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140 Sekunden statt 280 Zeichen? Twitter führt Sprachnachrichten ein und wird alle nerven

Philip Bolognesi
Grund für den Richtungswechsel: Angeblich sollen mit den Audio-Tweets Missverständnisse vermieden werden. (Foto: Unsplash.com / Claudio Schwarz | @purzlbaum)

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Was bitte macht Twitter da? Der Kurznachrichtendienst testet aktuell Audiobotschaften, mit denen Nutzer gesprochene Tweets verschicken können. Überschwemmen nun Twitter-Sprachnachrichten unsere Feeds beim blauen Vogel? Bei denen piept’s wohl. Ein Kommentar.

Wann war eigentlich nochmal der 1. April? Lassen wir uns das mal auf der Zunge zergehen: Twitter-Sprachnachrichten. Vielleicht wird es ja ein paar Mitstreiter geben, die sich zum Team Audio zählen. Ich bin auf jeden Fall Team Text!

Ehe ich mich in Rage rede, sollten wir uns vor Augen führen, was in aller Welt Twitter dazu bewegt, nun gesprochene Tweets zu testen.

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Steht Twitter mit dem Rücken zur Wand?

Twitter hat vor kurzem vieles richtig gemacht. Vor allem, als das Unternehmen Tweets von Donald Trump unter die Lupe nahm, sie mit einem Warnhinweis kennzeichnete und sie einem Faktencheck unterzog. Und ein anderes Mal verschwand ein Tweet dieses Präsidentendarstellers komplett.

Ebenso richtig empfand ich die Maßnahme von Twitter, dass Nutzer nur dann Tweets retweeten können, wenn sie den verlinkten Artikel auch wirklich gelesen beziehungsweise angeklickt haben.

Doch jetzt verspielt das Unternehmen von Jack Dorsey Kredit. Will sich Twitter für neue Nutzer öffnen, attraktiver sein und somit neue Zielgruppen ansprechen?

Ende April ließ Twitter durchblicken, trotz steigenden Umsatzes Verluste einzufahren. Die Nutzerzahlen steigen zwar, doch die Erlöse für Anzeigen brachen in der Pandemie weg. Versucht also Twitter mit den Twitter-Sprachnachrichten den Anzeigenmarkt neu zu beleben?

Laut eigenen Angaben soll das neue Feature dazu verhelfen, Nuancen in der Kommunikation besser verständlich zu machen. Ebenso sollen Miss-Interpretationen so besser vermieden werden. Doch verscherzt es sich Twitter damit nicht mit seiner Community? Und verwässert Twitter nicht so auch seinen Markenkern?

Hat Twitter eigentlich die Folgen überhaupt im Blick?

Es scheint fast so, als ob die Idee bei Twitter an einem Brainstorming-Tag entsprungen sei. Mir fallen spontan ganz viele Fragezeichen von den Augen.

Was ist denn mit gezielten Fehlinterpretationen und mit Hatespeech? Werden damit nicht allen Verschwörungstheoretikern und fehlgeleiteten Twittern so alle Türen und Tore geöffnet?

Kann eine Künstliche Intelligenz da wirklich alle relevanten Infos herausziehen und diese Shortcasts entsprechend markieren?

Wie sieht es mit den nützlichen Hashtags und @-Tags aus? Und außerdem: Twitter hat für viele Brands und Publisher enorme SEO-Relevanz. Wird dann eine KI Dolmetscher spielen und Audio-Tweets für Google SEO-konform verschriftlichen?

Twitter-Sprachnachrichten als Chance für neue Anzeigenprodukte

Eventuell straft uns Twitter Lügen und wird sich ganz neu erfinden.

Gravierende Veränderungen sind bekanntlich in vielen Fällen auch ein Schritt in eine bessere und erfolgreichere Zukunft. Vielleicht ist das Argument für eine bessere Verständlichkeit auch vorgeschoben und Twitter möchte seine Werbeerlöse einfach nur steigern – mit Audio-Ads.

Dass Twitter etwas unternehmen musste, lag auf der Hand. Doch die ehemals 140 Zeichen zeichneten sich auch deswegen aus, weil jeder gehalten war, auf den Punkt zu kommen. Jetzt haben Nutzer 140 Sekunden oder mehr Zeit, ihre Tweets in die Ohren ihrer Follower zu zwitschern.

Na dann: fröhliches Säuseln.

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Philip Bolognesi war von 2018 bis 2020 in der Redaktion von BASIC thinking tätig. Er hat Kommunikationswissenschaften studiert und ist zertifizierter Social-Media-Manager. Zuvor hat er als freiberuflicher Online-Redakteur für CrispyContent (Serviceplan Berlin) gearbeitet und mittelständische Unternehmen in ihrer Online-Kommunikation beraten. Ihn trifft man häufig im Coworking-Space Hafven in Hannover.