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Tipps für Gründer: Dieses Kapital sollte jeder Gründer einplanen

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Häufig planen Gründer zu wenig Kapital ein. (Foto Pixabay.com / loufre)
geschrieben von Carsten Lexa

Einrichtung, Miete, Marketing, Stammkapital und mehr: Die Liste des Bedarfs an Kapital ist bei Gründern lange. Und obwohl es oftmals ähnliche Kostenpunkte gibt, vergessen viele Gründer häufig die nötigen Reserven einzuplanen. Eine Übersicht aller anfallenden Kosten.

Viele Gründer schreiben am Anfang ihrer Unternehmung einen Business-Plan. Darin gibt es dann Ausführungen zum Produkt, zum Markt, zu den Wettbewerbern, zum Team und zu den Planzahlen. Natürlich gibt es auch Aufstellungen zum benötigten Kapital. Aber ist diese Aufstellung immer vollständig?

Ich erlebe immer, dass in dieser Aufstellung die Kosten für Anschaffungen wie Produkte enthalten sind. Natürlich gibt es dann noch Posten wie Miete, eventuelle Angestellte und so weiter.

Manchmal werden auch pauschal „Kosten für Gründung“ eingestellt. Ich denke aber nicht, dass diese Positionen alleine ausreichend sind. Gründer sollten auch an folgendes denken:

Das Stammkapital

Das ist wirklich ein spannender Punkt. Denn dieses Geld sollte auf jeden Fall vorhanden sein. Denn sonst kann man ja die Gesellschaft, die man haben möchte, gar nicht gründen. (Dies ist natürlich besonders relevant bei der Gründung von Gesellschaften wie der GmbH, der UG oder der AG, die über ein Mindestkapital verfügen müssen).

Ich erlebe aber leider immer wieder, dass dieses Geld eben nicht eingeplant ist. In diesem Zusammenhang möchte ich auch mal mit einem Mythos aufräumen: Das Stammkapital steht der Gesellschaft zum Wirtschaften zur Verfügung und braucht nicht auf der Bank liegen.

Gründer können also das Stammkapital einplanen und dann damit die weiteren Ausgaben planen.

Wie findet man nun das Stammkapital, das vorhanden sein sollte (immer unter Berücksichtigung natürlich des gesetzlichen Mindestkapitals)? Gründer sollten sich alle Ausgaben sowie die potentiellen Ausgaben zusammenschreiben.

Dann würde ich noch mal einen ordentlichen Aufschlag von mindestens 25 Prozent einplanen. Der ist für die unvorhergesehenen Ausgaben, die aber leider auftauchen werden.

Ach ja, es kann sein, dass dieser Betrag plötzlich ziemlich hoch ist – vielleicht sogar höher als erwartet. Gratuliere: Damit sind die Gründer in der Realität angekommen.

Ich würde dennoch an dieser Stelle keine Kompromisse machen.

Die Erstausstattung

Die Büromiete, eventuelle Einrichtung, Verträge mit Mobilfunk- und Internet-Providern, Hosting für die Webseite, Anzeigen auf Google oder Facebook, die altbekannte Visitenkarte: Zum Start kommt einiges an Ausgaben zusammen.

Gründer sollten sich als Faustregel merken, dass das vorhandene Kapital so lange reichen muss, bis die ersten regelmäßigen Einnahmen vorliegen. Das können wiederkehrende Kunden oder das Erreichen einer gewissen Bekanntheit sein, aus der regelmäßig neue Kunden generiert werden.

Ach, noch ein Punkt: Ich zähle auch Versicherungen zur Erstausstattung, denn eine Versicherung macht ja nur Sinn, wenn sie von Anfang an vorhanden ist. Auch diese Kosten sind also einzuplanen.

Gebühren und Kosten für Dienstleister

Bei diesem Punkt machen die Gründer in meinen Augen die meisten Fehler, weil sie zu optimistisch kalkulieren.

So fallen regelmäßig Kosten für den Notar und das Handelsregister an. Letzteres gilt zumindest bei Gründung einer Kapitalgesellschaft oder einer GmbH & Co. KG. Hinzu kommen Beträge für die Gewerbeanmeldung.

Dann braucht man oftmals einen Steuerberater (für die Buchhaltung und die Umsatzsteueranmeldung – das kann natürlich auch ein anderer Dienstleister übernehmen) und einen Rechtsanwalt (ich weiß: der wird regelmäßig gar nicht eingeplant – wozu auch, alle Informationen findet man ja auch im Internet). Dann gibt es noch Patentanwälte, Marketing-Spezialisten, Vertriebsberater und und und …

Mir ist klar: Das kann man alles selbst machen. Aber ich bin der Ansicht, dass Gründer sich überlegen müssen, ob sie ihr Unternehmen weiterentwickeln und voranbringen wollen, oder ob sie sich mit Formalien, Regularien und Fristen herumschlagen wollen.

Nicht umsonst wird immer geraten, dass sich Gründer auf das konzentrieren sollen, was sie gut können. Die restliche notwendige Expertise können sie einkaufen. Dazu braucht man aber Geld.

Das Kapital für den Lebensunterhalt

Gründer sollten sich immer vor Augen halten, dass im Regelfall niemand auf ihr Produkt oder ihre Dienstleistung gewartet hat. Das heißt: Die Gewinnung von Kunden kann lange dauern.

Bis es aber soweit ist, wollen oder müssen die Gründer ja von etwas leben. Diese Kosten sollten ebenfalls eingeplant sein. Hier wären dann private Mietkosten, Essen und sonstige Ausgaben wie Versicherungen einzuplanen.

Fazit

Ich empfehle Gründern immer, sehr ehrlich zu sein bei der Planung der Kosten und Ausgaben. Denn nichts ist schlimmer als festzustellen, dass man den Finanzbedarf falsch eingeplant hat und nicht genügend Kapital vorhanden ist.

Dann muss man eventuell Geld nachschießen. Dabei stellt sich sofort die Frage, wo es herkommen soll. Alternativ sorgen die erhöhten Ausgaben dafür, dass die Planungen über den Haufen geworfen werden müssen und das Unternehmensziel eventuell verfehlt wird.

Gründer sollten insbesondere die unvorhergesehenen Kosten nicht auf die leichte Schulter nehmen. So kann eine Abmahnung, die man nach dem Online-Stellen der Webseite bekommt, weil sich dort ein Fehler befindet, schnell ein paar Hundert Euro kosten.

Das kann ein Problem werden, wenn man gerade eine UG mit einem Kapital von 1.000 Euro gegründet hat.

Plant also realistisch und lieber mit ein bisschen zu hohen Ausgaben. Ein Mix aus Eigen- und Fremd-Kapital kann hilfreich sein, wenn die Aufteilung sauber strukturiert ist. Hierzu gibt es gute Berater. Und für die ersten Infos sind Gründerstammtische eine gute Anlaufstelle. Habt keine Angst, andere Gründer um ihre Meinung zu fragen!

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Über den Autor

Carsten Lexa

Carsten Lexa, LL.M. ist seit November 2005 als Rechtsanwalt tätig. Er berät Unternehmen in allen Angelegenheiten wirtschafts- und unternehmensrechtlicher Art. Bei BASIC thinking schreibt er über Start-ups und Unternehmen aus der juristischen Perspektive.

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