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Firmenanteile weggeben? Diese 3 Fehler sollten Gründer unbedingt vermeiden

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Bevor du Firmenanteile weggibst, solltest du genau darüber nachdenken. (Foto: Unsplash.com / Henry Be)

Woran scheitern Start-ups? Fehlendes Kapital, kein Marktbedarf am entwickelten Produkt oder ein schlechtes Team – das sind die Punkte, die die meisten Gründer auf dem Schirm haben. Doch ein oft unterschätztes Problem sind falsche Entscheidungen zu Shareholdern. Die Investoren Tim Schumacher und Stephan Jacquemot von TS Ventures erklären, welche Fehler Gründer unbedingt vermeiden sollten, wenn sie Firmenanteile weggeben.

Investoren mit ins Boot holen ist für Start-ups ein wichtiger Schritt. Investoren bringen schließlich nicht nur wichtiges Kapital mit, sondern auch Branchenkenntnisse und ein großes Netzwerk, die dein Start-up zu einem erfolgreichen Unternehmen machen können.

Umso wichtiger ist es daher, bei Entscheidungen zu Shareholdern umsichtig zu sein und nicht in die typischen Gründer-Fallen zu tappen.

Kurzfristig mögen diese Fehler zunächst nicht einmal sonderlich auffallen. Doch langfristig können sie deinem Unternehmen massiv schaden und Investoren sogar davon abhalten, in ein Unternehmen mit einer „falschen“ Gesellschafterstruktur zu investieren.

Insbesondere die drei folgenden Fehler solltest du dabei unbedingt vermeiden.

1. Am Anfang zu viele Firmenanteile weggeben

Vor allem in der ersten Gründungsphase benötigen Start-ups viel Kapital – oder glauben das zumindest. Jungunternehmen suchen daher häufig eine finanzielle Unterstützung direkt für die ersten 18 oder gar 24 Monate. Demgegenüber steht aber in der Regel eine noch geringe Firmenbewertung.

Als Folge geben Start-ups zu viele Firmenanteile zu früh weg, anstatt in den ersten Monaten daran zu arbeiten, Kunden zu gewinnen, um dadurch den Firmenwert nach oben zu treiben.

Wenn du außerdem mehr als 25,1 Prozent deiner Anteile einem Investor gibst, hat dieser großen Einfluss auf die strategische Ausrichtung deines Start-ups, was durchaus zu schwierigen Gesprächen führen kann, wenn Gründer und Investor nicht einer Meinung sind.

Unser Tipp: Regele idealerweise deine Finanzen nur für die ersten zwölf Monate. Erfahrungsgemäß ist dies nämlich die Phase, in der Start-ups sehr stark ihren Firmenwert steigern.

So gehst du am Start mit einer soliden Bewertung auf Investorensuche und hast im Anschluss an die erste Finanzierungsrunde noch genügend Anteile für weitere Investoren.

2. Zu viele Investoren mit kleinen Anteilen dazuholen

Wer ein Unternehmen gründet, weiß: Start-ups sind kein Sprint, sondern ein Marathon. Entsprechend viele Menschen helfen dir auf dem Weg zur Gründung. Webdesigner, Anwälte, Unternehmensberater, gute Freunde: All diese Menschen helfen jungen Gründern bei ihren ersten Schritten.

Nicht immer kann man als Gründer für diese Dienste marktgerechte Preise zahlen. Daher klingt es erstmal nachvollziehbar, wenn du deine Weggefährten am potenziellen Erfolg deiner Firma teilhaben lassen möchtest – und ihnen im Gegenzug Firmenanteile gibst.

Das mag fair erscheinen, ist aber ein großer Fehler, wenn du dabei dein Unternehmen aus dem Blick verlierst.

Denn oft haben diese ersten Weggefährten nur einen kurzen Einfluss auf den Erfolg deines Start-ups. Als Gründer bezahlst du diese frühe Unterstützung mit einer Währung – nämlich deinen Firmenanteilen –, die im besten Fall über die Zeit stark anwächst aber dann nicht mehr im Verhältnis zur ursprünglichen Leistung steht.

