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Wie sich eine Stadt zum Start-up-Hotspot entwickeln kann

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Auch kleine Städte können sich zu einem Start-up-Hotspot entwickeln. (Foto: Pixabay.com / mobasoft24)
geschrieben von Carsten Lexa

Wenn es um Hochburgen der Startup-Szene geht, dann denken die meisten schnell an das Silicon Valley, an London und Berlin oder auch an Paris und Stockholm. Danach kommt nicht mehr viel. Dabei geht oftmals unter, dass jede Stadt im Grunde eine lebendige Start-up-Szene entwickeln kann. Die Zutaten für einen Start-up-Hotspot sind gar nicht so schwer zu erkennen.

Als eines der Gründungsmitglieder von Gründen@Würzburg, der Initiative zur Schaffung und Entwicklung der Würzburger Start-up-Szene, und aktueller Sprecher dieser Szene konnte ich die Entwicklung in Würzburg hautnah mitverfolgen.

Natürlich ist Würzburg was die Größe und Sichtbarkeit der Szene angeht nicht mit dem Start-up-Hotspot Berlin und auch nicht mit München oder Hamburg zu vergleichen.

Nichtsdestotrotz hat sich die Szene in Würzburg seit 2014 großartig entwickelt. Sogar so gut, dass inzwischen auch der Stadtrat, die größte regionale Zeitung und die Parteien und sonstigen Organisationen, Verbände und Institutionen Notiz von der Szene nehmen.

Und Regionen und Städte wie der Landkreis Würzburg oder die Städte Bamberg und Schweinfurt verfolgen das Geschehen rund um Gründen@Würzburg genau. Wie konnte es dazu kommen?

Allgemeine Bedingungen für einen Start-up-Hotspot

Ich möchte nachfolgend versuchen, die Bedingungen, die für eine lebendige Start-up-Szene erforderlich sind, darzustellen und zu erläutern, was es an nützlichen Bedingungen in Würzburg schon gab und was wir neu geschaffen haben.

Der geneigte Leser (und natürlich auch die Leserin) kann anhand meiner Darstellung dann selbst gegenprüfen, welche Bedingungen schon in der eigenen Stadt erfüllt sind und was noch entwickelt werden sollte.

Ich muss an dieser Stelle natürlich darauf hinweisen, dass dieser Artikel eine Momentaufnahme nach fast vier Jahren darstellt. Wir lernen bei Gründen@Würzburg immer weiter dazu und versuchen ständig, die Bedingungen für Start-ups in Würzburg zu verbessern.

Ich kann nicht ausschließen, dass sich vielleicht ein paar meiner Ansichten in der nächsten Zeit ändern. Aber das ist ja gerade „Startup-like“: „You learn and you adapt.“

Es gibt meiner Ansicht nach ein paar grundsätzliche Bedingungen, die vorhanden sein sollten, damit man überhaupt an die Entwicklung einer Start-up-Szene denken kann. Folgende würde ich dabei nennen:

1. Pozential für Start-ups

Auch wenn es simpel klingt: Es muss überhaupt mal ein Potenzial vorhanden sein an gründungswilligen Personen. Das kann der Fall sein, weil diese Personen aus natürlichen Gründen vorhanden sind – zum Beispiel, weil die Stadt einfach so groß ist. Das gilt beispielsweise für London, Paris oder New York.

Oder aber es gibt ein bestimmtes Angebot, das potenzielle Gründer in eine Stadt zieht. In Würzburg sind das die Hochschulen. Es gibt ungefähr 38.000 Studentinnen und Studenten in Würzburg, die ihre Ideen mitbringen und sich über die Zukunft Gedanken machen.

Dass da nicht auch ein paar Gründungsinteressierte dabei sind, ist so gut wie ausgeschlossen.

2. Unterstützungsangebote

Dann bedarf es Unterstützungsangebote für mögliche Gründer. Natürlich fallen an dieser Stelle schnell so Worte wie Business Angels, Gründer-Netzwerke oder auch Investoren. Aber ich möchte noch einen Schritt zurückgehen.

In Würzburg haben wir gesehen, dass die Schaffung einer Gründerszene nicht von Business Angels oder Investoren abhängt, sondern ganz einfach von Institutionen und Organisationen, die potenziellen Gründern bei ihren ersten Fragen helfen.

So gibt es beispielsweise die IHK, die HWK, das IGZ und das TGZ. Ebenfalls aktiv sind das Servicezentrum Forschung und Technologietransfer der Gründerberatung der Fachhochschule im öffentlichen Sektor sowie diverse private Angebote.

Darüber hinaus brauchen potenzielle Gründer Möglichkeiten, sich mit anderen Gründern in kleinem Kreis auszutauschen, Recherche zu betreiben und Dinge auszuprobieren.

Hier sind natürlich Hochschulen, Maker Labs und Coworking Spaces sinnvoll, was es in Würzburg übrigens alles gibt. Neben privat betriebenen Coworking Spaces gibt es zwei, die von der Stadt betreut werden. Das Maker Lab „Fab Lab“ wird in Form eines Vereins betrieben.

3. Niedrige Kosten zum Leben, gute Lebensbedingungen und die Möglichkeit, sesshaft zu werden

Es mag trivial erscheinen, aber die meisten Gründerinnen und Gründer überlegen sich irgendwann, sesshaft zu werden – vielleicht eine Familie zu gründen. Dann jedoch ändern sich die Bedürfnisse.

