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Google will digitale Spionage verbieten – und scheitert an sich selbst

Vivien Stellmach
Das Verbot für digitale Spionage bei Google ist nach hinten losgegangen. (Foto: Unsplash.com / bernardhermant)

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Google hat ein Verbot für Software ausgesprochen, mit der Nutzer andere ohne deren Zustimmung ausspionieren können. Allerdings werben viele Firmen weiter für entsprechende Produkte. Digitale Spionage wird auf der Suchmaschine also dennoch vermarktet. Ein Eigentor von Google?

In einem Blog-Post hatte Google im Juli 2020 angekündigt, dass Stalkerware ab dem 11. August 2020 nicht mehr in der Suchmaschine beworben werden darf.

Damit wollte das Unternehmen digitale Spionage verbieten. Denn Software, die Nutzer dafür verwenden, andere Menschen ohne deren Zustimmung auszuspionieren, war ursprünglich vor allem für Eltern gedacht, um ihre Kinder im Blick zu behalten.

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Aber entsprechende Produkte sind leider schon längst zweckentfremdet worden, um beispielsweise den eigenen Partner auszuspionieren.

Digitale Spionage: Google spricht ein Verbot aus – und scheitert selbst

Der 11. August 2020 ist jedenfalls gekommen und vergangen. Und trotzdem werben immer noch zahlreiche Unternehmen für Stalkerware. Das US-amerikanische Technik-Portal Techcrunch hat als erstes Medium darüber berichtet.

Demnach geht von der Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) seit 2019 zwar eine internationale Kampagne aus, welche sich gegen das Geschäft mit digitaler Spionage stellt.

Viel im Vergleich zu Google kann die EFF aber so nicht ausrichten, auch wenn bei der Kampagne sogar Gewaltschutz-Organisationen, Wissenschaftler und Hersteller von Antiviren-Programmen mitmachen. In den USA ist die Bundeshandelsbehörde sogar schon gegen ein Unternehmen vorgegangen.

Entsprechende Firmen vermarkten ihre Stalkerware nämlich zu stark über Google-Anzeigen, als dass man die digitale Spionage wohl über diesen Kanal so einfach eindämmen kann. Google spricht also ein Verbot aus – und scheitert gleich an sich selbst.

Digitale Spionage: Firmen nutzen eine Hintertür zur Vermarktung

Denn laut einem Bericht von Netzpolitik spuckt Google immer noch zahlreiche Anzeigen aus, wenn man nach „Freund/in Telefon überwachen“ sucht.

Netzpolitik habe einen Tag nach dem Werbeverbot ebenfalls „problemlos Anzeigen für zahlreiche der Apps auf Google“ finden können, „darunter Flexispy, Mspy, Hellospy und Kidsguard“ – alle sollen ihre Software nach wie vor bewerben.

Aber wie ist das überhaupt möglich? Die Firmen nutzen eine Art Hintertür, die Google in der neuen Regelung eben nicht verschlossen hat. Demnach gilt das Verbot nämlich nicht für Produkte und Dienstleistungen, die für Eltern zur Überwachung ihrer minderjährigen Kinder gedacht sind.

Damit, dass sich solche Produkte eben auch ganz leicht zweckentfremden lassen, um Freunde oder den eigenen Partner auszuspionieren, will Google offenbar nichts zu tun haben. Möglicherweise denkt der Konzern auch an die Umsätze, die er durch die entsprechenden Anzeigen generiert.

Google schießt ein Eigentor

Ein Google-Sprecher sagt dazu:

Um betrügerischen Akteuren entgegenzuwirken, die versuchen, unser Produkt zu missbrauchen und sich der Durchsetzung unserer Richtlinien zu entziehen, achten wir bei der Beurteilung der Einhaltung der Richtlinien unter anderem auf verschiedene Signale wie den Anzeigentext, das Werbemittel und die Landing Page.

Und weiter:

Wenn wir feststellen, dass eine Anzeige oder ein Werbetreibender gegen unsere Richtlinien verstößt, ergreifen wir unmittelbar entsprechende Maßnahmen.

Das Statement klingt etwas verschwommen – eben so, als würde Google sich die Hintertür bewusst offen halten wollen. Welche Intention Google wirklich verfolgt, darüber können wir aber nur spekulieren.

Wünschenswert wäre natürlich nur gewesen, dass Google kein Eigentor schießt, sondern eine konsequente Regel gegen digitale Spionage aufstellt.

Digitale Spionage ohne Stalkerware

Einige Sicherheitsforscher haben allerdings auch herausgefunden, dass digitale Spionage ohne Stalkerware genauso geschieht – und dass die Software möglicherweise gar nicht so bedeutend ist.

So haben Forscher der US-amerikanischen Cornell University Studien mit Menschen durchgeführt, die Gewalt in der Partnerschaft erlebt haben. Dabei soll nur in einem einzigen Fall auch installierte Stalkerware im Spiel gewesen sein.

Damit sollten wir das nicht ausreichende Verbot von Google aber nicht schönreden. Stalkerware ist ein Mittel zum Zweck, das digitale Spionage ermöglicht und bestimmt auch erleichtern kann. Und das sollte sich ein Konzern wie Google bewusst machen, Verantwortung übernehmen und dagegen vorgehen.

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Vivien Stellmach war von Mai 2019 bis November 2020 Redakteurin bei BASIC thinking.