Ein Beispiel: Wenn du als Gründer einem Designer ein Prozent deiner Firmenanteile überschreibst, weil du gerade die Rechnung von 2.000 Euro nicht bezahlen kannst, deine Firma aber schon nach einem Jahr durch eine Finanzierungsrunde 1,5 Millionen Euro wert ist, dann hast du deinen Designer mit 15.000 Euro bezahlt.

Bei einem Firmenwert von 15 Millionen Euro sogar mit 150.000 Euro. Ein stolzer Preis für zwei Tage Arbeit! Tatsächlich sendest du mit einer „Bezahlung durch Firmenanteile“ kein gutes Signal an den Markt, was auf lange Sicht deiner Firmenbewertung schaden wird.

Anteilseigner (oder Shareholder) sollten daher nur Führungskräfte, Top-Talente und Investoren sein. Ansonsten solltest du keine Firmenanteile weggeben.

Und im Fall von Investoren sollten diese mehr mitbringen als nur Kapital. Schließlich sollen sie dein Unternehmen langfristig voranbringen, sei es, weil sie finanzstark sind und frisches Kapital mitbringen, sei es, weil sie ausgewiesene Branchenkenntnisse haben und dir mit Know-how zur Seite stehen oder auch, weil sie Zugang zu Talenten haben, die Innovationen in dein Start-up bringen.

Investoren, die nicht zu deinem Geschäftsmodell passen, können dir dagegen langfristig mehr schaden als nutzen. Wir empfehlen daher, auch wenn es schwerfällt, Anteile nur den Personen zu geben, die deinem Unternehmen langfristig den meisten Mehrwert bieten.

3. Anteile bei Ex-Gründern belassen

Ein weiterer Punkt, den viele Gründer unterschätzen, sind Anteile, die bei ehemaligen Mitgründern verbleiben.

So mag man anfangs motiviert im Team starten. Es ist aber nicht selten, dass Mitgründer noch im Gründungsprozess aussteigen. Möglicherweise lässt einfach das Interesse nach oder es gibt zu große Meinungsverschiedenheiten.

Es kann auch schlicht sein, dass sie eine lukrative neue Karrieremöglichkeit bekommen oder sich aus familiären Gründen zurückziehen müssen.

Wenn aber nicht klar geregelt ist, dass Mitgründer beim Ausscheiden Firmenanteile wieder zurückgegeben müssen, landest du schnell bei folgendem Szenario.

Du treibst jahrelang das Unternehmen alleine voran und dein ehemaliger Mitgründer partizipiert weiterhin am Erfolg deiner harten Arbeit, ohne auch nur einen Finger dafür krumm zu machen, da er ja genau wie du nach wie vor Anteilseigner der Firma ist.

Das ist nicht nur extrem frustrierend, sondern auch de facto ein riesiger finanzieller Verlust für dich als verbliebener Gründer, da dir ja eigentlich die Anteile deines ehemaligen Mit-Gründers auch zustehen – denn du arbeitest hart dafür, er nicht mehr.

Stell daher von Anfang an Cliff- und Vesting-Regelungen auf und kläre, wie und in welcher Form Firmenanteile bei einem eventuellen Ausscheiden von Partnern zurückgehen, um spätere Konflikte zu vermeiden.

Fazit: Unterschätze Entscheidungen zu Shareholdern nicht

Unsere Erfahrung zeigt: Shareholder-Strukturen werden dein Unternehmen stark prägen. Viele Gründer unterschätzen dies aber, insbesondere am Anfang, und bereuen dann ihre Entscheidungen später. Nicht selten führt das sogar zum Scheitern deines Start-ups!

Daher ist es umso wichtiger, dir die Zeit zu nehmen, um dir über deine Gesellschafter-Zusammensetzung Gedanken zu machen. Denn damit ersparst du dir später nicht nur viele Probleme. Der Erfolg deines gesamten Unternehmens kann davon abhängen.

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