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2019: In Afrika werden dieses Jahr die Machtverhältnisse neu geordnet

Credit: Unsplash/Element5 Digital
geschrieben von Felix Baumann

Wahlen sind die Basis für eine freie und demokratische Gesellschaft. Jeder Einzelne kann durch das Einwerfen eines Zettels oder das Drücken auf einen Bildschirm entscheiden, in welche Richtung sich sein Land in den nächsten Jahren entwickeln wird. In diesem Jahr stehen bei uns nur vereinzelt Wahlen (unter anderem die Europawahl) statt, während auf Kontinenten wie Afrika heuer von einem regelrechten Wahljahr gesprochen werden kann. In vielen Ländern wird der Präsident (beispielsweise Nigeria, Tunesien, Mauretanien), das Parlament (beispielsweise Guinea, Kamerun, Mali) oder der jeweilige Ausschuss (beispielsweise Ghana, Niger) gewählt.

Viele Länder haben aber schon allein mit internen Konflikten zu kämpfen. In Libyen haben sich nach der gewaltsamen Absetzung von Muammar Gaddafi im Jahr 2011 Dutzende Interessensgruppen gebildet, die innerhalb des Landes immer wieder in Konflikte geraten. Andere Länder, wie Südafrika und Nigeria, bereiten sich auf eine Flut von Fake News vor, die die Wähler verunsichern und Kandidaten in den Dreck ziehen sollen. Als erste Maßnahme haben hier Nachrichtenorganisationen und die Fake-News-Schleuder Facebook mehrere Kampagnen gestartet, um die Verbreitung von Falschnachrichten einzudämmen. Andere Länder wie Mali oder der Tschad machen es wiederum ganz konsequent: Sie fahren das Internet ganz herunter.

Nachfolgend sind die wichtigsten Wahlen nach Wahltermin sortiert aufgeführt:

Februar: Nigeria

Am 16. Februar entscheiden sich die Nigerianer, wer ihr nächster Präsident sein soll. Der aktuelle Amtsinhaber Muhammadu Buhari, möchte mit dem Versprechen Korruption zu bekämpfen weiterhin im Amt bleiben. Sein vielversprechendster Konkurrent Atiku Abubakar will dagegen die Wirtschaft ankurbeln und die teilweise hohe Arbeitslosigkeit bekämpfen. Durch die junge Bevölkerung des Landes haben aber auch andere Kandidaten wie Oby Ezekwesili von der Initiative #BringBackOurGirls eine Chance.

Februar: Senegal

Auch im Senegal, der durch seine intelligenten Städte in der letzten Zeit in den Nachrichten war, wird dieses Jahr gewählt. Amtsinhaber Macky Sall will die Wirtschaft weiterhin antreiben und seine Initiative zum Ausbau des Gesundheitswesens, von Bildung und der Verwaltung voranbringen. Gegenkandidaten haben nur geringe Chancen, da gegen die zwei führenden Kandidaten der Opposition wegen Korruption ermittelt wird.

April: Algerien

Nach über zwei Jahrzehnten an der Macht, möchte Abdelaziz Bouteflika weiterhin an der Spitze stehen. Der 81-Jährige ist dabei extrem gesundheitlich angeschlagen und sprach das letzte Mal vor 6 Jahren an sein Volk. Wahrscheinlich wird die dort regierende Partei „Nationale Befreiungsfront“ mit der aktuellen Stabilität im Land argumentieren, um Bouteflika weiterhin im Amt zu behalten.

Mai: Südafrika

Am Kap der Guten Hoffnung ist die aktuelle politische Situation eher unruhig. Nach einem Korruptionsskandal musste der ehemalige Machtinhaber Jacob Zuma gehen und Cyril Ramaphosa übernahm seine Rolle. Nun möchte dieser auch in der Bevölkerung seine Macht festigen, indem vor allem jüngere Wähler angesprochen werden sollen. Die südafrikanische Gesellschaft wird immer populistischer. In der Folge haben sich viele Menschen den radikalen „Economic Freedom Fighters“ angeschlossen.

Mai: Malawi

Hier stehen am 21. Mai gleich Parlaments-, Präsidentschafts- und Kommunalwahlen an. Der amtierende Präsident Peter Mutharika befindet sich aktuell in einem Korruptionsskandal. Ihm wird vorgeworfen, im Rahmen eines Regierungsvertrags über 4 Millionen Dollar einen unbekannten Betrag angenommen zu haben. Als Gegengewicht stehen der ehemalige Vizepräsident Saulos Chilima und die frühere Präsidentin Joyce Banda in den Startlöchern.

Mitte 2019: Mauretanien

Seitdem der amtierende Präsident Mohamed Ould Abdel Aziz nach einem Putsch vor 11 Jahren im Amt ist, möchte dieser sich an die geltende Verfassung halten und einen Nachfolger für die nächste Amtszeit finden. Das Land wurde in der Zeit ziemlich reformiert: Unter anderem wurden eine neue Flagge und eine neue Nationalhymne eingeführt.

Oktober: Mosambik

Am 15. Oktober sind die Einwohner des Landes zu Präsidentschafts-, Gesetzgebungs- und Provinzwahlen eingeladen. Aktuell finden Friedensgespräche mit der aktuellen Oppositionspartei National Resistance (Renamo) statt, die in einem Bürgerkrieg zwischen 1976 und 1992 involviert war. Als wahrscheinlich gilt, dass Präsident Filipe Nyusis mit seiner regierenden Mosambik-Befreiungsfront (Frelimo) den Sieg erringt.

Oktober: Botswana

Seit 1966 ist hier die Demokratische Partei an der Macht. Natürlich möchte man diese weiterhin besitzen und schickt daher den bereits regierenden Präsidenten Mokgweetsi Masisi ins Rennen. Ihm werden auch gute Chance vorausgesagt, dass er auch diese Wahl für sich entscheiden wird.

Oktober: Namibia

Hier möchte der amtierende Präsident Hage Geingob und seine Partei SWAPO eine Wiederwahl einfahren. Aktuell hat man sich auf die Fahne geschrieben, die Verteilung des Landes zu reformieren. Denn in Namibia haben gerade einmal 10 Prozent der Einwohner eine helle Hautfarbe, besitzen aber 70 Prozent des kommerziellen Ackerlandes.

Dezember: Tunesien

Nach dem Sieg im Jahr 2014 ist sehr wahrscheinlich, dass der aktuell 92 Jahre alte Beji Caid Essebsi erneut antritt. Ziel hier ist das Wiederherstellen der wirtschaftlichen und politischen Stabilität und die Bekämpfung von Arbeitslosigkeit, steigenden Lebenshaltungskosten und der teils schlechten Sicherheitslage. Die Wähler sind aktuell im Land sehr verzweifelt, was durch eine Wahlbeteiligung von 33,7 Prozent im Mai 2018 (Kommunalwahlen) unterstrichen wird. Erst kürzlich steckte sich ein Journalist aus Protest selbst in Brand.

Via Quartz Africa

mittwald

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Über den Autor

Felix Baumann

Felix Baumann ist seit März 2022 Redakteur bei Basic Thinking. Bereits vorher schrieb er 4 Jahre für den Online-Blog Mobilegeeks, der 2022 in Basic Thinking aufging. Nebenher arbeitet Felix in einem IT-Unternehmen und beschäftigt sich daher nicht nur beim Schreiben mit zukunftsfähigen Technologien.

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