Wirtschaft

Berlin-Tegel: Was passiert eigentlich mit dem Flughafen nach der Schließung?

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Berlin hat große Pläne für den ehemaligen Flughafen Berlin-Tegel. (Foto: Tegel Projekt GmbH)
geschrieben von Marinela Potor

Der Flughafen Berlin-Tegel geht, der neue BER kommt. Doch was passiert eigentlich mit dem alten TXL-Gelände? Hier soll eine grüne und innovative Stadt der Zukunft entstehen.

Es hat lange gedauert, doch seit dem 31. Oktober 2020 ist der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) offiziell eröffnet. Doch was passiert dann eigentlich mit dem alten Flughafen Berlin-Tegel?

Berlin-Tegel: Innovation und Nachhaltigkeit auf 500 Hektar

Hier soll eine smarte, grüne, familien- und technologiefreundliche Stadt der Zukunft entstehen. Das klingt ambitioniert – und ist es auch. Allein das Areal des ehemaligen Flughafens Berlin-Tegel ist riesig. Mit 500 Hektar entspricht dies in etwa fünf Prozent des Stadtgebietes von Paris.


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Auf dieser Fläche sollen nun genau genommen zwei Großprojekte umgesetzt werden: The Urban Tech Republic und das Schumacher Quartier. Das Land Berlin hat für die Umsetzung das landeseigene Unternehmen Tegel Projekt GmbH beauftragt.

The Urban Tech Republic will Start-ups anlocken

Bei der Urban Tech Republic liegt der Fokus auf Forschung und Wirtschaft. Insgesamt sollen sich hier rund 1.000 kleinere und größere Unternehmen mit insgesamt etwa 20.000 Beschäftigten ansiedeln. Angeblich soll dies eine Bruttowertschöpfung von 2,6 Milliarden Euro pro Jahr generieren.

Darüber hinaus soll es auch einen Campus für insgesamt 5.000 Studierende geben. Die Tegel Projekt GmbH spricht daher davon, wie in der Urban Tech Republic künftig ein Dreiklang aus Forschen, Entwickeln und Produzieren zusammenkommen könnte.

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Forscher, Studierende und Gründer sollen in der Urban Tech Republic zusammenkommen. (Foto: Tegel Projekt GmbH)

Neben traditionellen Unternehmen möchte man hier auch einen Raum für Start-ups schaffen und so gemeinsam mit Gründern, Investoren, jungen Talenten und Wissenschaftlern gemeinsam die „Stadt von morgen“ entwickeln. Das ist jedenfalls der Anspruch.

Schumacher Quartier: Für bezahlbare Unterkünfte, gegen Wohnungsnot

Interessanterweise will man aber keinen reinen Industrie- oder Unternehmenspark schaffen. Die andere Hälfte des Areals von Berlin-Tegel ist für das Schumacher Quartier vorgesehen.

Das Schumacher Quartier beschreiben die Planer als smartes Wohnviertel. Insgesamt 10.000 Menschen könnten hier in 5.000 Wohnungen leben – mit Kitas, Schulen und Einkaufsmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe.

Angesichts der wachsenden Bevölkerung, gepaart mit steigenden Mietpreisen in Berlin sollen diese Wohnungen bezahlbar und auch eine Hilfe gegen die Wohnungsnot der Hauptstadt sein. Dazu sollen im Nachbarviertel Cité Pasteur und in Tegel Nord 4.000 weitere Wohnungen gebaut werden.

Im Zentrum steht dabei ein nachhaltiges Energiekonzept mit Biogas und Solarstrom sowie Elektromobilität und eine Smart-Grid-Steuerung.

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Das Schumacher Quartier soll um ein nachhaltiges Energiekonzept herum gebaut werden. (Foto: Tegel Projekt GmbH)

Damit hier wirklich eine Smart City entsteht, hat man sich darüber hinaus für die Umsetzung sieben Leitlinien gesetzt:

  1. Urbane Lebensräume
  2. Wohnen für Alle
  3. Stadtgrün und öffentlicher Raum
  4. Offene Bildungslandschaft
  5. Klimagerechte und wassersensible Stadtentwicklung
  6. Quartier mit umweltfreundlicher Mobilitätsgarantie
  7. Kommunikation, Partizipation und Transparenz

Berlin-Tegel: Smart City ab 2027

Bislang ist all das allerdings noch Zukunftsmusik. Zunächst muss die Tegel Projekt GmbH das Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin-Tegel übernehmen. Das soll Mitte 2021 erfolgen. Ab Herbst 2021 könnten dann aber schon erste Bagger für die Tiefbauarbeiten rollen.

Wenn alles nach Plan läuft, soll die Smart City in Berlin-Tegel ab 2027 fertiggestellt sein.

Die Planer sprechen von einem „weltweit einmaligen“ Projekt. Das mag etwas überschwänglich sein. Rund um den Globus sind Städte wie Dubai, Singapur oder auch Helsinki mit ihren Smart-City-Projekten schon wesentlich weiter.

Auch die Idee einer Stadt der Zukunft an einem Flughafen ist nicht einzigartig. In Oslo entsteht mit der Oslo Airport City bereits eine der grünsten und modernsten Städte Europas.

Dennoch: Angesichts der Herausforderungen für Großstädte, von wachsender Bevölkerung bis hin zum Klimawandel, können neue, ehrgeizige Projekte wie Berlin-Tegel sicher nicht schaden.

In gewisser Hinsicht schließt sich damit auch der Kreis für die TXL-Fläche. Denn nach dem Zweiten Weltkrieg sollte hier kein Flughafen, sondern ein Stadtviertel entstehen.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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