Wikipedia, WT Social, Social Media

Mit dem Wikipedia-Prinzip zum Erfolg? Das steckt hinter WT Social

Vivien Stellmach
Das neue Netzwerk WT Social soll den Grundprinzipien von Wikipedia folgen. (Foto: Pixabay.com / geralt)

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Jimmy Wales ist Mitgründer der Online-Enzyklopädie Wikipedia – und baut ein soziales Netzwerk auf, das ohne Werbung auskommt. In WT Social soll die Community sogar ausgewählte Beiträge bearbeiten können. Hat das Netzwerk gegen Facebook eine Chance? Eine Einordnung.

„Tschüss, Facebook – es ist Zeit für etwas Neues.“ Mit diesen Worten kündigte Jimmy Wales laut dem Online-Portal Heise sein eigenes soziales Netzwerk auf der Messe Digital X in Köln an.

Es soll WT Social heißen und zunächst einmal den Wikipedia-Prinzipien folgen. Das bedeutet, dass die gesamte Community auf Wunsch Beiträge im Netzwerk bearbeiten kann – wie bei Wikipedia eben.

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„Meine Idee ist es, die Prinzipien von Wikipedia auf ein soziales Netzwerk zu übertragen“, sagte Wales auf der Digital X.

Nutzer gestalten die Inhalte selbst mit

Grundsätzlich ist WT Social natürlich wie ein soziales Netzwerk aufgebaut: Nutzer können sich mit ihren Freunden verbinden, Beiträge posten und in einem Newsfeed sehen, was Freunde teilen.

Zusätzlich erlaubt uns das Netzwerk dann auch, an den Inhalten mitzuarbeiten. Das Netzwerk ermöglicht theoretisch also kollaboratives Arbeiten. Man kann demnach beispielsweise einen Text posten und seine Freunde um Verbesserungsvorschläge bitten. Diese könnten den Beitrag dann direkt bearbeiten.

Die gemeinschaftliche Arbeit soll natürlich auf wahren Fakten basieren. WT Social verspricht, alle gesammelten Daten auch niemals zu verkaufen.

WT Social ist werbefrei

Zudem will sich WT Social genau wie Wikipedia über Spenden und einen kleinen Teil der Nutzer finanzieren. Deshalb soll das Netzwerk laut Wales auch komplett werbefrei sein – anders als Facebook und Co., die komplett auf personalisierte Werbung bauen.

Bei der Online-Enzyklopädie funktioniert das System schon seit Jahren. Die Chancen stehen für Wales also mutmaßlich gar nicht schlecht, dass er auf diese Weise auch sein soziales Netzwerk finanzieren kann.

Jimmy Wales: „Ihr werdet eine Freundschaftsanfrage von mir bekommen“

WT Social ist schon online, befindet sich allerdings noch in der Aufbauphase. Wales arbeitet laut eigener Aussage gerade mit zwei Entwicklern daran.

Und der Gründer gab auch schon ein Versprechen an Nutzer ab, die sich jetzt schon registrieren: „Ihr werdet eine Freundschaftsanfrage von mir bekommen“, sagte er auf der Digital X. „Ich versende sie persönlich.“

WT Social will Facebook Konkurrenz machen

Zu den Hintergründen von WT Social sagte Wales, dass Facebook als Gigant unter den sozialen Netzwerken mit personalisierter Werbung nur auf die Erregung und Empörung seiner Nutzer setzen würde, um möglichst viele Klicks zu generieren.

Er will mit seinem Netzwerk also Facebook auch gleich Konkurrenz machen. Wenn man beachtet, dass der Konzern aus Menlo Park in der jüngsten Vergangenheit vor allem wegen Hasskommentaren und Datenskandalen auf sich aufmerksam machte, scheint Wales dafür auch den richtigen Zeitpunkt gewählt zu haben.

Vollwertige Alternative oder ergänzendes Netzwerk?

In der Theorie klingt das Konzept von WT Social sehr interessant. Die Frage ist, ob genug Nutzer das Netzwerk auch als vollwertige Alternative zu Facebook sehen.

Immerhin entwickelt sich Facebook vom sozialen Netzwerk mit zahlreichen Funktionen immer mehr zur Alleskönner-Plattform. Dass WT Social werbefrei ist, dürfte als alleiniges Argument kaum ausreichen, um Facebook zu verlassen.

Auch, dass man Beiträge auf Wunsch von der ganzen Community bearbeiten lassen kann, dürfte vielmehr eine hilfreiche Ergänzung zu anderen Netzwerken sein. Es bleibt also abzuwarten, über welche Funktionen das neue Netzwerk noch verfügt und wie gut diese mit Facebook und Co. mithalten können.

Wenn wir die Funktion zur kollaborativen Arbeit vernünftig und gut nutzen können, dürfte WT Social die Welt der sozialen Netzwerke aber zumindest schon einmal sehr bereichern.

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Vivien Stellmach war von Mai 2019 bis November 2020 Redakteurin bei BASIC thinking.