Tüv, Hauptuntersuchung, Plakette

Hauptuntersuchung: Darum kann der TÜV dein Auto nicht richtig prüfen

Marinela Potor
Der TÜV beklagt, dass er wichtige Bereiche im Fahrzeug nicht prüfen kann. (Foto: TÜV NORD)

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Eigentlich soll die Hauptuntersuchung beim TÜV dein Fahrzeug von Front bis Heck gründlich prüfen. Doch wie der aktuelle TÜV-Report zeigt: Das können Prüfer derzeit gar nicht. 

Bremsen, Lichtanlagen oder Motor – all das kommt bei der Hauptuntersuchung beim TÜV gründlich unter die Lupe.

Doch es gibt zwei wichtige Bereiche, zu denen TÜV-Prüfer kaum Zugang haben, wie der aktuelle Jahresreport des TÜV-Verbandes zeigt: Digitalisierung und Klimaschutz.

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Abgasuntersuchung? Mangelhaft

„Schlecht gewartete Fahrzeuge werden mit dem Alter immer schmutziger“, sagt Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands. Umso wichtiger sei es daher, Partikelfilter, AdBlue-Anlagen und Software-Steuerungen für Abgase gründlich prüfen zu können.

Das gilt natürlich umso mehr, wenn man an den Abgasskandal zurückdenkt, in denen genau diese Abgas-Software von mehreren Autoherstellern bewusst manipuliert wurde und die Fahrzeuge letztlich mehr Emissionen ausstießen als offiziell angegeben.

Doch bislang können Prüfer diese Aspekte nur sehr bedingt unter die Lupe nehmen. „Die Prüfer brauchen Zugang zu umweltrelevanten Daten, um Schäden und Manipulationen an der Abgasaufbereitung besser erkennen zu können“, fordert Bühler darum.

Darüber hinaus findet immer noch keine verbindliche Prüfung von Stickoxiden und Messung von Partikelzahlen bei Dieselfahrzeugen und Benzinern statt.

Ursprünglich sollte die Partikelmessung für Diesel Anfang 2021 eingeführt werden. Der Termin musste aber verschoben werden, amtliche Vorgaben für die Prüfgeräte fehlten.

Hauptuntersuchung: Prüfer kaum Zugang zu digitalen Systemen

Ein weiteres Feld, bei dem der TÜV bei der Hauptuntersuchung im Dunkeln tappt, sind digitale Systeme. Hier gibt es für Prüfer nur sehr eingeschränkt Zugang.

Prüfer dürfen nämlich aus Datenschutzgründen bislang lediglich das Notruf-System (E-Call) sowie Software-Updates für die Abgasreinigung einsehen.

Daten zu digitalen Assistenzsystemen, wie etwa Notbremse oder Spurhalteassistent, dürfen die Prüfer aber nicht erhalten.

Sollte hier jedoch ein Sensor verschmutzt sein oder ein Autofahrer ein Update verpasst haben, könnte dies ein hohes Sicherheitsrisiko bergen, klagt der TÜV.

Auch bei Elektroautos wären Informationen zum Akku-Zustand hilfreich.

Um das Problem des Datenschutzes zu lösen, hat der TÜV vorgeschlagen, die Daten der Fahrzeuge verschlüsselt auf einen Server einer neutralen Institution zu übertragen.

Es mag bessere Regelungen dafür geben. Klar ist jedenfalls: Eine Lösung muss her.

Denn Fahrzeuge werden immer digitaler. Tesla testet derzeit schon ein Software-Update mit vollautonomen Kapazitäten und in einigen Jahren sollen auch in Deutschland schon erste Autos mit vollautonomen Features testweise über die Straßen rollen.

In ferner Zukunft wird sich das Auto wahrscheinlich selbst warten können. Doch bis dahin fehlt den TÜV-Prüfern der Zugang zu wichtigen Daten, sowohl bei der Digitalisierung als auch bei der Abgasuntersuchung.

Jahresbericht 2021: Positive Bilanz

Insgesamt zog der TÜV-Verband in seiner Jahresbilanz aber eine überwiegend positive Bilanz.

Die Zahl der Fahrzeuge, die aufgrund von „erheblichen Mängeln“ keine TÜV-Plakette erhalten hatten, ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,6 Prozentpunkte gesunken.

Gesamt-Testsieger war, wie auch im Vorjahr, der Mercedes GLC.

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Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt.