Wirtschaft

Start-up-Check! Kalea – der smarte Küchenkomposter, der Methan den Kampf ansagt

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Der smarte Komposter von Kalea will den Austoß von Methangas reduzieren. (Foto: Screenshot / YouTube)
geschrieben von Christoph Hausel

In der Serie „Start-up-Check!“ nehmen wir regelmäßig die Geschäftsmodelle von Start-ups unter die Lupe. Wer steckt hinter dem Unternehmen? Was macht das Start-up so besonders und was gibt es zu kritisieren? Heute: Kalea.

Start-ups. Das klingt nach Erfindergeist, Zukunftstechnologien, neuen Märkten. Doch in der Realität erweisen sich viele der Neugründungen leider oft als eine Mischung aus einer E-Commerce-Idee, planlosen Gründern und wackeligen Zukunftsaussichten.

Dabei gibt es sie durchaus: Die Vordenker, die an den großen Problemen tüfteln und Geschäftsmodelle revolutionieren. Diese zu finden und vorzustellen, ist die Aufgabe des Formats Start-up-Check. Heute: Kalea aus Stuttgart.


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Wer steckt hinter Kalea?

Gerade die letzten Wochen haben dazu eingeladen, das eine oder andere neue Rezept auszuprobieren und zu schnibbeln, was das Zeug hält. Doch wohin mit den Küchenabfällen? Schließlich hat nicht jeder einen Garten zu Hause. Die Reste landen also mit Glück in der Biotonne, aber im häufigsten Fall im Restmüll.

Knapp 50 Prozent des durchschnittlichen Restmülls bestehen aus Biomasse, die damit unrecycelt bleibt. Dabei gehen auch wertvolle Bestandteile der Bioabfälle wie Mineralien, Nährstoffe und Wasser verloren.

Unter dem Motto „Make Compost, Not Waste“ haben sich Christian Gärtner, Dr. Johannes Luschitz und Patrick Nennewitz an die Lösung dieses Problems gemacht und mit Kalea ein kompaktes Gerät für die Küche entwickelt, das fast alle Bestandteile des täglichen Biomülls in nur 48 Stunden bequem und geruchlos zu Kompost verarbeitet.

Die Gründer wollen mit ihrer Idee einen nachhaltigen Beitrag für die Umwelt leisten, indem sie das lästige Entsorgen des Küchenmülls lösen, nährstoffreichen Dünger für Pflanzen gewinnen und damit die Entstehung von klimaschädlichem Methangas vermeiden.

Den Entwicklungsprozess starteten die drei Gründer 2017 an der Technischen Universität in Darmstadt mit einem Konzept-Workshop, aus dem ein greifbares Produkt für die eigene Küche entstehen sollte.

Schnelle, saubere, hygienische und effektive Anlagen gab es nämlich bereits – nur eben nicht in einem kompakten Format.

Mit einer Küchenmaschine als Prototyp-Testobjekt und verschiedenen Einbauten – darunter ein Mini-Gebläse aus einem Kärcher Fensterreiniger oder eine kleine Wasserpumpe – tüftelte das Team so lange, bis Ende 2018 ein fast perfekter Kalea Küchenkomposter nährstoffreichen Kompost herstellte.

Um den nächsten Meilenstein der Serienproduktion zu erreichen, startete das Kalea-Team im Oktober 2020 eine Crowdfunding-Kampagne und das mit Erfolg: 995 Unterstützer trugen 484.910 Euro bei, um dieses Projekt zu verwirklichen.

Die Produktion selbst wird in der EU erfolgen. Der smarte Komposter soll dann für etwa 899 Euro erhältlich sein. Die Auslieferung ist für 2021 geplant.

Was macht Kalea?

Kalea sorgt für eine bequeme, saubere und vor allem geruchlose Verarbeitung der täglichen Küchenabfälle. Der Komposter misst in etwa 20 mal 65 mal 50 Zentimeter und passt durch sein modernes, minimalistisches Design in jeden Haushalt.

