennoch verständlich – für Nichtjuristen und Laien – zu formulieren. Ich will es mal salopp sagen: Auch wenn das Buch einen juristischen Inhalt hat – man kann es lesen!

Darüber hinaus glorifizieren die Autoren nicht die Venture-Capital-Branche oder deren Investoren, sondern betrachten die Branche und ihre Akteure durchaus kritisch und mit einem gewissen nüchternen Abstand.

Mir gefällt das, denn zwar ist die Branche nicht so schlecht, wie sie immer dargestellt wird. Es ist aber auch nicht alles gut. Das kommt in diesem Buch gut raus.

Und noch zwei weitere Punkte sollen angesprochen werden. Zum einen stellen die Autoren heraus, dass VC-Investoren und Gründer auf Augenhöhe agieren sollen. Letztendlich sind die Investoren auf die Gründer angewiesen. Ein absolut wichtiger Punkt, der nicht oft genug erwähnt werden kann.

Zum anderen geht es bei VC-Investments ganz banal um das Geldverdienen. Dass die Autoren das schonungslos benennen, verdient Lob. (Auf Seite 14 werden völlig richtig die Grundsätze eines VC-Investments genannt. Dazu zählen unter anderem die Finanzierung ohne Sicherheiten, das Investment in die Fähigkeiten des Unternehmer-Teams oder die Erwartung eines Exits).

Kritikpunkt

Dennoch gibt es für mich einen Punkt, den ich kritisieren muss. Das ist die von VC-Investoren gerne verwendete „schnoddrige“ Sprache – ein mit englischen Floskeln und Begriffen durchsetztes Deutsch. Das findet sich auch in diesem Buch.

Die Autoren gehen zwar auf genau dies ein. (Auf Seite 83 und 84 setzen sie sich mit dem „VC-Sprech“ auseinander). Letztendlich kommen sie aber zu dem Schluss, dass die Verwendung dieses „Slangs“ in Ordnung ist, denn die bei VC-Investments verwendeten Begriffe gäbe es nun mal durchweg nur in Englisch. Außerdem hätten viele Start-ups und VCs hätten sowieso Englisch als die primäre Sprache eingeführt.

Echt jetzt? Mir kommt diese Begründung (Rechtfertigung?) ein wenig so vor, als würde zwischen den Zeilen stehen: Wir kommen halt aus Berlin und hier ist das Denglisch hip. Das musst du eben hinnehmen.

In der Praxis ist es eben nicht so, dass hippes Denglisch überall verwendet wird, wie es das Buch suggeriert. Die Verwendung scheint sich vielmehr auf einen relativ kleinen Personenkreis in der Bundeshauptstadt zu konzentrieren. Vielleicht wird so auch noch in ein paar anderen Gegenden in Hamburg oder München gesprochen.

In der deutschen „Provinz“ jedoch wirkt diese Sprache einfach nur gekünstelt und gezwungen hip. Einen Mehrwert bietet sie leider nicht.

In diesem Zusammenhang noch eine weitere Anmerkung: Der Mustervertrag liegt in englischer Sprache vor. Schade, dass es nicht möglich war, eine deutsche Version beizufügen. Ich bin mir sicher, dass viele Leser dies honorieren würden.

Fazit

Die oben dargestellten Kritikpunkte sollen nicht darüber hinweg täuschen, dass das Buch „Dealterms.vc“ von Nikolas Samios und Anja Arnold gut ist. Es wirft einen ziemlich umfassenden Blick auf die VC-Szene, auf die Motive für Investments und auf die Abläufe.

Ein Highlight ist die ausführliche Erläuterung der in Beteiligungsverträgen verwendeten Regelungen. Es ist dabei so geschrieben, dass der Inhalt verständlich wird. Da liest man gerne weiter.

Ein bisschen weniger hippen Berliner VC-Slang, das Vertragsmuster auch in deutscher Sprache – und das Buch wäre exzellent!

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Über den Autor

Carsten Lexa

Carsten Lexa, LL.M. ist seit November 2005 als Rechtsanwalt tätig. Er berät Unternehmen in allen Angelegenheiten wirtschafts- und unternehmensrechtlicher Art. Bei BASIC thinking schreibt er über Start-ups und Unternehmen aus der juristischen Perspektive.