Waren es vielleicht vorher die lebhafte Kneipenszene und das Sportangebot, so geht es später um öffentlichen Nahverkehr, Bauplätze und die Qualität der Schulen. Städte tun gut daran, sich einmal die vorhandenen Angebote anzusehen und zu prüfen, ob diese Angebote attraktiv sind.

Insbesondere die jungen Menschen heutzutage sind viel mobiler als es früher der Fall war und informieren sich genau über das, was Städte zu bieten haben. Städte stehen viel mehr als früher im Wettbewerb!

Eine Stadt kann noch so tolle Geschäfte in der Innenstadt bieten: Wenn man sich dort keine Wohnung oder kein Haus leisten kann, deshalb ins Umland ziehen muss, aber von dort nicht mehr in die Start kommt, bringen die besten Angebote nichts.

Eine Stadt muss ihren Bürgern etwas bieten – und das gilt insbesondere für kosmopolite und die Freiheit des Reisens und des mobilen Arbeitens kennende Gründer.

Würzburg ist hier ein interessantes Beispiel. Denn neben der Kompaktheit der Innenstadt, wo man alles gut zu Fuß oder Fahrrad erreichen kann, gibt es eine Vielzahl von Gemeinden um Würzburg herum, aus denen man relativ schnell mit Bus und Bahn in die Innenstadt gelangen kann.

Des Weiteren sind die Mieten noch einigermaßen niedrig und die Lebensqualität ist hoch. Der durch die Stadt ziehende Main bietet ausreichend Erholung. Außerdem verfügt die Stadt über große Grünflächen und gleichzeitig eine Vielzahl von unterschiedlichen Geschäften in der Innenstadt und eine gute Versorgung im Umland.

4. Kulturelle Angebote

Eine Stadt muss seine Bürger faszinieren. Dazu bedarf es Abwechslung, Aktivitäten und Ereignisse, die dafür sorgen, dass sich die Bürger gerne in der Stadt aufhalten.

Manche Städte lohnt es gar nicht zu nennen. Sie faszinieren die Menschen nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Dazu gehören Hamburg, München und Berlin sowie London, Miami, Paris, Mailand, Shanghai, Tokio, Sydney oder Wien.

Jede dieser Städte steht für irgendetwas, das unverwechselbar mit dieser Stadt verbunden ist und bietet darüber hinaus eine Vielzahl von Aktivitäten, um sich noch attraktiver zu machen.

Was dort im Großen gilt, gilt natürlich auch im Kleinen. Würzburg kann vielleicht nicht die Top-Museen oder Großereignisse bieten, über die in der Welt gesprochen wird. Nichtsdestotrotz bietet die Stadt eine erstaunliche Fülle an Festivals. Dazu gehören zum Beispiel das „Umsonst & Draußen“ oder das „Africa Festival“.

Und auch Konzerte und sonstige Festivitäten – zum Beispiel rund um den Wein oder das sogenannte Bridgen – tragen zur Attraktivität von Würzburg als potenzieller Start-up-Hotspot bei.

Daneben gibt es natürlich eine lebendige Kneipenszene und viele Orte, an denen man viele Menschen trifft, die gerne abfeiern. Ich bin überzeugt: Ohne diese Vielzahl an Angeboten wäre Würzburg bei weitem nicht so attraktiv.

Im zweiten Teil dieses Artikels möchte ich am nächsten Donnerstag, den 27. September 2018, darauf eingehen, welche Maßnahmen Würzburg ergriffen hat, um ein potenzieller Start-up-Hotspot zu werden.

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Über den Autor

Carsten Lexa

Carsten Lexa, LL.M. ist seit November 2005 als Rechtsanwalt tätig. Er berät Unternehmen in allen Angelegenheiten wirtschafts- und unternehmensrechtlicher Art. Bei BASIC thinking schreibt er über Start-ups und Unternehmen aus der juristischen Perspektive.

2 Kommentare

  • Städte als Start-up-Hotspot sind nur ein Teil des Problems. Viel zu oft werden die Gründer nach der Start-up-Phase von Problemen übermannt, für die sie in der nötigen Schnelligkeit keine Hilfe finden. Das betrifft das Thema „Kultur unternehmerischen Handelns“. Leben wir in einer Gesellschaft, die nicht nur Start-ups fördert, sondern auch anschließend an deren wirtschaftlichem Überleben und nachhaltiger Kreativität interessiert ist? Wenn nicht, dann ist Start-up-Förderung zum Teil zum Fenster raus geworfenes Geld. Start-up- und Unternehmensförderung beginnt damit, ob Lehrer in der Schule Unternehmer und Gründer für geldgierige Exoten hält, die man ertragen muss, oder ob ihr Wert für eine funktionierende und sozial sichere Gesellschaft erkannt und geschätzt wird.

    • Sehr geehrter Herr Schmidt,
      Sie haben vollkommen recht mit Ihren Ausführungen. Ich nehme das gerne auf und schreibe dazu in einem meiner nächsten Artikel über meine entsprechenden Erfahrungen.
      In dem vorliegenden Artikel ging es mir aber erst einmal darum aufzuzeigen, was meiner Meinung nach erforderlich ist, damit es überhaupt eine gewisse Startup-Community in einer Stadt gibt. Denn viele Städte und Regionen versuchen es entweder gar nicht, sich mehr für Startups zu engagieren (weil sie dem Irrtum aufliegen, dass sie für Startups nicht interessant wäre), oder sie machen nicht genug. Beides ist in meinen Augen nicht sinnvoll.
      Mit besten Grüßen,
      Carsten Lexa

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