Stalkerware, Spionage, Datensicherheit, Datenschutz

Stalkerware: So überwachen Ex-Partner und Eltern andere Menschen

Vivien Stellmach
Die Nutzung von Stalkerware ist in Corona-Zeiten gestiegen. (Foto: Pexels.com / Noelle Otto)

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Die Ausgangsbeschränkungen während des Corona-Lockdowns haben dazu geführt, dass die Nutzung von Spy- und Stalkerware um 51 Prozent gestiegen ist. Können wir unsere persönliche und digitale Sicherheit überhaupt noch selbst gewährleisten? Eine Einordnung.

In unserer digitalen Welt findet Stalking längst nicht mehr nur persönlich statt. Die sozialen Medien bieten uns heutzutage natürlich schon einmal reichlich Fläche, um zu verfolgen, was andere Menschen aktuell tun, wo sie sich zuletzt aufgehalten haben und so weiter.

Diese Informationen teilen wir aber bewusst mit unseren Freunden und sozialen Kontakten. Wir können niemanden verurteilen, der uns auf diesem Weg auf Instagram und Co. folgt beziehungsweise verfolgt.

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Stalkerware: Corona-Lockdown begünstigt digitales Stalking

Der Antiviren-Software-Anbieter Avast hat herausgefunden, dass während der Ausgangsbeschränkungen in der Corona-Pandemie das digitale Stalking weltweit zugenommen hat.

Demnach soll die Nutzung von Spy- und Stalkerware seit März 2020 im Vergleich zu den vorherigen beiden Monaten um 51 Prozent gestiegen sein. Alleine in Deutschland will Avast seitdem mehr als 1.784 Nutzer vor Spionage-Apps, vor allem vor Stalkerware, geschützt haben.

Diese Zahl entspreche einem Anstieg von 110 Prozent im monatlichen Durchschnitt.

Unter Stalkerware verstehen wir eine Software, mit der sich der Aufenthaltsort einer Person verfolgen und auf persönliche Fotos und Videos zugreifen lässt. Auch E-Mails, Texte und Chats über WhatsApp und Facebook lassen sich mit Stalkerware abfangen.

Telefongespräche und Gespräche über das Internet bleiben ebenfalls nicht verschont. Sie lassen sich abhören und verdeckt aufzeichnen, ohne dass die entsprechende Person davon weiß. Das können sich beispielsweise Ex-Partner und Eltern zu Nutze machen.

Nutzung von Stalkerware steht in Verbindung mit häuslicher Gewalt

Laut Avast kann die Nutzung von Stalkerware auch in Verbindung mit häuslicher Gewalt stehen, die gerade während des Corona-Lockdowns zugenommen habe.

Phumzile Mlambo-Ngcuka, Executive Director von UN Women, bezeichnet diese Zunahme häuslicher Gewalt auch als eine „Schattenepidemie“ des Coronavirus. Die UN Women ist eine Einheit der Vereinten Nationen für Gleichstellung und Ermächtigung der Frauen.

Körperliche Gewalt hat während des Corona-Lockdowns zugenommen

Janina Steinert, Professorin für Global Health an der Technischen Universität München, und Cara Ebert vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, haben gemeinsam eine Online-Befragung zur körperlichen Gewalt in Deutschland durchgeführt.

An der Befragung haben rund 3.800 Frauen zwischen 18 und 65 Jahren teilgenommen. Die Ergebnisse zeigen, dass körperliche Gewalt gegen Frauen um 3,1 Prozent und emotionale Gewalt um 3,8 Prozent gestiegen ist.

Das ist deshalb wichtig zu wissen, weil gerade Smartphones mit installierter Spy- und Stalkerware den Tätern eine Möglichkeit bieten, Kontrolle über ihre Opfer zu gewinnen.

Stalkerware ist gefährlicher als Spyware und Infostealer

Laut Jaya Baloo, Chief Information Security Officer von Avast, ist gerade Stalkerware auch gefährlicher als Spyware und Infostealer.

„Stalkerware ist eine wachsende Kategorie von Malware mit beunruhigenden und gefährlichen Auswirkungen“, sagt er. „Während Spyware und Infostealer versuchen, persönliche Daten zu stehlen, ist Stalkerware anders: Sie stiehlt den Opfern sowohl die physische als auch die digitale Freiheit und Privatsphäre.“

Normalerweise würde Stalkerware heimlich von „vermeintlichen Freunden, eifersüchtigen Ehepartnern, Ex-Partnern und sogar besorgten Eltern auf Mobiltelefonen installiert“.

Die Software verfolge „den physischen Aufenthaltsort des Opfers“, überwache „im Internet besuchte Seiten, Textnachrichten und Telefonanrufe“ und untergrübe „die individuelle Freiheit sowie die Online-Freiheit einer Person“.

So schützt du dich gegen Spy- und Stalkerware

Einen 100-prozentigen Schutz gegen Spy- und Stalkerware gibt es laut Avast nicht. Der Internet Security-Spezialist PSW Group hat allerdings ein paar Tipps zusammengefasst, wie du dich so gut wie möglich gegen die Spionage schützen kannst.

Die Expertin Patrycja Tulinska rät: „Die Antiviren-Software auf jedem Endgerät sollte immer aktuell sein und regelmäßige Scans schaffen eine gute Basis, dass Spy- oder Stalkerware auch aufgespürt werden. E-Mail-Anhänge oder Datei-Downloads sollten zudem nur aus bekannten und vertrauenswürdigen Quellen geöffnet werden. Gleiches gilt im Übrigen auch für kostenfreie Software. Vor Installation kann ich nur dringend empfehlen, Herkunft und Funktion zu prüfen.“

Im Internet sollten wir zudem Werbeanzeigen oder Links nur mit großer Vorsicht anklicken. Und wer glaubt, dass sein Smartphone mit Stalkerware befallen sein könnte, sollte den PIN und die Passwörter für alle digitalen Accounts ändern.

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Vivien Stellmach war von Mai 2019 bis November 2020 Redakteurin bei BASIC thinking.