Sobald genügend Küchenabfälle zugegeben wurden, befördert Kalea das vorbehandelte Material automatisch in die Kompostierkammer. Der Kompostierungsprozess selbst erfolgt mit Hilfe von Mikroorganismen, die von Natur aus auf allen organischen Stoffen vorhanden sind.

Sie sorgen ganz natürlich für den notwendigen Zersetzungsprozess.

Mit intelligenter Sensorik und Steuerung schafft Kalea dabei eine für die Mikroorganismen perfekte Kombination aus optimaler Temperatur, Feuchtigkeit und Belüftung im Inneren des Geräts.

Damit ist das Gerät als erster Komposter in der Lage, die Kompostierungszeit von mehreren Wochen auf nur 48 Stunden zu reduzieren. Im Vergleich benötigt eine Bananenschale rund sechs Wochen, bis sie verrottet ist.

Kalea kann pro Zyklus bis zu zehn Liter Bioabfälle verarbeiten und ist selbst im Kompostiermodus befüllbar. Dabei können Gemüse, Obst, Essensreste, Brot, Backwaren, verarbeitete Lebensmittel, Milchprodukte, Eierschalen, Teebeutel, Kaffeesatz und Blätter hineingegeben werden.

Sogar Fleisch, Wurst, Käse, kleine (Hühner-)Knochen, kleine Nussschalen, (sehr) kleine Zweige und als „biologisch abbaubaubar“ oder „kompostierbar“ gekennzeichnete Einwegartikel sind möglich.

Aus dem eingefüllten Biomüll entstehen etwa 1,5 Liter nährstoffreicher Kompost, der sich optimal für die Düngung von Garten-, Zimmer- und Balkonpflanzen eignet. Als Nebenprodukt kann Wasser zurückbleiben, das durch seinen hohen Nährstoffgehalt zum Gießen verwendet werden kann.

Um sicherzustellen, dass der Kompost geruchsfrei verarbeitet wird, haben die Gründer zudem einen Aktivkohlefilter integriert, der je nach Gebrauch alle drei bis sechs Monate gewechselt werden muss. Hier tüftelt das Team bereits an Lösungen für den nachhaltigsten Weg, den Filter zu recyceln und haben Pläne für eine wiederverwendbare Filterlösung.

Auch die Reinigung ist einfach: Der Einfüllschacht und der Kompostbehälter können herausgenommen und in die Spülmaschine gestellt werden. Ansonsten ist keine manuelle Reinigung notwendig.

Was macht Kalea so besonders?

Kalea ist der erste Küchenkomposter, der die eingefüllte Biomasse automatisch zerkleinert, durchmischt, trocknet und echten, nährstoffreichen Kompost zur Verfügung stellt.

Viele Geräte, die bereits auf dem Markt sind, produzieren nur getrockneten, zerkleinerten Biomüll – keinen Kompost. Das kann im schlimmsten Fall sogar gefährlich für Pflanzen werden.

Kalea beschleunigt während des Prozesses die Vermehrung und den Stoffwechsel der Mikroorganismen durch intelligente Steuerung und Sensorik. Dabei ist vor allem der Mischprozess entscheidend.

Bei einem Komposthaufen im Garten kann der biologische Prozess nur in der Mitte des Haufens stattfinden, wo es am wärmsten ist. Deshalb muss das Material regelmäßig umgelagert werden.

Der Kalea Küchenkomposter ist zudem noch smart und mit einer eigens entwickelten App für iOS und Android kompatibel, über die die Nutzer das Gerät von überall aus bequem starten und überwachen können.

Über die App lässt sich auch verfolgen, wie viel Biomüll bereits kompostiert wurde und wie viel CO2 man durch den Einsatz von Kalea sparen konnte. Als Teil der Kalea-Community erhalten die Nutzer zusätzlich zahlreiche Tipps und Informationen rund um das Thema Urban Gardening und Pflanzenpflege – ebenso wie auf dem Blog.

