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Start-up-Check! Plastikfrei verpackt in eine ökologische Zukunft mit Superseven

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Ökologisch abbaubare Verpackungen: Dafür setzt sich das Start-up Superseven ein. (Foto: Pixabay.com / Pezibear)
geschrieben von Christoph Hausel

In der Serie „Start-up-Check!“ nehmen wir regelmäßig die Geschäftsmodelle von Start-ups unter die Lupe. Wer steckt hinter dem Unternehmen? Was macht das Start-up so besonders und was gibt es zu kritisieren? Heute: Superseven.

Start-ups. Das klingt nach Erfindergeist, Zukunftstechnologien, neuen Märkten. Doch in der Realität erweisen sich viele der Neugründungen leider oft als eine Mischung aus einer E-Commerce-Idee, planlosen Gründern und wackeligen Zukunftsaussichten. 

Dabei gibt es sie durchaus: Die Vordenker, die an den großen Problemen tüfteln und Geschäftsmodelle revolutionieren. Diese zu finden und vorzustellen, ist die Aufgabe des Formats Start-up-Check. Heute: Superseven aus Wenthof bei Hamburg.

Wer steckt hinter Superseven?

Bereits 2017 taten sich Katja Seevers, Sven Seevers und Hannes Füting unternehmerisch zusammen, um an ihrer Vision zu arbeiten. Alle drei waren zuvor langjährig als Produktdesigner im Geschäft – und diese Branche ist es auch, die sie in eine ökologische Zukunft führen wollen.

Gemeinsam entstand damals die Idee, umweltfreundliche, kompostierbare Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen attraktiv zu gestalten.

Als Geschäftsführer von Superseven treten Katja Seevers und Ehemann Sven Seevers auf. Hannes Füting ist als Partner Teil der Geschäftsleitung. Die Arbeitsaufteilung ist trotz gleichem beruflichem Hintergrund klar strukturiert.

Katja Seevers ist die Strategin des Dreigestirns. Sie managt Vertrieb und Service und wird von ihren Kompagnons liebevoll die „Organisationsmaschine“ genannt. Sven Seevers, der Profi für Materialien, Herstellungsprozesse und Technologien, tüftelt gerne und ist für die technische Realisierung der Entwürfe federführend verantwortlich.

Hannes Füting gestaltet als Spezialist für Markenentwicklung, digitale Kommunikation und Produktinnovation nicht nur die eigene Produktpalette. Er berät auch die Kunden von Superseven in Design-Fragen und entwickelt Konzepte, wie Marken plastikfrei werden können. Denn genau darum geht es: plastikfrei verpacken.

Was macht Superseven?

Plastik vermeiden, Verpackungen verbannen – das wünschen wir Verbraucher uns! Wirklich? Eigentlich fühlen wir uns doch besser, wenn die Einkäufe in unseren Körbchen und Wägelchen schön und luftdicht verpackt sind.

Bei Lebensmitteln ist es uns aus Hygienegründen ganz recht, bei technischen Geräten garantiert es uns die Gewährleistung, dass vorher noch niemand an den Knöpfen gedreht hat.

Und manchmal kaufen wir sogar Dinge einfach, weil die Verpackung so schön aussieht! Komplett verpackungsfrei scheint also eine Utopie zu sein. Gut, dass es Superseven gibt. Das junge Unternehmen verspricht: ökologisch unbedenkliche Verpackungen mit schönem Design.

Unter dem Namen der Eigenmarke Repaq bietet Superseven kreislauffähige Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen, die abbaubar oder technologisch wiederverwendet werden können.

Drei unterschiedliche Varianten der lebensmittelechten Transparentfolie gibt es als Rollware:

  • Zunächst Repaq Garden aus reiner, leicht abbaubarer Cellulose,
  • dann Repaq Industry und zuletzt
  • Repaq Recycle aus ebenfalls kompostierbaren Materialien für den industriellen Gebrauch.

Wie viel Tage Repaq für die Kompostierung benötigt? Die Antwort auf die Fragen aller Fragen: 42. Nach 42 Tagen also, so das Versprechen der Gründer, haben sich die Verpackungen komplett kompostiert und gehen so wieder in den ökologischen Kreislauf ein.

Als Materialen werden neben Zellulose vor allem Papier, Karton, Stärke, Zucker und Öl sowie die in industriellen Kompostieranlagen abbaubaren Polylactide (PLA) verwendet.

Was macht Superseven so besonders?

Nachhaltige Verpackungsalternativen bieten auch Mitbewerber wie Bio4Pack oder Naturapack an. Aber Superseven produziert nicht nur Packfolien. Nein, sie bieten ihren Kunden auch umfassende Beratung in Sachen Nachhaltigkeit und Ökologie.

