Wirtschaft

Warum auch deine Karriere „Narben“ braucht

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Eine Karriere ohne Fehler ist keine gute Karriere. (Foto: Unsplash.com / Hunter Newton)
geschrieben von Christian Erxleben

Welche Fehler hast du während deiner beruflichen Laufbahn bislang begangen? Wer auf diese Frage keine Antwort weiß, hat laut einem der besten Headhunter der Welt geringe Chancen auf einen Führungsjob. Wir alle müssen unsere Fehler anerkennen. Ein Kommentar.

In jedem Bewerbungsgespräch gibt es unangenehme Fragen. Das ist klar. Dabei macht es auch keinen Unterschied, wie gut wir uns auf ein Gespräch vorbereiten. Denn letztendlich verfolgen Personal-Verantwortliche und Headhunter mit ihren Fragen genau dieses Ziel.

Sie wollen dich aus der Reserve locken und sehen, wie du reagierst. Was hinter so manchen skurril erscheinenden Bewerbungsfragen steckt, ist nichts anders als eine Transferaufgabe.


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Wenn du beispielsweise beantworten sollst, wie du einen Elefanten durch eine Tür bekommen würdest, geht es keineswegs darum, diese Aufgabe tatsächlich auszuführen. Im Hintergrund der Frage stehen Aspekte wie logisches Denken oder die Problemlösungsfähigkeit.

Warum sich Headhunter „Narben“ und Fehler wünschen

Eine weitere beliebte Frage in Vorstellungs- und Bewerbungsgesprächen betrifft die eigenen Fehler. Dabei handelt es sich eigentlich nicht um eine einzelne Frage, sondern um einen gesamten Katalog an Fragestellungen.

  • Was ist Ihre größte Schwäche?
  • Warum würden Sie sich selbst nicht einstellen?
  • Welche Eigenschaft zeichnet Sie aus, die Sie gerne verbergen würden?

In der Regel geht es dem Fragesteller darum, dass der Bewerber beweist, dass er zu Selbstreflexion und Ehrlichkeit in der Lage ist. Eine weitere Frage in diesem Kanon ergänzt Roger Duguay: „Gibt es irgendetwas, das Sie in den vergangenen fünf Jahren anders gemacht hätten?“

Diese Frage zählt in dieser oder leicht abgewandelter Form zum Standard-Portfolio von Duguay. Er arbeitet seit 25 Jahren für die kanadische Recruiting-Firma Boyden. Seine Hauptaufgabe als Headhunter besteht darin, globale C-Level-Positionen zu besetzen.

Fehler anerkennen und persönliches Versagen hängen nicht zusammen

Sicherlich: Diese Frage ist unangenehm, entspricht damit jedoch genau dem Muster von derartigen Formulierungen. Das einzige was Duguay laut eigener Aussage auf diese Frage nicht hören möchte, sind Antworten wie „Ich habe noch nie einen Fehler gemacht.“ oder „Meine Karriere ist bislang reibungslos verlaufen.“

Denn letztendlich deuten derartige Sätze nur daraufhin, dass der potenzielle Bewerber sich einerseits nicht ernsthaft mit dem Thema der Selbstreflexion beschäftigt hat. Denn es ist unbestreitbar, dass wir in unserer Karriere alle Fehler begehen.

Dabei muss es sich nicht einmal um große oder geschäftsschädigende Taten handeln. Es genügen auch schon Fehler im Umgang mit Stresssituationen oder bei der persönlichen Betreuung von unterstellten Mitarbeitern oder Kollegen.

Wer weiß, dass er Fehler begangen hat, zeigt, dass er eigene Fehler anerkennen kann und aus diesen Fehler auch lernen kann oder schon daraus gelernt hat. Es geht also um Transparenz und Ehrlichkeit – und nicht darum, falsches Verhalten ans Tageslicht zu fördern.

Niemand ist perfekt!

Die in meinen Augen wichtigste Lektion ist: Ehrlichkeit und Transparenz sind die wichtigsten Eigenschaften – beruflich und privat. Niemand ist perfekt und das sollte auch nicht das Ziel sein.

Wer von seinen Mitarbeitern verlangt, dass sie nie wieder Fehler begehen, lebt in einer Utopie. Selbstverständlich ist es richtig, das Beste herauszuholen und eine perfekte Bilanz als Ziel auszugeben.

Doch wenn dann trotzdem Fehler passieren, ist es insbesondere für Führungskräfte und Geschäftsführer wichtig, einfühlsam zu sein. Anstelle des Vorschlaghammers sollten sie lieber nach dem Weg suchen, über den Mitarbeiter am besten zu erreichen sind.

So oder so zeigt sich: Nur wer eigene und fremde Fehler anerkennen und akzeptieren kann, bringt die Eigenschaften mit, die eine gute Führungskraft benötigt.

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit Ende 2017 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Durch seine Arbeit im Social-Media- und Marketing-Ressort der INTERNET WORLD Business, am Newsdesk von Focus Online und durch sein Journalismus-Studium sowie sein redaktionelles Volontariat hat er in den Bereichen der Redaktion und des Social Media Managements mehrjährige, fundierte Erfahrung gesammelt. Beruflich und privat beschäftigt er sich mit Social Media, New-Work-Konzepten und persönlicher Entwicklung.

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