Wer übrigens gerade keinen Kompost braucht, kann diesen dank des speziellen Trocknungs- und Hygienisierungsverfahrens für die spätere Verwendung lagern. Wer in Eile ist, lässt das Kalea Kurzprogramm laufen, das nur wenige Stunden dauert. So können Küchenabfälle sauber und geruchlos verarbeitet werden, sodass sie direkt in der (Bio-)Mülltonne entsorgt werden können.

Gibt es Kritikpunkte?

Weltweit macht Biomüll rund 50 Prozent der Gesamtabfallmenge aus. Gerade außerhalb Deutschlands werden diese organischen Abfälle sehr häufig auf Deponien abgelagert. Dort werden sie aufgrund des Sauerstoffmangels anaerob zersetzt und erzeugen Methan.

Methan ist ein starkes Treibhausgas. Es erwärmt die Erde auf einer Zeitskala von 100 Jahren etwa 28 Mal stärker als Kohlendioxid und ist in 20 Jahren über 80 Mal schädlicher. Mit seinem Komposter haben die Gründer hier ein Produkt entwickelt, das zumindest einen kleinen Teil dazu beiträgt, die Umwelt zu schützen.

Ein weiteres Plus: Kalea ist von Anfang bis Ende äußerst durchdacht. Verschiedene Sensoren messen und regeln Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Belüftung. Auf diese Weise garantiert Kalea optimale Stoffwechselbedingungen für die Mikroorganismen und sorgt so für eine schnellstmögliche Kompostierung.

Die beim Kompostieren entstehende Wärme wird direkt entzogen und zum Trocknen des Abfalls wiederverwendet. Eine absolute Win-Win-Situation, denn das spart Energie und entfeuchtet die Abluft. On top benötigt Kalea kein zugeführtes Wasser, da Biomüll von Natur aus bereits größtenteils aus Wasser besteht.

Zwei Kritikpunkte gibt es bei all den Vorteilen dennoch. Im Trocknungs- und Zerkleinerungsmodus nach dem Befüllen mit organischen Abfällen ist die Lautstärke von Kalea mit einer Waschmaschine vergleichbar, die Lautstärke des späteren Kompostierungsprozesses in etwa mit einer Geschirrspülmaschine.

Auf der Website wird Kalea trotzdem als fast geräuschlos beschrieben, aber gerade geräuschempfindliche Personen in kleineren Wohnungen könnten sich hier gestört fühlen. Auch die Preisgestaltung mit rund 899 Euro ist recht happig.

Fazit

Trotz des hohen Preises kombiniert Kalea viele Vorteile. Der Komposter passt auch in die kleinste Küche und hilft so nicht nur Bioabfälle zu entsorgen, sondern tut damit auch der Umwelt etwas Gutes. Auch Balkon-, Zimmer- und Gartenpflanzen freuen sich über den extra Nährstoff-Boost durch Wasser und Kompost.

Ich drücke daher dem noch sehr jungen Unternehmen die Daumen, dass mit der Serienproduktion und der Auslieferung alles klappt und es langfristig wachsen kann.

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Über den Autor

Christoph Hausel

Co-Owner & Managing Director von ELEMENT C

Christoph Hausel, studierter Jurist und erfahrener Kommunikationsprofi, steht zahlreichen Acceleratoren / Inkubatoren und VCs als Mentor und Experte zur Seite: next media accelerator, initiiert von der dpa, MediaLab Bayern, Münchner Ideen-Inkubator für den digitalen Journalismus, Wayra, der Startup-Track von Telefónica und den STARTUP TEENS.

2002 gründete er die Kommunikationsagentur ELEMENT C. Damals als reine PR-Agentur konzipiert, fokussiert sich ELEMENT C seit 2005 auf die interdisziplinäre Verknüpfung von PR und Design, um ein langfristiges Markenbewusstsein zu schaffen.

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