Zunächst analysieren sie gemeinsam mit den Unternehmen die bestehenden Verpackungen und konzeptionieren dann einen für die jeweilige Produktpalette geeigneten Lösungsansatz. Die transparenten Folien sind bedruckbar und werden – wie soll es bei Produktdesignern anders sein – ansprechend gestaltet.

Produziert wird ausschließlich in Europa – auch, um die Transportwege kurz zu halten. Als Abrundung übernimmt Superseven schließlich nicht nur die Zertifizierung der neuen Verpackungen, sondern kommuniziert auch für den Kunden.

Hat das Team von Superseven die Zertifizierung für eine Verpackung – beispielsweise durch Din Certco, Vincotte oder TÜV – erhalten, drucken sie das Gütesiegel direkt auf die Verpackungen.

So gekennzeichnet machen die Unternehmen auf die nachhaltige Hülle aufmerksam und schaffen damit im besten Fall gleich einen Kaufanreiz für den Verbraucher.

Bisher realisiert Superseven den gesamten Beratungs- und Produktionszyklus für 30 Unternehmen in Europa. Dazu zählt beispielsweise der renommierte Bio-Anbauverband Demeter.

Verpackt werden neben Lebensmitteln und Spielwaren auch Textilien, Zeitschriften und Papierwaren, Hygieneartikel aber auch elektronische Waren und Bauteile. Vorerst sind die Schleswig-Holsteiner noch im B2B-Sektor tätig. Doch sie stehen bereits in Verhandlungen mit Großhändlern, um künftig auch kleinere Margen anbieten zu können.

Nicht nur die Kunden sind begeistert vom Produkt, überzeugt sind auch die Experten. 2018 kam Superseven gar nicht mehr aus dem Entgegennehmen von Preisen heraus.

Sie erhielten den Start-up-Preis für Kreislaufwirtschaft Green Alley Award, den Green Product Award, der grüne Produkte und Konzepte prämiert, sowie im Rahmen des Existenzgründerpreises der Lübecker Nachrichten den Innovations- und Mutpreis.

Der mit 5.000 Euro dotierte Publikumspreis des Unternehmenswettbewerbs KfW Award Gründen war dann noch eine zusätzliche Finanzspritze für das Unternehmen, das den Rest der 200.000 Euro Startkapital über private Investitionen und Wagniskapital finanzierte.

Gibt es Kritikpunkte?

Umweltschutz kostet – und so ist es auch mit der umweltfreundlichen Verpackung Repaq.

Weil die Zellulose, die ausschließlich aus Resten nachhaltiger Holzwirtschaft stammt, etwa dreimal so viel kostet, wie Mineralöl, liegen auch die Kosten nach der Verarbeitung zwischen 30 und 100 Prozent über den Preisen der Plastikkonkurrenz.

Darüber hinaus ist die Verpackungsindustrie noch skeptisch – selbst wenn man die hohen Kosten außer Acht lässt. Entscheidungen hin zur grünen Verpackung verlaufen träge.

Zusätzliche Hürden wie die Komplexität der Entwicklungsprozesse sowie die vielfältigen gesetzlichen Bestimmungen, die eingehalten werden müssen, verdeutlichen: Die Durchdringung des Marktes mit plastikfreien Verpackungen ist ein langwieriges Unterfangen und keine schnelle Lösung.

Fazit

Superseven bietet mit Repaq als erstes Unternehmen in Europa eine transparente Verpackungsfolie, die bedruckt und somit schön gestaltet werden kann. Es ist die erste plastikfreie, bedruckbare Folienverpackung, die zu 100 Prozent abbaubar ist.

Die verwendete Zellulose stammt aus zertifizierter, garantiert gentechnikfreier Holzwirtschaft und von schnell wachsenden Pflanzen. Der Industrie sollte es die Mehrkosten Wert sein, mit Repaq zu verpacken.

Und wir Verbraucher? Wir dürfen uns in der Zukunft weiterhin über gut verpackte Produkte freuen – ganz ohne schlechtes Gewissen oder Reue.

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Über den Autor

Christoph Hausel

Co-Owner & Managing Director von ELEMENT C

Christoph Hausel, studierter Jurist und erfahrener Kommunikationsprofi, steht zahlreichen Acceleratoren / Inkubatoren und VCs als Mentor und Experte zur Seite: next media accelerator, initiiert von der dpa, MediaLab Bayern, Münchner Ideen-Inkubator für den digitalen Journalismus, Wayra, der Startup-Track von Telefónica und den STARTUP TEENS.

2002 gründete er die Kommunikationsagentur ELEMENT C. Damals als reine PR-Agentur konzipiert, fokussiert sich ELEMENT C seit 2005 auf die interdisziplinäre Verknüpfung von PR und Design, um ein langfristiges Markenbewusstsein zu schaffen.

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